Er boomt so richtig, der Markt für "Heimtierprodukte". So setzte Internet-Primus Zooplus 2012 bereits rund 320 Millionen Euro um, im 1. Quartal 2013 stieg der Umsatz um 32 Prozent weiter. Das wundert eigentlich nicht, da es sich doch bei Hunde- und Katzenfutter um ein typisches E-Commerce-Produkt handelt: planbarer, regelmäßiger Bedarf, kein haptisches Kauferlebnis notwendig. Es sind längst nicht mehr nur die Massenanbieter, die vom Trend profitieren. Auch in puncto Hundefutter bildet sich ein Premium-Segment heraus - vor allem über den Service, das Futter individuell mischen zu können. Maßstäbe setzt das Dortmunder Unternehmen Wunschfutter. 2011 gegründet, bietet das Unternehmen hochwertige und individuell produzierte Hundetrockennahrung. Die Rezepturen wurden von Tierärzten entwickelt. Im Interview mit etailment erklärt Geschäftsführer Kai Oestreicher, wie Premium für Vierbeiner funktioniert.

Herr Oestreicher, der Online-Markt für Hundefutter ist ziemlich umkämpft. Als Anbieter von individuell zusammenstellbaren Mix-Produkten haben Sie mit Wettbewerbern wie Canimix zu kämpfen, an dem Tengelmann beteiligt ist. Wie hart ist der Kampf um die Kunden? 

Es ist ganz klar zu begrüßen, dass es so viele Anbieter gibt. Der Markt entsteht ja gerade erst, und da ist es gut, wenn es viele Wettbewerber gibt, die ihn formen. Es ist ein Markt, der die Kunden daran gewöhnt, dass man Hundefutter sehr gut online kaufen kann.

Wie sehen Sie Wunschfutter im Gegensatz zu Canimix positioniert?

Wunschfutter bietet die höhere Basisqualität und ist damit ein echter Premiumanbieter, zumal Wunschfutter als einziger Anbieter auf Tiermehle verzichtet. Außerdem individualisieren wir unser Futter tatsächlich in einer homogenen Krokette und schütten nicht einfach sogenannte Funktionskroketten zusammen. Das sind die größten Unterschiede.

Wer ist bereit, für individuelle Futter-Mixes deutlich mehr Geld auszugeben als für Standard-Produkte? Sind das Menschen, die auch für sich selbst Wert auf besonders gesunde Nahrung legen und dies auch auf ihre Vierbeiner übertragen wollen?


Eine gute Frage, die wir auch nicht gesichert beantworten können. Meine Einschätzung: Wir haben solche Kunden, aber es gibt genauso diejenigen, die auf sich selbst kaum achten, aber dafür umso mehr für ihre Hunde. 79 Prozent unserer Kunden sind Frauen, im Schnitt eher in der Altersgruppe 35plus. Tierfutter ist das ideale Online-Produkt: Wiederkehrender, standardisierter Bedarf.

Wie sieht bei Wunschfutter der Bestellrhythmus aus?

Im Schnitt wird alle 35 Tage bestellt, der Warenkorb ist durchschnittlich 60 Euro wert. Zurzeit wird bei Wunschfutter noch jeder Mix per Hand zusammengestellt und abgepackt. Nun planen Sie eine Teilautomatisierung.

Warum?

Wir stoßen an Kapazitätsgrenzen, weil die Zahl der Bestellungen schnell zunimmt. Bislang schaffen wir es, Bestellungen, die bis 12 Uhr eingehen, am selben Tag an DHL zu übergeben. Damit das so bleibt, müssen wir unsere Prozesse optimieren. Heute brauchen wir gut sechs Minuten für Zusammenstellung und Verpackung eines Produkts. Mit der neuen Anlage, die wir in etwa drei Wochen in Betrieb nehmen, dauert das nur noch eineinhalb Minuten.

Ist es denn so wichtig, das Hundefutter so schnell auszuliefern? Der Bedarf ist für die Kunden doch weit im Vorhinein planbar.

Sicherlich. Aber unsere Kunden sind Premium-Kunden. Und wer Premium verspricht, muss diese Exzellenz auch in der Logistik leisten.

Hinter Wunschfutter steht finanziell das Beteiligungsunternehmen TRM, das ansonsten in Industrieunternehmen investiert. Wie entstand bei TRM das Interesse an E-Commerce?

Wie das eben so geht: Man trifft sich, stellt eine gemeinsame Wellenlänge fest und glaubt an die Idee. Die Wunschfutter-Gründer haben bereits einige Erfahrung als Unternehmer. Und wir haben am Anfang selbst sechsstellig investiert – das kam bei TRM gut an. Wunschfutter ist daher kein klassisches VC-Investment.

TRM hat in diesem Jahr seine Investitionssumme noch einmal erhöht. Wofür verwenden Sie das Budget?

Neben der Teilautomatisierung investieren wir vor allem in eine Marketing-Datenbank, die ab September zur Verfügung stehen wird. Damit wollen wir unser Targeting noch weiter perfektionieren.

Ab wann soll Wunschfutter schwarze Zahlen schreiben?

Wenn alles klappt, erreichen wir den operativen Break-even Anfang 2014. Es sieht sehr gut aus, dass wir dieses Ziel erreichen.