Natürlich ist es mehr als tiefgestapelt, wenn Rocket Internet Macher Oliver Samwer den E-Commerce zu einem Geschäft erklärt, das völlig unsexy sein. Und er übertreibt, wenn er verkündet, dass  80% der Offline-Händler nicht überleben werden.

Beim e-day von Tengelmann wählt Samwer wie gewohnt markige Worte. Man sollte sie beachten. Trotz aller Großspurigkeit: Denn mit einer Prognose trifft er zweifelsohne ins Schwarze: "Es geht alles noch viel schneller als bisher".

Es ist einer der seltenen Auftritte von Oliver Samwer in Mühleim. Man darf das auch als Verbeugung vor Tengelmann-Gesellschafter Karl-Erivan Haub verstehen, der eine exklusive Manager-Riege nach Mülheim geladen hat. Tengelmann zählte zu den frühesten Investoren bei Zalando, investiert auch in etliche andere Projekte von Rocket Internet. Karl-Erivan Haub ist damit einer der wenigen Handelsmanager, der frühzeitig und offensiv auf die Karte E-Commerce setzte.

Samwer wundert das nicht nur ein wenig: "Er ist immer noch der einzige klassische Einzelhändler bei uns. Da fragt man sich: Wo sind denn die anderen alle?"

Samwer versteht es nicht, warum der Handel weiter in Beton investiert. Der Anteil des E-Commerce-Geschäftes werde nicht nur weiter, sondern auch immer schneller steigen", prophezeit  Samwer. Und das noch die nächsten 20 Jahre. In zehn Jahren wird Amazon seiner Einschätzung nach das am besten bewertete Unternehmen sein.

Händler, die da nicht reagieren, würden eben aussortiert.  Er erinnert an Wal-Mart, die sich ärgern würden Amazon nicht gekauft zu haben, als es es noch ein Schnäppchen war. Jetzt erst investierte das Unternehmen massiv in E-Commerce.

Ein nur wenig verklausulierter Aufruf an Investoren

Man könnte das als Kaufargument für Zalando lesen. Muss man aber nicht. Er denke bei Zalando nicht in kurzfristigen Zeiträumen, sondern für die nächsten 25 Jahre.

Man kann es also zumindest als Aufforderung verstehen, dringend bei Rocket Internet zu investieren, bevor der Zug ganz abgefahren ist.

Der stottert aber auch manchmal. Vom South-by-Southwest-Festival in Texas, dem Mekka der Nerds, wird gerade kolportiert, Rocket-Internet habe seinen Airbnb-Klon Wimdu an die Airbnb-Macher losschlagen wollen. Die lehnten ab.

Kann passieren. Dafür funktioniert eine andere Strategie von Rocket Internet besser. Samwer geht in die Schwellenländer. Dorthin, "wo es eben noch keine 100 Zalandos gibt". Brasilien beispielsweise. Da feierten die Samwer-Brüder bereits mit dem Schuh- und Mode-Onlinehändler Dafiti Erfolge, bevor auch Otto den Wachstumsmarkt besetzte.

Auf dem Weg zum reichsten Europäer?

Nur eine Station bei der globalen Expansion, die gerade auch im asiatischen Raum sogar Amazon die Stirn bietet. Wenn der Wettbewerb schläft, dann schlägt die Stunde der Samwer-Brüder.

Denn wirklich unsexy findet Samwer den E-Commerce sicher nicht. Die Ingredienzen  für den Erfolg - Schnelligkeit, Prozesse, Strukturen - die mögen schlicht und nüchtern sein, das (mögliche persönliche) Ergebnis aber nicht.

Und das wäre? Vielleicht dieses: Samwer erinnert in Mülheim an Inditex-Gründer Amancio Ortega (Zara). Der Spanier gilt als der reichste Europäer.  Samwer: "Das könnte auch ein Deutscher sein".

Mit Material von TextilWirtschaft.