Dass in der Verlagswelt weithin Unwohlsein herrscht, ist bekannt: Außer für Fachpublikationen und "Sehnsuchtstitel" wie "Landlust" & Co. gibt es im Print-Markt kaum Positives zu vermelden. Die Auflagen sinken und die Werbeetats bröckeln. Kein Wunder also, dass immer mehr Verlage abseits ihres Kerngeschäfts nach neuen Erlösquellen suchen: Entweder werden sie zu Händlern, die unter ihrer Dachmarke "Wissen" verkaufen möchten und "Ratgeber" in ihren eigenen Webshops oder als native Anwendungen in den Apps-Stores positionieren, oder aber sie versuchen sich als Affiliates, indem sie bestimmte Produkte verdeckt bewerben. Der Burda-Verlag schlägt aktuell mit der Frauenzeitschrift "Cover" einen ähnlichen Weg ein, hat das Konzept jedoch erweitert: Was im Print-Magazin abgebildet ist, lässt sich direkt über die dazugehörige Website kaufen. Ein klassischer Dropshipping-Ansatz, der keinesfalls neu ist, jedoch in diesem Fall ein spannendes Experiment darstellt.

Augmented Shopping für die Generation 30+

Nach einer Testphase ging das "Cover"-Magazin am 18. August in Serie. Der Titel richtet an "anspruchsvolle Frauen über 30". Leserinnen können Produkte, die im Magazin abgebildet werden, über entsprechende Verweise zum Webshop, direkt über die "Cover"-Website bestellen. Alternativ lassen sich die Produkte auch über die Magazin-Apps für Smartphones und Tablets erwerben, die jeweils zeitgleich mit den Printausgaben gelauncht werden sollen. Der Burda-Verlag kooperiert dabei mit ca. 50 verschiedenen Shops. Ein Besuch der Händlerseiten ist also nicht notwendig. Bei jedem Abschluss fließt eine Verkaufsprovision an den Verlag. Der Fokus liegt anfangs auf den Warengruppen Soft Goods und Schuhe. Eine kluge Wahl, da es sich hierbei um Artikel handelt, die sich für Impulskäufe besonders eignen. Zudem sind dies relativ margenstarke Waren, und Soft Goods wie zum Beispiel Handtaschen werden außerdem, in Relation zu anderen Fashion-Artikeln, seltener retourniert.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Ein innovatives Business Model lässt sich hier auf den ersten Blick nicht erkennen: Neben dem augenscheinlich etwas plumpen Ansatz, wird an anderer Stelle zudem sicherlich Kritik am journalistischen Teil dieses Geschäftsmodells laut werden. Auf den zweiten Blick erscheint der eingeschlagene Weg jedoch durchaus reizvoll: De facto wird hier versucht, das Erfolgskonzept von Pinterest in das Printgeschäft zu übertragen. Als Traffic-Lieferant beschert Pinterest Online-Händlern schließlich beachtliche Umsätze. Da das Konzept eines digitalen Waren-Fotobuches aufgeht, erscheint es nur konsequent, das Prinzip aufzugreifen und zu versuchen, über eine Print-Publikation eine Zielgruppe anzusprechen, die zwar nicht weniger online-affin ist, sich aber dabei vielleicht weit weniger in sozialen Netzwerken tummelt.