Ebay: Pop-Up-Store in London 
Ebay: Pop-Up-Store in London 

Allen Wachstumsraten des E-Commerce zum Trotz und auch wenn Paypal-Chef Scott Thompson seine Tochter (17) regelrecht in die Shopping-Mall zwingen muss, macht der stationäre Handel immer noch gut 80 Prozent des Marktes aus.

Obendrein kann der stationäre Markt auch für einen Pure Player Chancen bieten. Noch sind E-Commerce-Anbieter, die in Beton investieren, eher Einzelfälle. Doch weil das stationäre Geschäft einen positiven Einfluss auf den Distanzhandel haben kann, treibt es nun auch große Namen in die Ladenzeilen.

Mit guten Gründen.
So will Zalando im Februar 2012 einen Outlet Store in Berlin dauerhaft eröffnen und lockt mit Exklusivität.

Per persönlicher Einladung und Zalando-Outlet-Card sollen Kunden dann im Store auf einer Verkaufsfläche von rund 1.000 Quadratmetern Schuhe und andere Modeartikel kaufen können.

Kein Einzelfall: Der Onlineshop Notebooksbilliger.de bietet seit 2010 in München ein stationäres Laden-Geschäft. Weitere Geschäfte sollen wohl folgen.

E-Commerce profitiert von der Fläche

Dahinter steckt eine Erkenntnis, die Multichannel-Händler schon lange umtreibt.

Die Vor-Ort-Auswahl erreicht Online-kritische Kunden, die die Ware zunächst im Laden prüfen wollen und schafft mit der Abholung im Markt und einem somit erweiterten Service einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem reinen Pure Player.  Auch der Umtausch wird erleichtert. Damit entziehen sich E-Commerce-Anbieter zumindest ein Stück weit der Preisvergleichbarkeit.

Obendrein kann der Shop in der Fußgängerzone in der Folge spätere und zusätzliche Bestellungen online auslösen. Zumal die Offline-Präsenz das Vertrauen in die Marke erhöht. Erst recht in Zeiten, in denen klassische Retailer selbst zunehmend zum Distanzhändler werden. Das Verständnis für diese Effekte wächst gerade.

Der Offline-Shop stärkt die Online-Marke

Auf die Abstimmung mit den Füßen dürften sich Händler aber eher in Ballungszentren einlassen. Nur dort haben Investitionen in Stein und Holz eine Aussicht, alsbald mehr zu sein als reine Marketingkosten.

Bestellung per QR-Code
Bestellung per QR-Code

Es sei denn, Händler wagen sich an das Experiment der „Pop-Up-Stores“. Die kurzfristigen Verkaufsflächen können angesichts des PR-Effekts durchaus auch in Mittelzentren ein Mittel der Wahl sein.

Nun ist London alles andere als ein Mittelzentrum, aber die „eBay Christmas Boutique“ im Londoner Westend zeigt, dass selbst Platzhirsche des Webs nun offline die Zelte aufschlagen und dabei zugleich eine Brücke zum M-Commerce bauen: Die ausgestellten Artikel, nicht zur Mitnahme, waren in der Boutique mit einem QR-Code versehen.

Per App von eBay erfolgte dann Bestellung und Bezahlung. Geliefert wurde nach Hause. Umsatz ist bei Pop-up-Stores indes zweitranging. Was, auch für eBay, zählt, ist das Markenerlebnis.

Und das kann Pure-Player endgültig der Last der Preisvergleichportale entheben.