10 Tipps für die mobile Webseite
10 Tipps für die mobile Webseite
Obwohl dem Mobile Commerce eine immer größere Bedeutung vorausgesagt wird, hapert es bei vielen Shops noch an der Qualität der Umsetzung: Die Benutzerfreundlichkeit mobiler Webseiten lässt oft noch zu wünschen übrig. Sofern sie denn überhaupt vorhanden sind. Doch nach welchen Kriterien sollte überhaupt eine Umsetzung erfolgen? Für Entwickler gibt es zwar eine Vielzahl an Tutorials, diese werden jedoch oftmals auch nur das umsetzen, was ihnen seitens der Auftraggeber vorgegeben wird: Worin sich Smartphone- und Tablet Commerce unterscheiden und welche 10 Funktionen und Elemente für den mobilen Webshop auf dem Smartphone entscheidend sind.

Mobile Commerce: Tablet- und Smartphonenutzung sind gegeneinander abzugrenzen

Bei der Umsetzung von Benutzeroberflächen für die Touch Screens mobiler Geräte, müssen sich Entwickler immer wieder mit dem gleichen Zielkonflikt auseinandersetzen: Übersicht und damit Benutzerfreundlichkeit, oder aber Umfang und Funktionalität, ergo eine möglichst großes Repertoire an Navigationselementen und Filtern. Wie löst man diesen Konflikt im Rahmen eines mobilen Webshops auf und was gehört letztlich noch alles an Elementen und Funktionen hinein? Smartphones bieten Entwicklern "weniger Fläche" als Tablets und werden zudem anders genutzt. Während Tablets auf der Couch zum entspannten Stöbern einladen, sind Smartphones die Alleskönner im hektischen Alltag. Ergo gilt es auch bei der Umsetzung mobiler Benutzeroberflächen zu differenzieren: "Groß gegen Klein". "Sofagemütlichkeit gegen Alltagshektik."

Mobile Commerce. Hindernisse beim Einkauf mit dem Smartphone: "Bevorzuge Computer. Ist zu kompliziert. Ist nicht sicher." Quelle: "Our Mobile Planet"
Mobile Commerce. Hindernisse beim Einkauf mit dem Smartphone: "Bevorzuge Computer. Ist zu kompliziert. Ist nicht sicher." Quelle: "Our Mobile Planet"

Im Smartphone-Alltag sind die Deutschen noch zurückhaltend, zumindest was ihre Shopping-Laune betrifft: Sie nutzen mehrheitlich Computer/Laptops, haben oft Sicherheitsbedenken und befürchten zudem eine hohe Komplexität bei mobilen Webshops. Neben den Herausforderungen für das Marketing (Zusatznutzen und Bekanntheit), lässt sich aus diesem Stimmungsbild für die Entwicklerseite eine klare Zielsetzung ableiten und somit der eingangs genannte Zielkonflikt weiter eingrenzen: Komplexität beseitigen und gleichzeitig Serviceleistungen hervorheben. Welches Pflichtenheft ergibt sich nun daraus?

1. Automatische Erkennung eines mobilen Browsers

Eine technische Grundvoraussetzung. Diese lässt sich über die Weiterleitung zu einer mobilen URL oder aber über ein responsives Design erreichen. Weiterhin: Jeweils abhängig vom mobilen Gerät auf der mobilen Seite sollte man auf vorhandene native Apps aufmerksam machen und darin direkt einen Verlinkung zum jeweiligen Appstore bereitstellen.

2. Navigationsleisten

Bestenfalls zwei. Jeweils eine am oberen und unteren Seitenrand, so dass Nutzer beliebig Scrollen und Blättern können, wichtige Funktionen (Warenkorb, Nutzer-Account, etc) über Navigationsleisten dabei jedoch jederzeit erreichbar bleiben.

3. Suchleiste

Ist kein "Muss", unter Umständen reicht auch nur eine Kategorienübersicht, durch sich leicht via Collapsibles in Unterordner navigieren lässt. Je größer der Produktkatalog, umso wichtiger wird diese jedoch. Die Suchfunktion selbst sollte bestenfalls fuzzy-gestützt sein, dass heisst, bei vermeintlich häufig aufretenden Tippfehlern auf den kleine Tochscreens mit einer Worterkennung weiterhelfen zu können.

4. Shopfinder

Für Pure Player natürlich hinfällig, für Omnichannel Retailer jedoch ein "Muss": Dem Kunden bei der Suche nach dem nächsten stationären Ladengeschäft zu helfen.

5. Login-Funktion 

Eine Login-Möglichkeit zum eigenen Kunden-Account stellt eigentlich eine Selbstverständlichkeit dar, gehört hier dennoch explizit erwähnt: Klickbare Elemente sollten hier so großzügig bemessen sein, dass Nutzer nicht mit der Lupe suchen müssen oder bei etwaiger Korrektur mühsam in den entsprechenden Eingabefeldern rumklicken müssen. Anwender würden versuchen sich die entsprechenden Eingabefelder selbst per Multitouch-Gesten vergrößern, was oftmals in den mobilen Webseiten gar nicht möglich ist: Hier droht Frust und somit ein Abbruch der Order.

6. Warenkorb

Auch trivial, aber ebenfalls nochmals hervorzuheben. Der Warenkorb sollte zum einen mehrere Tage lang persistent sein und zudem mit der vollen Version der Webseite synchronisiert werden, so dass Nutzer eine Bestellung am heimischen Desktop vervollständigen können.

7. Order Status

Sind wünschenswert: Smartphones sind mobile Geräte, Kunden platzieren unterwegs ihre Orders, haben dann aber mobil keine Möglichkeit zu Tracking und Tracing? Das widerspricht der Grundidee des Mobile Commerce. Wann kommt was, wann ist was wo angekommen? Berechtigte Fragen, die der mobile Mensch gern auch mal in Bus und Bahn, oder in der Pause würde checken wollen. Auch eine Orderhistorie ist wünschenswert.

8. Bezahlmöglichkeiten

Auch hier gilt: Davon auszugehen, dass Kunden sich mit Pinchen, Scrollen und Zoomen schon "Durchfrickeln" werden ist ein No-Go: Reduktion auf wesentliche Eingabefelder, die bereits in "klickbarer" Größe bereit gestellt werden, am besten über Pull Down-Menüs. Direkte Anbindung an populäre Payment-Services wie PayPal ist wünschenswert. Und: Auch mobil sind Rechnungs- und Warenempfänger nicht immer identisch, entsprechend sollte der Platz eingeräumt werden.

9. Kundendienstanbindung

Wer nicht mag, der tut es auch nicht (Amazon), aber wer bereits auch auf dem Desktop-Browser zum Beispiel mit seiner telefonischen Erreichbarkeit wirbt, sollte diesen Service auch in mobilen Umgebungen bewerben: Über einen "Click To Call"-Button lässt sich eine direkte Verbindung vom Smartphone zum eigenen Kundendienst aufbauen.

10. Vollversion der Webseite als Alternative

Anwender, die mit der mobilen Variante doch aus irgendwelchen Gründen hadern, sollten die Vollversion als Alternative öffnen können. Auf jeder Seite. Eigentlich ebenfalls trivial, aber der Clou besteht hier dann darin, den Anwender nicht einfach zur Homepage zu leiten, sondern auf dem großen Pendant genau der Seite, die zuvor verlassen wurde. Andernfalls müsste er sich schließlich gänzlich neu orientieren und würde den Kaufprozess unter Umständen abbrechen.

Fazit: Smartphone Commerce ist keine Erlebniswelt in der Zukunft, sondern Antizipation für einen rationalen Konsum in der Gegenwart

Welche dieser Funktionen sich letztlich konkret umsetzen lassen, ist natürlich immer eine Einzelfallentscheidung. Die Liste stellt in sofern nur eine Auswahl zur Orientierung dar, die dabei aber einem bestimmten Denkansatz folgt: Anders als auf den "Big Screens" von Desktops und Tablet PCs, sollte sich die Umsetzung eines Smartphone Commerce nicht an gängigen Leitbildern des elektronischen Handels orientieren.

Es geht im Smartphone Commerce nicht um vermeintliche Trends, wie sie seitens Online-Marketern oder Beratern immer wieder gern kolportiert werden: Keine "Erlebniswelten", kein "Mobiler Mensch", der sich, befreit von vielen Anforderungen des "analogen Echtlebens" nur noch durch einen urbanen digitalen Alltag bewegen würde, und für den Shopping Hobby und Bedürfnisbefriedigung zugleich wäre.

All diese Unschärfen sollte man ignorieren: Der "Kickoff" für den E-Commerce hat sich einst am heimischen Desktop entwickelt, weil Verbraucher nicht mehr den stationären Handel frequentieren mussten. Das Plus an vermiedenem Aufwand schlug die Unsicherheit über das Neue: Waren nicht anfassen zu können, persönliche Daten preisgeben zu müssen, etc.  

Der Mobile Commerce im eigentlichen Wortsinn stellt somit nur die nächste logische Stufe dieser Entwicklung dar: Anstatt nun seine Zeit am heimischen Desktop mit Einkaufen verbringen zu müssen, ließe sich das ja auch unterwegs abbilden. In Zeitfenstern, die sich im Alltag ergeben. Der mobile Mensch ist unterwegs von A nach B und könnte diese Zeit nutzen, um sich nicht an C (seinem zu Hause) noch zusätzlich mit Shopping befassen zu müssen. Der PC ersetzte die Fahrt zum Laden und das Smartphone ersetzt das "sich vor den PC setzen zu müssen."

Diesen Ansatz gilt es nun zu vermitteln, Entwickler-seitig umzusetzen und mit dem Ziel "Erlebnis", das man vielleicht über seine anderen digitalen Kanäle anstrebt, in Einklang zu bringen.

Grafik: Our Mobile Planet

Weiterführende Links: 

Startmobile: Umfassendes Infoportal von Google zum Einstieg in die Entwicklung mobiler Webseiten