Rakuten Super Sale: Eine große Herausforderung
Rakuten Super Sale: Eine große Herausforderung
Rakuten Super Sale: Eine große Herausforderung

Dynamische Verkaufskonzepte sind im Online-Handel eigentlich ein alter Hut: "Live Shopping" gibt es schon seit Jahren. Richtig populär sind diese Shopping Events in Deutschland jedoch erst durch das Zusammenspiel großer Pure Player, das Aufkommen der sozialen Medien und die Professionalisierung der deutschen Dealaggregatoren-Szene geworden: Hier sitzen nicht mehr nur mehr ein paar Schnäppchenjäger hinter ihren Bildschirmen, um "gegen die Uhr" Reste zu kaufen, hier wird die Masse erreicht. Aus der einstigen Idee, einen Absatzkanal für Ramsch, Überkapapzitäten und Vorjahreskollektionen zu schaffen, hat sich nicht nur ein bedeutendes Absatz-, sondern ein ein mächtiges Marketinginstrument entwickelt: Amazon's "Black Friday" und"Cyber Monday?" Kennt jeder. Rakuten? Kennen bisher die wenigsten. Genau darin liegt die Gefahr für Rakuten und den "Super Sale". Ein Kommentar.

Die E-Commerce-Fachwelt wünscht sich einen Wettbwerber zu Amazon und ebay herbei und setzt dabei auf Rakuten

Die Rakuten zelebrieren ihre Events seit Jahren erfolgreich in Japan und haben auch in Frankreich bereits einen Testlauf gewagt. Nun also Deutschland. Der "Super Sale" hat in der Fachwelt einiges an Aufmerksamkeit erfahren: EcxitingCommerce berichtete über die Vorbereitungen, Internetworld Word Business spricht von einem "Trommelfeuer" im Rahmen des Events und Ecommerce-Vision hat Benefits und Incentives der Aktion detailliert vorgestellt. Dabei wird deutlich: Rakuten meint es ernst. Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Sofern man vorab nicht heimlich an der Preissschraube dreht, wird man hier richtig draufzahlen. Dennoch hat die Idee Potenzial: Events in Kombination mit Loyalty Systems mit einer Instore Redemption könnten der bessere Weg zu sein, endlich dauerhaft einen Fuß in den deutschen Markt zu bekommen, als nur zu versuchen über Rabatt-Aktionen anzugreifen.

Das fortlaufende "Anrennen" von meinpaket ist da schließlich negatives Vorbild genug: Seit seiner Gründung versucht der Marktplatz ausschließlich mit Rabatt-Codes auf sich aufmerksam zu machen. Markenbekanntheit, Kundenbindung, Profilschärfung? Meinpaket wirkt eher wie der "Praktiker" unter den Online-Marktplätzen: Gibt es eine neue Aktion, ziehen die Schnäppchenjäger einmal vorbei und das war es dann. Insofern ist es also nicht verwunderlich, dass man sich in Deutschland immer noch einen ernstzunehmenden Wettbewerber zu Amazon und Ebay wünscht und dabei aktuell auf Rakuten setzt. Zwar stehen Amazon und - mittlerweile auch wieder - ebay bei Konsumenten hoch im Kurs, auf Seiten der Händler stellen sich die Dinge jedoch anders dar: Man braucht zwar Amazons Markenbekanntheit und Reichweite, stöhnt aber über die Gebühren und kann jede Nische in der Sortimentsgestaltung, jeden eigenen Innovationsvorsprung binnen kürzester Zeit vergessen. Und ebay? Da brodelt es auf Seiten der Händler mächtig: Eine Datenschutzdebatte in Deutschland und in den USA sorgt PayPal gerade wieder für Ärger: Doppelte Abbuchungen erzürnen ebay-Käufer und Händler des Marktplatzes gleichermaßen.

Insofern wäre es letztlich nicht nur für Händler, sondern auch für Verbraucher wünschenswert, wenn sich endlich ein weiterer großer Player auf dem deutschen Markt würde durchsetzen und etablieren können. Entsprechend detailliert ist auch die Berichterstattung in der Fachwelt zum Rakuten "Super Sale". Das Gelingen der Aktion könnte schließlich für den Markt noch weitreichende Folgen haben.

Super Sale: Ein Lackmustest mit Chancen und Risiken 

Rakuten ist zwar in Japan ein Schwergewicht, in Deutschland jedoch -unter anderem auch wegen des für hiesige Breiten "sperrigen" Brandings- noch relativ unbekannt. Der Medien- und Werbedruck zum Event jedoch ist hoch und wird sein Ziel nicht verfehlen: Es wird voll werden. Hier bleibt zu hoffen, dass man sich dessen bewusst ist und die Technik mitspielt. Zur Erinnerung: Der erste Amazon Cyber Monday im Jahr 2010 in Deutschland ist ein Desaster gewesen. Und in 2012 hatte Otto im Weihnachtsgeschäft mehrfach große Probleme mit digitalen Coupons. Schwergewichte, die ihren technischen Fuhrpark selbst (Amazon) oder aber via Intershop (Otto) managen lassen, einem weltweit führenden Anbieter von E-Commerce-Software. Es kann also viel schief gehen, wenn bei den Rakuten plötzlich die Bude voll wird.

Im Gegensatz zu Amazon und Otto hat man aber in Deutschland weder das Markenvertrauen noch eine vergleichbare Markenbekanntheit auf der Habenseite, von der man im Fall eines Ausfalls zehren könnte. Der erste "Super Sale" muss also klappen, wenn man nicht den Anschluss verlieren möchte. Hier bleibt zu wünschen, dass die Server halten und die Aktion ein Erfolg wird. Nicht um sich zum Anwalt eines einzelnen Unternehmens zu machen, sondern einfach weil dem deutschen Markt ein weiterer Player von Gewicht gut tun würde.