Als der japanische Internetgigant Rakuten im Sommer 2011 Tradoria kaufte, staunte die Branche. Rakuten, wer? Noch größer das Erstaunen, als Rakuten/Tradoria verkündete, die Vorherrschaft von Amazon in Europa brechen zu wollen.

Auf  dem Deutschen Online-Handelskongress bekräftigte Deutschland-Chefin Beate Rank die Ziele. „Wir wollen Marktführer in Deutschland werden“. Kann das klappen?  9 Fragen und 9 Antworten.

Wie groß ist Rakuten wirklich?

Riesig. Jedenfalls in Japan.  Für das erste Quartal verzeichnete Rakuten einen Umsatz von 98,7 Mrd. Yen, was einen Zuwachs von 20,3% gegenüber dem Vorjahr darstellt. Der weltweite E-Commerce Bruttohandelsumsatz (Gross Merchandise Sales) verdoppelt sich gegenüber dem Vorjahr auf 29,2 Mrd. Yen. 40.000 Händler hat die Plattform, 70 Millionen Kunden, 35 Prozent Marktanteil.

Wann will Rakuten in Deutschland die Nummer Eins sein?

In fünf Jahren will Rakuten hierzulande an Amazon vorbeiziehen. Gerne noch früher.

Wo steht Rakuten heute?

In Deutschland noch eher unter ferner liefen. Rund 6600 Händler sind auf der Plattform Im Online-Shop-Ranking von Nielsen schafft es Rakuten nicht mal in die Top Ten.

Wie will Rakuten weitere Händler gewinnen?

Anders als Amazon will man nicht selbst Waren verkaufen. Händler werden das mögen.

Das kann doch nicht alles sein?

Nein. Rakuten sieht sich zudem als Dienstleister. Händler können ihren Shop individuell gestalten. Rakuten gibt keine Layouts vor. 

Na prima, man muss auch noch alles selbst machen, oder?

Nein. Außerdem nimmt  Rakuten die Händler an die Hand. E-Commerce-Consultants  bieten angeschlossenen Händlern Beratung für mehr Erfolg im E-Commerce mit Schulungen, Webseminaren und Workshops für Einsteiger und Fortgeschrittene. Die Consultants beraten zu unterschiedlichen Sortimentsgruppen und helfen auch bei Marketingmaßnahmen. 

Das Full-Service-Angebot von Rakuten Deutschland beinhaltet außerdem die komplette Zahlungsabwicklung, die Kundenkommunikation während des Bestellprozesses sowie die Übernahme des Risikos von Zahlungsausfällen.

 Schön, aber wie sieht es mit den Kunden aus?

Rakuten lockt unter anderem mit einem Loyality-Programm, den Superpunkten. Je mehr Kunden einkaufen, desto mehr Rakuten Superpunkte erhalten sie. Kunden können diese dann einlösen und für neue Bestellungen nutzen. So werden die Kunden wiederholt auf die Plattform „gelockt". Kunden können zudem mit einem zentralen Warenkorb bei allen Händlern einkaufen. 

Wie will Rakuten Kunden auf sich aufmerksam machen?

Google.

Und wie wahrscheinlich ist es, dass Rakuten wirklich an Amazon vorbeizieht?

Rakuten muss mächtig aufholen. Da hilft es hierzulande nicht, wenn man in Japan viermal so groß ist wie Amazon. Was Rakuten aber nach vorne bringen kann, ist das Know-How in Sachen Mobile Commerce, dass man aus Japan mitbringt, die eigenständigen Bezahlsysteme (Rakuten Checkout) sowie das gesamte Ökosystem von Rakuten aus E-Commerce, Reisen, Finanzdienstleistungen, Internetdienstleistungen, Kreditkarten, Portale und Medien, Online Marketing. Davon dürfte einiges auch hierzulande noch intensiver ausgerollt werden.