Man kann die digitale Bilder-Pinnwand Pinterest, die Marken und E-Commerce-Verantwortliche elektrisiert,  schlicht als Abladestelle für hübsche Bilder der eigenen Produkte sehen, man kann Pinterest aber auch einsetzen, um dem Unternehmen oder den Produkten ein Gesicht zu geben und so das Image des Unternehmens zu stärken.

Das meint Thorben Fasching im Interview mit etailment. Der Director Marketing & User Experience bei hmmh multimediahaus und  stellvertretende Vorsitzender der Fachgruppe E-Commerce im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) rät deshalb dazu, die Nutzer anzuregen, eigene Inhalte rund um die Marke selbst auf dem eigenen Board zu veröffentlichen. 

Was macht Pinterest gegenwärtig so beliebt?

Pinterest ist eine leicht zu bedienende Mischung aus sozialem Netzwerk, Bookmarking-Dienst und Blog. Die sehr hohen Bildanteile vermitteln viel Emotionalität und laden den Nutzer ein, sich inspirieren zu lassen. Die Möglichkeit mit wenigen Klicks Bilder oder Videos visuell kategorisiert zu veröffentlichen oder veröffentlichen zu lassen ist ein ebenso wichtiger Faktor für den derzeitigen Erfolg. Pinterest bietet zudem viele Funktionen und Buttons an, die sich leicht auf externen Websites integrieren lassen und mit deren Hilfe die Nutzer Inhalte unmittelbar zu bestimmten Sammlungen, den sogenannten Boards, zuordnen können. Daneben ist vor allem die Möglichkeit sich von vielen verschiedenen Quellen themenbasiert inspirieren zu lassen der Schlüssel zu aktuellen Erfolg. Pinterest ähnelt einem Stickeralbum, mit dem sich die Nutzer stundenlang beschäftigen können. 

Im Moment reizt das aber vor allem Frauen. Wo bleiben die Männer?

Die emotionale Gestaltung und bildgetriebene Suche entspricht vor allem der weiblichen Art des Nutzungsverhaltens. Tendenziell wird der Anteil an Frauen höher bleiben als der an Männern.

Kann sich Pinterest auf Dauer als Plattform halten?

Zur Zeit ist bei Pinterest noch kein richtiges Geschäftsmodells zu erkennen, weshalb die Zukunft von Pinterest, das bereits vor fast zwei Jahren gegründet worden ist, schwer vorherzusehen ist. Der deutliche Zuwachs in den letzten Monate zeigt auf jeden Fall, dass aus Sicht der Nutzer ein starkes Interesse an diesem Dienst vorhanden ist. Jetzt liegt es an Pinterest die Plattform so auszubauen, dass die Nutzer sie langfristig nuten möchten und das Geschäftsmodell so aufzubauen, dass unter dem Strich Gewinn erwirtschaftet wird.

Warum sollten Unternehmen eigene Boards bei Pinterest anlegen?

Pinterest ist aus verschiedenen Gründen für Unternehmen interessant. Primär ist Pinterest eine gute Möglicheit, um Backlinks zu generieren und damit die eigene Position in den Suchmaschinen zu verbessern. Voraussetzung dafür ist, dass die Inhalte die verteilt werden auch noch auf der eigenen Website vorhanden sind. Des Weiteren ist es aus SEO-Sicht erforderlich, dass regelmäßig neue Inhalte veröffentlicht werden, die zudem noch von keiner anderen Person zuerst veröffentlicht worden sind. Eine weiterer Grund die Plattform zu nutzen ist, dass mithilfe von Pinterest Präferenzen der jeweiligen Zielgruppe herausfinden lassen. Inhalte, die auf Pinterest gut bei der Zielgruppe ankommen und geteilt werden, sind sicherlich auch für andere Kanäle wie den Newsletter oder die Website interessant. Daher ist Pinterest ein guter Indikator, um mehr über die eigene Zielgruppe zu erfahren. 

Wie können Marken dort ihre Produkte promoten?

Pinterest darf nicht als reine Plattform zur Produktpräsentation angesehen werden. Pinterest ist vor allem dazu geeignet dem Unternehmen oder den Produkten ein Gesicht zu geben, wodurch das Image des Unternehmens bzw. der Produkte gestärkt wird. Die Nutzer sollen dazu verleitet werden, die Inhalte selbst auf dem eigenen Board zu veröffentlichen. Daher sind vor allem kreative und ansprechende Ideen rund um die Produkte nützlich. Hier sind auch Inhalte denkbar, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit den eigenen Produkten stehen. Der Prozessorhersteller AMD zeigt beispielsweise Laptoptaschen und Accessoires oder Arbeitsplätze auf seinem Pinterest-Kanal. Die Möglichkeit hier zu experimentieren ist durchaus noch gegeben und sollte auch genutzt werden.  

Wie finden Unternehmen dort ihre Zielgruppen?

Die Zielgruppe finden Sie über alle möglichen Themen, die grundsätzlich mit dem jeweiligen Unternehmen oder den Produkten in Zusammenhang stehen.  

Für welche Marken und Branchen ist Pinterest besonders reizvoll?

Pinterest ist vor allem für Marken interessant, die viel Emotionalität vermitteln und die Marke bei vielen der Konsumenten bereits zur Lovemark aufgestiegen ist. Branchen wie Mode, Touristik, Lifestyle oder Wohnen eignen sich aufgrund der Eigenschaften der Produkte bzw. Inhalte naturgemäß besser für Pinterest, weil sich die Nutzer hier leicht inspirieren lassen. Dies sind oftmals auch genau die Bereiche, die das weibliche Geschlecht besonders ansprechen.

Inwieweit lässt sich mit Pinterest auch der Verkauf von Produkten steigern?

Ob der Verkauf von Produkten mit Pinterest direkt gesteigert werden kann ist fraglich. Hier ist insbesondere die Beschaffenheit des Produkts und die Qualität des Bildmaterials relevant. Es gibt sicherlich außergewöhnliche oder gar einzigartige Produkte bei denen der Verkauf mithilfe von Pinterest gesteigert werden kann. Abgesehen davon ist Pinterest natürlich eine sehr gute Gelegenheit, um Rabattcoupons und Gutscheine zu verbreiten. 

Muss ein Unternehmen bereits in anderen Social-Media-Kanälen aktiv sein, um Pinterest sinnvoll nutzen zu können? Oder eignet es sich auch als Stand-Alone-Lösung?

Es ist ohne Zweifel möglich, Pinterest als Stand-Alone-Lösung zu nutzen. Allerdings ist es sinnvoll die anderen Social-Media-Kanäle ebenso zu nutzen, um die Reichweite zu erhöhen, mehr Aufmerksamkeit und Traffic zu generieren, um letztendlich auch aus Sicht von SEO verstärkt davon zu profitieren. 

Wie will Pinterest selbst eigentlich Geld verdienen?

Pinterest hat kürzlich damit begonnen Links zu kaufbaren Produkten mit einem eigenen Affiliate-Code anzureichern, um zumindest zu einem kleinen Teil an möglichen Kaufvorgängen zu partizipieren. Darüber hinaus gewähren die Nutzer laut den AGB bei der Veröffentlichung von Inhalten Pinterest die Möglichkeite Inhalte zu verändern, sie zu vertreiben oder lizensieren, zu verkaufen oder übertragen oder auf anderem Weg zu verwerten. Hiermit entstehen Pinterest theoretisch eine Vielzahl von Möglichkeiten, um die Inhalte geldwertend zu nutzen.

Außerdem ist es zu erwarten, dass Pinterest in Zukunft verstärkt Werbeplätze zur Verfügung stellt. Die Plattform ist aufgrund der Themen- und Nutzerstruktur ein optimales Werbeumfeld für die Bereiche Mode, Lifestyle, Wohnen, Accessoires, Lebensmittel und Reise, die vor allem eine weibliche Zielgruppe ansprechen. 

Über Thorben Fasching:

Thorben Fasching steuert seit 2007 den Bereich Marketing & User Experience der hmmh AG. In dieser Funktion treibt er auch die Geschäftsentwicklung der Agentur voran. Daneben ist er stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe E-Commerce im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.

Vor seinem Einstieg bei hmmh war Thorben Fasching bei verschiedenen New-Media-Agenturen für renommierte Kunden als Berater tätig. Zuletzt als Gesellschafter und Prokurist bei Interwall, einer Bremer Agentur für Online-Marketing & E-Commerce. Dort war er für die Unit Kundenberatung & Projektmanagement verantwortlich.

Thorben Fasching studierte Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Marketing und Controlling an der Westfälischen-Wilhelms-Universität in Münster/Westfalen.