Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft "verdi" befürchtet, dass IT-Projekte in Deutschland häufig mit dem Datenschutz kollidieren. Man könne die Installation von Kontroll-Tools nicht mit dem Präventionsgedanken rechtfertigen.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft "verdi" befürchtet, dass IT-Projekte in Deutschland häufig mit dem Datenschutz kollidieren. Lothar Schröder, Bereichsleiter für Technologie und Innovationspolitik bei verdi, geht davon aus, dass "Firmen mehr Überwachungssoftware einsetzen als nötig". Im Interview mit der Fachzeitschrift NetworkWorld Germany sieht er die Ursache dafür zum einen im fehlenden Wissen über die gesetzlichen Regelungen zur Arbeitnehmerüberwachung, zum anderen existierten oft nicht einmal entsprechende Richtlinien oder Betriebsvereinbarungen in den Unternehmen.

"Es gibt gerechtfertigte Überwachung, aber sie muss strengen Regeln unterliegen", kritisiert der Gewerkschafter die IT-Praxis der deutschen Unternehmen. Nur wenn ein konkreter Verdacht bestehe, dass ein Mitarbeiter mit Hilfe der Kommunikationseinrichtungen seines Arbeitgebers gegen Gesetze wie etwa den Jugendschutz verstoße, dürfe ein Unternehmen ihn überwachen. Man könne die Installation von Kontroll-Tools nicht mit dem Präventionsgedanken rechtfertigen.

"Überwachung lässt sich dazu instrumentalisieren, ungeliebte Mitarbeiter loszuwerden", gibt Schröder zu bedenken. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Situationen müsse man einen Mitarbeiter nur lange genug beobachten, bis man einen Fehler finde, der Maßnahmen gegen ihn rechtfertige. Seiner Meinung nach hilft gegen den gefürchteten Geheimnisverrat auch kein Überwachungs-Tool: "Wer Firmengeheimnisse verraten will, findet auch jenseits von E-Mail und elektronischem Datenverkehr einen Weg dafür."

Auch das Argument der Anbieter von Überwachungssoftware, die Kosten für private E-Mail- und Internet-Nutzung seien zu hoch und könnten mit Kontrolle gedrückt werden, widerlegt Schröder im Interview mit NetworkWorld Germany: Sie lägen heute unter 1,50 Euro im Monat pro Arbeitnehmer. Man solle lieber prüfen, "wie viel ein Unternehmen einspart, wenn seine Mitarbeiter ein paar Einkäufe im Web erledigen oder sich einfach durchs Surfen entspannen", schlägt der Gewerkschafter vor. (ST)