Ebay und Paypal: QR-Code statt klingender Münze
Ebay und Paypal: QR-Code statt klingender Münze

Vom Durchbruch des M-Commerce ist längst nicht mehr die Rede. Mobiles Shopping wird gerade zum Standard in der Customer Journey. Jetzt geht es ans mobile Bezahlen.

Dem Smartphone als Geldbörse könnte 2012 die große Stunde schlagen. Die Anzeichen mehren sich.  Online-Payment-Anbieter PayPal stellt auf den M-Days heute seine Version des QR-Shoppings vor, und will nun den Handel umkrempeln.

Zum Türöffner für Mobile Payment könnten aber die Olympischen Spiele werden.

PayPal und der IT-Dienstleister Itellium haben eine App für QR-Code-basiertes Bezahlen im Handel, Web und Window-Shopping entwickelt.

Die App soll den Nutzer nicht nur  über die Verfügbarkeit des gesuchten Produkts, Rabatte und Treueprogramme automatisch informieren, sondern auch eine sichere und schnelle Zahlungsabwicklung bieten. Mit der App kann entsprechend gekennzeichnete Ware direkt  mobil bezahlt werden und würde dem Handel eine Multichannel-fähige Alternative zu anderen Systemen bieten.

Der QR-Code für das „Window-Shopping“ könnte an der Kasse, an der Ware, auf Katalogen oder auf Plakaten erzeugt werden. Erste Händler sollen bereits mit im Boot sein. Wie das geht zeigte Ebay zu Weihnachten in einem Popup-Store in London. Der QR-Code hing am Produkt, bestellt und bezahlt wurde per Scan, die Ware dann nach Hause geliefert.  

"Wir müssten jeden Schokoriegel technologisch aufrüsten."

Trotz gewaltiger Wachstumsaussichten  sind FMCG-Anbieter wie Uwe Storch, Head of Media bei Ferrero, aber noch skeptisch: ""Im FMCG-Bereich müssten wir jeden Schokoriegel technologisch aufrüsten, damit die Kunden nicht mehr an der Kasse warten müssen. Das ist bei den Margen im Handel eher unrealistisch."

Gleichzeitig schiebt Paypal in einer Kooperation mit dem Mobile Technologie und Solution Spezialist Sevenval die mobile Bestellabwicklung und Bezahlung weiter an. YOC-Tochter Sevenval bietet technische Lösungen zur Entwicklung von mobilen Webseiten, Web Applikationen sowie hybriden Apps und arbeitet bereits für Kunden wie Mercedes-Benz, Coca-Cola, AirBerlin, Postbank, Baur Versand und Sport Scheck. 

Paypal umwirbt Kunden mit der Aussicht auf Mehrumsatz, wenn eine  einfache und klare Nutzerführung die Abbruchrate senkt. „Nach fast einem Jahr Erfahrung mit mobilen Zahlungen beobachten wir bei Webshops, die für mobile Auftritte optimiert sind, drei bis fünf Mal so hohe Umsätze über mobile Endgeräte“, sagt Holger Spielberg, Head of Mobile Payments & Innovation bei PayPal.  Könnte stimmen: Nach der Markteinführung der mobilen Checkout-Lösung PayPal Express Mobile im März 2011 konnte PayPal im vergangenen November bereits den Durchbruch der 170 Millionen US-Dollar-Grenze für Mobile Payments in Deutschland verzeichnen. Global erwartet PayPal in diesem Jahr im Bereich mobiler Zahlungen eine weitere Umsatzsteigerung von 75 Prozent auf insgesamt 7 Milliarden US-Dollar.

Eile ist geboten. Denn mit Stripe schickt sich ein Startup an, das Bezahlen per Kreditkarte im Web noch einfacher zu machen und greift damit Paypal im Kernsegment an. Noch dazu unterstützt von Sequoia Capital, Andreessen Horowitz sowie vom einstigen Paypal-CEO Peter Thiel.

Das Startup, auf das auch Google ein Auge geworfen haben soll, verspricht einfache Strukturen, einfache API, schnellere Händler-Einbindung und weniger Ballast.  

„No more merchant accounts, gateways, subscriptions, credit card storage, hidden fees--Stripe handles all the wonky details for a dead-simple rate of 2.9% plus 30 cents per transaction. Stripe's aim, the cofounders agree, is to make accepting payments online as simple as embedding a YouTube video“, heißt es bei Fast Company.

Olympia wird zum großen Feldversuch für Mobile Payment

Der eigentliche Traum des mobilen Bezahlens, die Hochzeit zwischen On- und Offline, sie aber soll in London bei den Olympischen Spielen stattfinden.

McDonalds will in einem eigens errichteten Olympia-Restaurant die kontaktlose Bezahlung ermöglichen. Samsung wird dazu eine spezielle Olympia-Edition eines Handys anbieten, die mittels Visa-App kontaktlose Mobile Payments ermöglicht.  Near Field Communication statt klingender Münze ist zu Olympia auch bei Starbucks angesagt.

Kunden von Bloomingdale’s oder Toy’R’Us in den USA, die den Mobile-Wallet-Service von Google über ein Android-Smartphone genutzt haben, werden sagen, „kennen wir längst“. Und auch in London gibt es schon jetzt einige zehntausend Kontaktstellen per NFC-Technik in Bussen, Restaurants und Läden. Klar. Die Olympiade aber verschafft dem Thema erst die breite Aufmerksamkeit im Massenmarkt. 

 Und wird damit auch die Datenschutz-Debatte auf einem neuen Feld eröffnen. Mit Girogo haben die Sparkassen und Volksbanken deshalb jetzt ihr eigenes System für kontaktloses Bezahlen eingeführt. Weniger sexy, aber angeblich sicherer. Pilotprojekte starten in Kürze, die Einführung soll im Sommer beginnen. Vorteil dieses Systems.  Die Verbreitung der Sparkassen-Karte: 16 Millionen der insgesamt 45 Millionen Sparkassen-Cards sollen schon in diesem Jahr für Girogo ausgetauscht werden.

Nachteil: Man braucht immer noch Karte plus Smartphone. Es klingt nach einem typisch deutschen Zwischenschritt.  Olympisch gesagt: Eher Silber als Gold.