Die interessanteste Kundengruppe: Die Menschen jenseits der 50. Jedenfalls, wenn man Tim von Törne glaubt. Denn die verprasst nun das Erbe ihrer Kinder.

Der Quelle.de-Chef drückt das auf den Digital Days in Wiesbaden natürlich viel höflicher aus. Sachlicher. Jeder zweite Euro des privaten Konsums komme schließlich von Menschen über 50.

Jugendwahn könnte da in einigen Bereichen das falsche Geschäftsmodell sein. Die demographische Entwicklung lässt grüßen. Wenn Deutschland vergreist, muss auch der E-Commerce sich darauf einstellen.Die Kunden zwischen 50 und 59 haben die durchschnittlich höchsten Konsumausgaben aller Altersgruppen, sagt von Törne. Es ist zudem eine auch online wachsende Zielgruppe. Die 45 bis 64-Jährigen sind immer öfter im Web. Sogar rund 27 Prozent der 65- bis 75-Jährigen sind aktiv auf Social-Media-Plattformen unterwegs. Zu diesen Ergebnis kommt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte.  

Quelle.de sieht da seine Chancen. Denn die Altersklasse 50+ gibt ihr Geld überproportional reichlich für Innenaustattung, Haushaltsgeräte und Produkte rund ums Thema Wohnen aus. Kernsortimente bei Quelle.de. 

Und die Kundengruppe, so kann man außerdem folgern, ist E-Commerce-affiner  als die Twenty-Somethings, die im Zweifel beruflich weniger stark eingebunden sind und schlicht noch mehr Zeit zum Shoppen in den Innenstädten haben.  

Die Zielgruppe derjenigen, die man nicht zum alten Eisen zählen und schon gar nicht so nennen sollte, hat, so das Learning bei der Otto-Tochter Quelle.de, auch andere Anforderungen an die Online-Welt: Geringere Sehkraft, Verlängerung der Redaktionszeit und eine langsamere Auffassungsgabe - das sind Punkte, die bei der Gestaltung des Webshops eine Rolle spielen müssen - wenn wir mal ehrlich miteinander sind. Auch habe die Zielgruppe hohe Ansprüche an die Produktpräsentation. 

Kurz gesagt: „Gründlichkeit schlägt Schnelligkeit beim Einkauf“, sagt Tim von Törne. So steige bei diesem Kundenkreis beispielsweise das Bedürfnis nach Information und Beratung. Je persönlicher, desto besser. Der Einkauf ist also weniger impulsiv als bei jungen Kunden. Doch dafür sei der ältere Kunde auch loyaler. Der bevorzugte Online-Shop wird also seltener gewechselt.

Das interessante dabei ist, wer sich in Sachen Usability, Übersichtlichkeit und Service (beispielsweise Zahlungsmethoden) an den Wünschen der älteren Generation orientiert, der dürfte auch jungen Kunden einen Gefallen tun. 8-Punkt-Schrift finden auch Twens nur so mittelgut lesbar.