Man muss sich nur den Erfolg einer Musikstreaming-Plattform wie Spotify ansehen, um zu begreifen, dass der Zugang zu Dingen wichtiger wird als der Besitz. Wer will sein Heim noch mit CDs zumöbeln, wenn er für ein paar Euro im Monat immer und überall Zugang zu einem riesigen Musikarchiv hat. Collaborative Consumption nennt sich der Trend dahinter, bei dem es in seinen vielfachen Ausprägungen  um gemeinschaftlichen Konsum geht, um das Teilen, um Sharing und zeitlich begrenzte Nutzung - ganz bestimmt aber nicht ums Kaufen.

Die Online-Privatzimmervermittlung Airbnb und ihre Nachfolger Wimdu und 9flats gehörten zu den ersten Modellen, die zeigten, dass dafür ein Massenmarkt vorhanden ist, der von P-2-P-Anbietern bedient werden kann. Noch dazu ein E-Commerce-Markt, der nicht von Digital Natives abhängt, weil sich Anbieter und Nutzer aus unterschiedlichen Zielgruppen speisen.

Wie sehr sich hinter Collaborative Consumption ein neues gesellschaftliches Denken verbirgt, zeigen Autohersteller wie Daimler mit Smarts als “Car-to-go“, also “Auto zum Mitnehmen” oder BMW mit seinem Car-Sharing-Projekt Drive Now , die sich den veränderten Bedürfnissen in einem Segment widmen, in dem Besitz einst ein Statusmerkmal war.

Im Grunde ist Sharing ja ein alter Hut: Das Mietrad-Angebot der Deutschen Bahn Call-A-Bike gibt es seit Jahren. An Fahrt gewinnen solche Lösungen aber, wenn sie mit einer gewissen Coolness und Nachbarschaftlichkeit daherkommen und entbürokratisiert wirken, wie es Spinlister  versucht, dass Fahrräder von Privatpersonen vermittelt. Am besten direkt vom Nachbarn. 

Schließlich hat Sharing mehr als andere Formen des Güteraustausches eine sehr deutliche lokale Perspektive. Anders gesagt: Mit dem zunehmenden Einsatz leistungsfähiger mobiler Endgeräte bis hin zum Payment stiegen auch die Optionen für Sharing-Modelle.

Davon profitieren unter anderem app-basierte Modelle zu Mitfahrgelegenheiten und Lösungen wie Zimride, die Social Networks nutzen, um bessere Kontakte  herzustellen.  Hierzulande lassen sich beispielsweise mit Pocket Taxi Mitfahrgelegenheiten mit einem Klick per App organisieren. 

Regelrecht programmatisch klingt deshalb der Titel der Plattform Leihdirwas. Auf der Plattform können gewerbliche und private Nutzer Artikel oder Dienstleistungen anderen gewerblichen, sowie privaten Nutzern anbieten. Mehr denn je zählt dabei die Reputation von Verleiher und Nutzer. Leihen - auch gegen Gebühr -  ist  Vertrauenssache. 

Ein vielversprechendes Modell in der Verbindung mit Abo-Commerce bietet dabei Good Karma Clothing for Kids. Gegen eine monatliche Gebühr gibt es "like new" Bekleidung für die Kinder. Sobald die Kleinen herausgewachsen sind, schickt man die Outfits zurück. Hierzulande will unter anderem Kinderado dabei helfen, gebrauchte, aber dennoch gut erhaltene Kinderkleidung untereinander auszutauschen. 

Doch Vorsicht. Die Modelle verlangen immer noch nach Anpassung an die Marktgebenheiten. ThredUP, das mit einem ähnlichen Tausch-System schon 2009 startete,  hat sich jüngst  in Richtung Flohmarkt gewandelt

Für Händler und Hersteller kann es durchaus interessant sein, beim Collaborative Consumption mitzumischen: Ganz nebenbei erschließt Sharing neue Käufer-Zielgruppen. Die wird es schließlich auch weiterhin geben.