Kann auch offline: Fashion for home

Das letzte, was ich bei Ikea gekauft habe, waren ein Pax, Kleiderbügel  - und Teelichter. All dies würde ich heute online kaufen. All dies würde in der Statistik vermutlich unter Möbel fallen. Man muss deshalb bei Statistiken zum Markt etwas vorsichtig sein, weil dort der Couchtisch genauso viel Gewicht hat wie die Schrankwand. Also statistisch gesehen jedenfalls.

Und dennoch: Aktuelle Zahlen des Branchenverband Bitkom belegen, dass der Möbelmarkt längst auch ein Onlinemarkt ist. Knapp jeder vierte Internetnutzer in Deutschland (23 Prozent) hat bereits Möbel oder Einrichtungsgegenstände im Internet gekauft. Das entspricht mehr als 12 Millionen Deutschen.

Zum Vergleich: 2011 waren es noch 8 Millionen.    

Vorbei die Zeit,  in der sich kleine und große Händler auf der Romantik des Haptischen ausruhen konnten.  Sogar  jeder Fünfte (19 Prozent) der 50- bis 64-jährigen Internetnutzer hat schon einmal online Möbel geordert. Besonders häufig wird das Web von den 30- bis 49-Jährigen als Möbelhaus genutzt: Knapp jeder Dritte (30 Prozent) hat bereits Einrichtungsgegenstände im Internet bestellt. Auf  1,7 Mrd. Euro (Wachstum plus 6 Prozent) beziffert der EHI-Möbelreport 2012 im Auftrag des Mittelstandsverbundes (ZGV) den Versandhandels-Markt. Für 2011.

Knappst am Mitbringsel-Markt der Möbelhäuser: Zalando

Der mittelständische Händler ist da gut beraten, sich zeitnach nach Webshop-Lösungen umzusehen. Denn Online-Anbieter wie Fashion For Home oder Home24 drängen aggressiv auf den Markt. Auch mit reichweitenstarker TV-Werbung. Top-Player wie Baur, Otto und Zalando mischen ebenfalls mit. Wie relevant die den Markt finden, zeigt das Beispiel Zalando. Der Online-Händler hat einen eigenen Wohnen-Katalog auf den Markt geworfen. Das Sortiment ist zwar noch eher in der Teelichter-Ecke zu Hause - aber auch das knappst am Mitbringsel-Umsatz der Möbelhäuser und könnte sich zudem beizeiten ändern. Auch ein Filialist wie Butlers stellt sich ganz bewusst Richtung online auf.

Und: Die Pure Player wissen um die Marketingkraft des Anfassbaren. Fashion for home eröffnete im Sommer  auf 400 qm in Berlin den ersten Store.

Fürchten aber müssen die stationären Händler - aber auch die Hersteller - künftig vor allem die wachsende Preistransparenz im Markt. Zwar werden die stationären Händler von den Herstellern zuweilen fürstlich bevorzugt, doch mit dem Wachstum des neuen Kanals dürfte sich die Vertriebspolitik alsbald ändern.  Da wird der im Vorteil sein, der mit weniger austauschbaren Designs und damit weniger vergleichbaren Preisen punkten kann. Es rächt sich nun, dass es den Herstellern bis auf wenige Ausnahmen im Premiumbereich, nicht gelungen ist, Marken aufzubauen.

Ohne Produktmarke aber zählt der Service und Flexibilität bei der Lieferung. Da aber könnte der Onlinehandel einmal mehr die Nase vorne haben, bringt er das Know-how dafür doch bereits mit.