"Nur keine Möbel – ein ganz schwieriges Geschäft!" Mit diesen Worten schloss Benjamin Esser, Chef des Heimtextil-Anbieters Urbanara, kürzlich im etailment-Interview jegliches Engagement in dieser Richtung aus. Andere scheinen mehr Gefallen am Thema zu haben: Nach den Daten des aktuellen EHI-Möbelreports, den das EHI Retail Institute im Auftrag des Mittelstandsverbundes erstellt hat, setzt sich der Trend zum E-Commerce im Möbelhandel fort. Der Umsatz des Versandhandels sei 2011 um 6,1 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro gestiegen - über die Hälfte der bestellten Möbel wurden online bestellt. Die Wachstumsrate liegt damit über der des gesamten Möbelhandels, der im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent auf 30,7 Milliarden Euro gewachsen ist.

Franz Hampel, Sprecher der Fachgruppe Möbel im Mittelstandsverbund, beschwört daher die Unternehmen, die Hnder nicht in den Schoß zu legen: "Vor diesem Hintergrund wird die kluge Einbindung neuer digitaler Vertriebskanäle auch für den stationären Facheinzelhandel zur wichtigen Zukunftsaufgabe." Verbundgruppen komme dabei eine Schlüsselrolle zu: "Gemeinsame Lösungen machen es den Kooperationsmitgliedern möglich, von erheblichen Kosten-, Effizienz- und Größenvorteilen zu profitieren - ohne die eigene Individualität aufzugeben", erklärt Hampel.


Unter den Online-Startups ist es strittig, ob sich ein Einstieg in den schwierigen Markt lohnt. Zwar winken attraktive Margen, gleichzeitig spricht aber vieles dafür, dass die Kunden großen Wert auf das "Probesitzen" im stationären Ladengeschäft legen. Zumindest Onlinehändler, die keine gängigen, überall zu besichtigenden Markenprodukte führen, können hier echte Probleme bekommen - von der anspruchsvollen Logistik und dem Service ganz abgesehen. Immerhin: Laut der EHI-Studie "Trends im Handel 2020" geben 46 Prozent der über 1000 befragten Verbraucher an, dass der Online-Verkauf von Möbeln künftig eine wachsende Bedeutung haben wird. Aber die klassischen Möbelriesen schauen natürlich nicht tatenlos zu, sondern rüsten ihr Angebot in Richtung Multichannel ebenfalls auf - hier ein interessanter Kommentar auf Deutsche-Startups.de dazu.  

Die Samwer-Brüder scheinen sich auch nicht ganz sicher zu sein: Sie haben kürzlich ihre 26-prozentige Beteiligung am Designmöbel-Shop Fashion for Home an die übrigen Investoren verkauft. Stattdesssen konzentrieren sie sich nun offenbar auf ihr Unternehmen Home24 und damit auf das Breitengeschäft. Auch hier aber eine irritierende Nachricht: Home24 muss seinen Marktplatz wegen der Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems bis Oktober stilllegen. Apropos "Probesitzen": Interessant in diesem Zusammenhang, dass Fashion for Home laut Gründerszene im August ein 400 Quadratmeter großes Ladengeschäft in Berlin eröffnen will und weitere Stores plant.