Die Masse als Finanzier (Grafik. Seedmatch)
Die Masse als Finanzier (Grafik. Seedmatch)

Die Banken haben ein Problem. Anders als die Euro-Krise rechnet es gerade einmal in Millionen. Aber es ist ein Problem mit Zukunft.

Denn Start-ups und Unternehmer kommen inzwischen via Crowdfunding oftmals leichter und schneller ans Geld als beim Bankberater um die Ecke.

Mit Kickstarter, Seedmatch, Innovestment oder künftig auch Gründerplus wird die Masse zum Finanzier.

„Banking is essential, Banks are not“. Was Bill Gates einst prophezeite wird mit den Crowdfunding-Anbietern wahr. Sie machen ein Geschäft, dass man eigentlich von den Banken erwartet hätte. Und die Plattformen auf denen Privatleute kleine oder größere Summen in Projekte investieren, die sie interessieren, machen es immer erfolgreicher, sind vielfach bereits erste Wahl.

So versucht eine Initiative namens Replay Games gerade, eine Neuauflage der Kult-Spielereihe “Leisure Suit Larry” auf den Weg zu bringen. Knapp 180.000 der benötigten 500.000 Dollar sind auf der Plattform Kickstarter in wenigen Tagen bereits zusammengekommen.

Auf Kickstarter können Gründer sich und ihr Projekt vorstellen. Die Investition selbst ist mit wenigen Mausklicks erledigt. Wenn man ein Amazon-Konto hat, erfolgt der Check-out über Amazon-Payments. Super bequem.

Die enge Anbindung an soziale Netze sorgt obendrein für eine virale Verbreitung der Idee. Unternehmen können sich so zugleich schon in der Gründungsphase eine Fan-Basis aufbauen.

 Dabei können die „Investoren“ nicht allzu große „Gewinne“ erwarten. Für ein 15-Dollar- Investment bekommen sie von Replay Games eine digitale Kopie des fertigen Spiels. Für größere Summen gibt es Special Editions, für 10.000 Dollar gibt es diverse Extras und ein Essen mit Spieleerfinder Al Lowe. Denn das ist das Prinzip bei Kickstarter. Anteile am Unternehmen erhält man nicht. Dafür kann man Projekte vielfach schon mit einem Dollar unterstützen. Ausgeschüttet wird Geld an die Gründer außerdem erst, sobald die notwendige Gesamtsumme für die Realisierung des Projektes zusammenkommt. 

Über 27.000 Projekte wurden bei Kickstarter bereits gelauncht, über 10.000 realisiert. Darunter ernstzunehmende Unternehmen und kulturelle Projekte. Knapp 100 Millionen Dollar wurden von Nutzern für Projekte zur Verfügung gestellt. Das Spielestudio Double Fine brach bei Kickstarter alle Rekorde. 3,3 Millionen US-Dollar kamen binnen eines Monats für ein plattformübergreifendes Spiel zusammen. Erhofft hatte man lediglich 400.000 US-Dollar.

Crowdfunding: Manchmal schneller als beim Bank-Berater

Während bei Kickstarter schlicht die Projektidee zählt, schaut die deutsche Crowdfunding-Plattform Seedmatch genauer hin. Seedmatch prüft zunächst intern, ob das Geschäftskonzept für ein Crowdfunding auf der Plattform in Frage kommt.  Der Fokus liegt auf Projekten im Bereich B2C, Cleantech, Social Business mit einem Kapitalbedarf bis zu 100.000 Euro. Auch ein Business-Plan ist vorab gefragt. Die Mikroinvestoren können dann ab 250 Euro investieren. Bei einem erfolgreichem Funding sind sie am Unternehmen beteiligt. 

Das Funding kann ganz rasant gehen. Sabrina Schönborn und Laura Gollers,  Gründerinnen des Dessouslabels SugarShape, bei dem die Kundinnen Formen, Farben und vor allem Passform der Kollektionen mitbestimmen können, holte binnen weniger Stunden 100.000 Euro via Seedmatch. Nur eines von vielen Bespielen. Das Startup easyCARD - die Projektvorstellung war kaum online - benötigte gerade einmal 87 Minuten von ursprünglich angesetzten 60 Tagen, um 100.000 Euro einzusammeln. 

 Seit dem Start von Seedmatch im August 2011 wurden neun Unternehmen erfolgreich finanziert. Über 800.000 Euro wurden so für die Start-ups von Privatpersonen zusammengetragen.  

Bürokratische Hürden bremsen Crowdfunding

Seedmatch-Gründer Jens-Uwe Sauer fordert inzwischen weniger bürokratische Hürden für Crowdfunding-Plattformen. Grund:  Öffentliches Crowdfunding ist ohne zusätzlichen zeitlichen und finanziellen Aufwand für die Gründer durch das Verkaufsprospektgesetz auf 100.000 Euro limitiert. Doch etliche Ideen haben einen höheren Kapitalbedarf.

Sauer appelliert  in einem offenen Brief an die Bundesregierung. „Durch eine Anpassung der Rahmenbedingungen könnten in Deutschland dank Crowdfunding mehr zukunftsweisende Unternehmen mit Kapitalbedarf über 100.000 Euro ihre Unternehmenskonzepte umsetzen und somit nachhaltig die deutsche Wirtschaft voranbringen sowie neue Arbeitsplätze schaffen. Als Crowdfunding-Plattform brauchen wir für die Vermittlung der Startups weder Steuergelder noch Förderprogramme, sondern finanzieren uns über Erfolgshonorare aus dem eingesammelten Kapital.“

Vorbild USA. Dort hat der Gesetzgeber reagiert und lockert die Regelungen. Und damit bekommen die Banken dann ein millionenschweres Problem.

 Und was für Start-ups gilt – Geld mit Hilfe der Masse einzusammeln – das kann auch für eine Crowdfunding-Plattform selbst gelten. Seit wenigen Tagen ist die Vorabversion der Gründerplus-Crowdfunding Plattform (Investitionsschwerpunkt ECommerce) online und konnten bereits über 30 Prozent des notwendigen Investitionskapitals einsammeln. Der weitere Finanzierungsbedarf soll nach Motto “Eine Crowd für die Crowd” nun über die Plattform geholt werden.  

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