Click & Collect – schnell im Netz einkaufen und dann beim Händler in der Nähe abholen. Bei Verbundgruppen ist das oft graue Theorie.

Eigentlich sollte die Onlinesuche nach Regenstiefeln für die nasse Jahreszeit schnell über die Bühne gehen. Am besten per Mausklick, um die neuen Treter danach gleich in einem Laden ganz in der Nähe abzuholen. Multichannel-Strategien sollten das möglich machen, so auch beim Schuh- und Sportverbund ANWR.

die Warenbestände der an schuhe.de angebundenen Händler über Zalando in Deutschland angeboten werden.

Dessen Internetseite schuhe.de verspricht höchste Professionalität.

Doch der Teufel steckt im Detail.

Die Suche nach dem nächsten Händler wird zur Reise durch die Republik. Verfügbar sind die gesuchten Stiefel. Doch kein angezeigter Händler liegt näher als 250 Kilometer an Frankfurt. Click & Collect in Oldenburg oder Travemünde – das hilft im Süden niemandem. So ist der gute Wille schnell gebrochen, stationäre Händler zu unterstützen.

Nächster Versuch: Ein Lego-Bus auf der Seite von Vedes, für 99,99 Euro zuzüglich Versand. Die Versandkosten richten sich nach dem Gewicht, das nirgends angezeigt wird. Erst nach Eingabe aller Daten im Kassenbereich erfährt man den Gesamtpreis inklusive 5,40 Euro Versandkosten. Alternativ kann man auf der Homepage statt den Onlineshop auch einen Händler suchen. Das leistet die Google-Suche übers Smartphone auch. Kein Wunder, wenn Kunden aussteigen und am Ende wieder bei Amazon landen.

Damit stehen ANWR und Vedes längst nicht allein da. Funktionierende Multichannel-Lösungen zählen derzeit zu den größten Herausforderungen für Händler-Verbundgruppen. „Wer das schafft, hat sich einen Preis verdient,“ sagt Gero Furchheim, Präsident des E-Commerce-Verbandes bevh und zugleich Vorstand bei dem Möbelversender Cairo AG. Auch dieses Unternehmen wurde von den Mitgliedern einer Verbundgruppe gegründet. Die Händler sind Gesellschafter, und Cairo kann wie ein Filialist in eigener Regie seine Multichannel-Strategie umsetzen.

Neue Wege der Vernetzung: Schuhe.de der ANWR Group und Zalando kooperieren.
© ANWR Group
Neue Wege der Vernetzung: Schuhe.de der ANWR Group und Zalando kooperieren.

Anders sieht es bei Verbundgruppen stationärer Händler wie Euronics, Expert, Intersport oder eben ANWR aus. Dort dreht es sich vor allem darum, Kunden über das Netz in die Läden zu holen, um dort mehr Umsatz zu erzielen. Entsprechend hoch sind die Investitionen.

Doch viele Fragen bleiben offen: Zu welchem Händler sollen die Kunden geführt werden, damit in der Gruppe keiner benachteiligt wird? Schon die Frage rückt den Händler stärker in den Vordergrund als den Kunden.

Nicht nur bei Euronics zielt alles auf den Händler in der Nähe ab. Doch was geschieht, wenn der nächstgelegene Händler nicht auf der Seite seiner Verbundgruppe vertreten ist, weil er online in eigener Regie arbeitet, gar nicht im Netz ist, nicht über das erforderliche Warenwirtschaftssystem verfügt und so weiter?

Tief sitzt die Furcht, dass die Zentrale über ihre Filialen zur Konkurrenz der eigenen Mitglieder wird. Das Netz kann dies noch verstärken. Wie sollen da noch alle an einem Strang ziehen? Fest steht aber wohl: Sie müssen.

Und müssen vielleicht sogar neu denken: Die Online-Plattform der ANWR Group ist beispielsweise mit dem Rivalen Zalando eine Kooperation eingegangen. Damit können die an Schuhe.de angeschlossenen Händler ihre Artikel auch über Zalando anbieten. Ohne Mehraufwand soll den Händlern somit ein weiterer Absatzkanal geöffnet werden. Die Pilotphase läuft derzeit.

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