Die schon sicher geglaubte Rettung der insolventen Baumarktkette Max Bahr scheitert auf der Zielgraden. Der Hauptvermieter Moor Park sperrt sich gegen die Übernahme durch Hellweg. (Akutalisiert)

Die Rettung von Max Bahr ist überraschend gescheitert: "Die vom Gläubigerausschuss bereits genehmigte Übernahme der Baumarktkette Max Bahr durch das Bieterkonsortium Hellweg/Möhrle kann nicht umgesetzt werden, da die Hauptvermieterin, die ebenfalls insolvente Gesellschaft Moor Park MB, sich mit Hellweg nicht über die Übernahme der Mietverhältnisse einigen konnte", gab der Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder in einer Pressemitteilung an diesem Freitag bekannt.
Noch vorige Woche war Schröder optimistisch, die Baumarktkette erhalten zu können.

Moor Park vermietet 66 der 73 ursprünglich zur Übernahme durch Hellweg vorgesehenen Bau‐ und Gartenmärkte. Hauptgläubigerin von Moor Park ist die Royal Bank of Scotland. Sie hatte ihre Zustimmung davon abhängig gemacht, dass Hellweg eine Konzernbürgschaft entsprechend der bisherigen Konzerngarantie der insolventen Praktiker AG stellt.

Keine Bereitschaft zur Konzernbürgschaft

Die Praktiker AG hatte für ihre Konzerntochter Max Bahr im Jahr 2007 eine abstrakte Mietgarantie auf erstes schriftliches Anfordern über mehrere hundert Millionen Euro übernommen. Eine Konzernbürgschaft wollte Hellweg als mittelständisches Familienunternehmen nicht übernehmen.

Mit der Übernahme durch Hellweg hätten insgesamt 3.600 Arbeitsplätze in 73 Märkten erhalten werden können. Ziel von Insolvenzverwalter und Vermieter sei jetzt, nach einem Abverkauf der Warenbestände von Max Bahr, durch Standortlösungen möglichst viele Märkte mit den zugehörigen Jobs zu sichern. Dazu liegen laut Insolvenzverwalter bereits konkrete Interessensbekunungen für viele Standorte von namhaften Unternehmen aus der deutschen Baumarktbranche vor.

Verdi kritisiert Royal Bank of Scotland

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete die gescheiterte Übernahme in einer Stellungnahme als "unverantwortlichen Tiefschlag für die Beschäftigten". Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger kritisierte: "Die Verweigerungshaltung der Vermietergesellschaft Moor Park, hinter der mit der Royal Bank of Scotland eine staatlich finanzierte Bank steht, gefährdet 3.600 Arbeitsplätze in Deutschland und ist in höchstem Maße unmoralisch und wirtschaftlich unsinnig".

Statt sich auf einen langfristig tragfähigen Kompromiss im Interesse der betroffenen Menschen und zur Sicherung der Standorte zu verständigen, regiere bei Moor Park und der Royal Bank of Scotland offenbar ausschließlich wirtschaftlicher Egoismus, der Existenzen vernichte.

Für die Beschäftigten sei das Scheitern der Übernahme zu diesem späten Zeitpunkt besonders belastend, weil der Insolvenzverwalter nun kaum noch Gelegenheit habe, andere Alternativen für Max Bahr als Ganzes zu prüfen und zu verhandeln.