Armes Amazon! Alle hauen drauf und keiner findet es lustig, dass der Versandriese aus Seattle systematisch in einen Einzelhandelsbereich nach dem anderen vordringt: Von Büchern über Schuhe und Kameras bis hin zu Gewehren wird alles geliefert, was der Kunde begehrt, und das oft auch noch billiger als der Konkurrenz die altmodische Läden und Supermärkte betreibt. Jetzt will Tesco, seines Zeichens drittgrößter Supermarktbetreiber der Welt, mit einer Online-Offensive in Großbritannien den Spieß umdrehen.

Bereits 2011 hatte Tesco einen Anteil von 80 Prozent an dem Film und TV-Portal Blinkbox übernommen. Sehr viel passiert ist dort seither nicht, aber: Dieser außerhalb des Königreichs wenig bekannte Dienst liefert seinen Kunden tatsächlich früher die begehrte Ware als die Konkurrenz von Netflix oder der Amazon-Ableger Lovefilm.

Jetzt wird der Kampf um den Medienmarkt verschärft: Über „Blinkboxbooks“ sollen E-Books angeboten werden, bei „Blinkboxmusic“ soll es Musik zum Download geben (beide shops sind noch nicht online). Für Tesco ist der Ziel dieses Vorstoßes klar: Die Kunden sollen daran gewöhnt werden, neben Apfelsinen und Tütensuppen auch andere Artikel ganz selbstverständlich über ein Online-Angebot von Tesco zu bestellen.

Das ist so etwas wie ein strategischer Nachschlag, der jedenfalls in Großbritannien wohl gerade noch rechtzeitig kommt, bevor Amazon auch hier zum Dominator über den Buchmarkt hinaus wird.

Firmenchef Phil Clarke wirft jedenfalls die Vorteile des stationären Händlers in die Waagschale: Mehr als 2000 Märkte betreibt Tesco und beliefert seine Online-Kunden innerhalb eines Tages. Jetzt ist die Zahl der Filialen nicht wirklich ein Argument im Online-Geschäft, allerdings kann Clarke darauf setzen, dass das Zauberwort „Synergie“ hier zum Zuge kommt.

Zwar werden die einzelnen Blinkbox-Angebot nur recht dezent auf die Zugehörigkeit zu Tesco hinweisen, in den Supermärkten soll es allerdings eine massive Werbekampagne für die neuen Medienangebote geben. Das könnte tatsächlich funktionieren, zumal Tesco auch noch einen weiteren Trumpf aus der Tasche ziehen will: Für die Mitglieder im Treueprogramm „ClubCard“ soll es demnächst ein eigenes Fernsehprogramm geben.

„ClubCard TV“  soll Filme, Serien und Shows ausstrahlen, zunächst im Internet, später aber auch über Kabel und Satellit, Gespräche mit diversen Anbietern seien über das Anfangsstadium hinaus gediehen, heißt es. Für „ClubCard“-Besitzer soll der Fernsehsender kostenlos sein, und Tesco verspricht bereits, dass man die Kundendaten genau analysieren wird: „targetted advertising“ vom Feinsten soll dabei herauskommen.