Der Frankfurter Versandhändler neckermann.de will im kommenden Jahr eine "schwarze Null" schreiben. Von Minderheitseigner Arcandor drohe keine Gefahr. 

Die Insolvenz des Universalversenders Quelle, dem im Jahr 2008 nach Amazon zweitgrößten Versandhändler Deutschlands, ist derzeit das Gesprächsthema in der Versandbranche.

Da liegt es nahe, sich nach neckermann.de zu erkundigen. Der Nummer Vier, die in den vergangenen Jahren vor allem durch Management- und Eigentümerwechsel sowie nicht besonders guten Zahlen von sich Reden machte. Zumal die zur insolventen Arcandor-Gruppe gehörende Quelle-Mutter Priomondo GmbH immerhin 49 Prozent an dem Frankfurter Universalversender hält.

"Ein Sanierungsfall"

Neckermann.de hatte für heute, Dienstag, zu einer Pressekonferenz eingeladen. Doch obwohl der Einladungstext mit den Worten "neckermann.de ist ein Sanierungsfall“ begann, versuchte das neue Management, Optimismus zu verbreiten: "Die Umsatzziele für 2009 werden nach aktueller Planung leicht übererfüllt", sagte Henning Koopmann, Vorsitzender der Geschäftsführung und CEO von neckermann.de

Im Jahr 2009 wird der Versandhändler demnach in Deutschland 747 Millionen Euro umsetzen - nach 820 Millionen Euro im vergangenen Jahr. "Unser Ergebnis haben wir aber gegenüber dem Vorjahr um einen zweistelligen Millionenbetrag verbessert", betonte Koopmann.

Schwarze Zahlen dauern je nach Rechnung etwas länger

Doch verbessert heißt noch nicht, dass neckermann.de Gewinne erzielt. Im Gegenteil: Die vorgestellten Zahlen ließen den Rückschluss zu, dass der Verlust im Jahr 2008 höher war als im Jahr 2007, den die damalige Unternehmensführung auf rund 104 Millionen Euro beziffert hatte.

"Im kommenden Jahr werden wir eine schwarze Null schreiben", ist gleichwohl  Helmut Steurer, Geschäftsführer Finanzen, überzeugt. 2012 sollen sogar fünf Prozent Rendite drin sein. Doch nur nach der Kennzahl Ebitda, räumte er ein, also dem Ertrag vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände.

Wenn neckermann.de einmalige Kosten und Aufwendungen wie Zinsen, sonstige Finanzierungsaufwendungen, Steuern und Abschreibungen in ihrer Rechnung berücksichtigen würde, wäre das Unternehmen erst 2012 so weit mit der "schwarzen Null".

Online, online, online

Für das ehrgeizige Ziel setzt Neckermann auf das Onlinegeschäft: "Bereits heute machen wir rund sechzig Prozent unserer Umsätze online und wachsen aktuell in diesem Vertriebskanal um elf Prozent", führte Koopmann aus. "Jeden Tag gewinnen wir online mehr als 4.000 Kunden neu dazu. Und im Schnitt setzen wir mit dieser Kundengruppe pro Kopf rund 200 Euro pro Jahr um. Das zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg."

An dem gedruckten Katalog will Neckermann zunächst trotzdem festhalten, auch wenn die Zielgruppe "älter, weiblich, einkommensschwächer" immer kleiner werde. "Ob wir allerdings in zehn Jahren noch einen 1.000 Seiten starken Katalog haben, bezweifle ich", sagte Koopmann. "Doch wie der Katalog der Zukunft aussieht, werden die Kunden bestimmen." Zumindest billiger wurde er schon: Den Produktionspreis einer Katalogseite konnten die Frankfurter bereits um fünfzig Prozent drücken.

Neckermann will noch mehr Partner

Bestimmte Sortimentsteile will Neckermann darüber hinaus weiter an Partner auslagern: Achtzig solcher eingebundenen "Shop-in-Shop-Anbieter" kooperieren inzwischen mit dem Versender.

Auch die klassischen Sammelbesteller aus Katalogzeiten sollen im Onlinezeitalter weiter gepflegt werden - allerdings wird es zu deren Betreuung von kommendem Jahr an keine Außendienstler mehr geben: 140 Stellen fallen dadurch noch einmal in ganz Deutschland weg. "Mit dem Wegfall des Rabattgesetzes wurde es immer schwieriger, dieses System in dieser Form weiterzuführen", erläuterte der Unternehmens-Chef.

Entflechtung von Arcandor

Angesprochen auf die aktuelle Situation von Quelle und Primondo ließ sich Steurer schließlich doch noch aus der Reserve locken: "Die Entflechtung vom Arcandor-Konzern verläuft planmäßig und ist nahezu abgeschlossen", so der Finanzchef. "Grundlage für unsere Neuausrichtung ist das klare Bekenntnis unseres Hauptgesellschafters", ergänzte Koopmann.

Mit dem sind die Frankfurter nämlich zufrieden, wie der Neckermann-Chef immer wieder betonte. Der Privatinvestor Sun Capital Partners aus Florida hält seit dem vergangenen Jahr 51 Prozent an neckermann.de und habe den Frankfurtern wie bereits 2008 geplant in diesem Jahr einen Kreditrahmen von fünfzig Millionen Euro für Investitionen und Restrukturierungen zur Verfügung gestellt. "Dies ist ein klares positives Signal unseres Gesellschafters und Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss unseres Turnarounds", sagte Koopmann. "Wir haben also gute Ideen und sind liquide genug, um sie auch umzusetzen."

Vor allem die Technik ist da offenbar eine Großbaustelle: "Allein 2009 haben wir rund zwanzig Millionen Euro in unsere IT investiert", erläutert Steurer. "Bis 2012 kommen noch einmal mehr als vierzig Millionen Euro hinzu."

Über neckermann.de

Die neue Geschäftsführung von neckermann.de ist seit rund einem halben Jahr im Amt. Neben dem Vorstandsvorsitzenden Henning Koopmann sind dies Ulf Cronenberg (Marketing und Vertrieb), Ludger Schöllgen (Einkauf) und Helmut Steurer (Finanzen, IT und Logistik).

Das Unternehmen beschäftigt knapp 4.300 Mitarbeiter in Europa, davon 2.650 in Deutschland. Der Umsatz der Gruppe betrug 2008 rund 1,3 Milliarden Euro und wird voraussichtlich in diesem Jahr auf 1,2 Milliarden Euro sinken.

Sechzig Prozent seines Umsatzes macht der Händler mittlerweile über das Internet. Der Katalog erscheint derzeit in einer Auflage von 4,2 Millionen Exemplaren. 2008 wurden täglich 44.000 Sendungen zu den Kunden geschickt.

Im Jahr 2010 feiert das Unternehmen seinen sechzigsten Geburtstag. Der Onlineshop neckermann.de wird dann fünfzehn Jahre alt.