Das größte Trauerspiel im deutschen Onlinehandel ist vielleicht das Packaging. Hier schlabbrige Plastiktüten, dort die allgegenwärtigen langweiligen braunen Amazon-Kartons. Gerade mit der Verpackung könnte also der Handel gegen die seelenlose Kartonage der Online-Riesen punkten.

Es ist fast schon eine Binse: Für das Markenimage und das Einkaufserlebnis ist der letzte Eindruck oft der entscheidende Moment. Denn diese Erinnerung bleibt beim Kunden hängen. Mehr noch vielleicht als die Erfahrung mit der Usability im Webshop.  

Dabei muss man gar nicht neidisch auf all die Sichtkontakte schielen, die ein Online-Riese wie Zalando mit seinen massiv gebrandeten Kartons überall erzeugt. Das können kleinere Händler auch.

Zalando-Kartons: Markenbotschafter und Visitenkarte
© Zalando
Zalando-Kartons: Markenbotschafter und Visitenkarte
Der Modehändler Breuninger zeigt beispielsweise mit seinen schmucken orangen Lieferungen mit dem großen „B“, dass auch ein stationär geprägter Händler ein wertiges „Auspackerlebnis“ bieten kann. Das reicht dort bis zu der in Seide eingeschlagen Ware. Da macht das Auspacken Vergnügen. Das kann auch die Wiederkaufrate erhöhen.
Wertige Visitenkarte: Paket von Breuninger
© Breuninger
Wertige Visitenkarte: Paket von Breuninger
Steigern lässt sich derlei außerdem durch kleine Extras. Das muss nicht immer die Produkteprobe aus dem Beauty-Shop sein. Manchmal genügt auch schon eine kleine Tüte Gumibärchen als kleiner Gruß. Hotels legen derlei ja auch nicht ohne Grund aufs Kopfkissen.

Personalisierte Anschreiben im Paket sind heutzutage auch kein Hexenwerk mehr. Ein kleines Begleitschreiben, und sei es in gedruckter Form im Postkartenformat, mit dem Sie einen neuen Kunden begrüßen oder sich bei einem Stammkunden für die Treue bedanken, schafft ein Signal der Nähe und Verbundenheit. Da geht aber noch mehr.

Foodspring, das Start-up vertreibt online Fitness-Food und Sportnahrung, füllt beispielsweise das Paket mit personalisierten Broschüren.  Basierend auf dem  Surf-und Kaufverhalten jedes einzelnen Kunden werden mit Hilfe der Software von Adnymics automatisch maßgeschneiderte Inhalte in einer 16-seitigen Broschüre zusammengefasst.

Ziel der personalisierten Beileger: noch mehr Branding, noch mehr Kundenansprache, noch mehr Beratungscharakter.

© foodspring
Das Ergebnis: Seit dem Einsatz der Technologie erhöhten sich die Warenkorbwerte um 25 Prozent. Außerdem kauften die Kunden nicht nur mehr, sondern auch öfter bei Foodspring ein. Auch die incentivierten Gutscheine, die der Versender in seine Broschüren integriert, kommen gut an: 6 Prozent der Neukunden, die in ihren Erstbestellungen Beileger mit Gutscheincodes fanden, lösten diese für eine weitere Bestellung im Shop ein.
Dem Thema Verpackungen widmet sich auch ein Thementag des Branchenverbands bevh im Oktober.  Dabei geht es nicht nur um das Packaging als Visitenkarte und Markenbotschafter für Hersteller und Händler, sondern auch um besondere Anforderungen an Verpackung  im Lebensmittel-Onlinehandel, Nachhaltigkeit und innovative Lösungen.

MEHR ZUM THEMA

Ist als Vertriebsleiterin bei der Landbell AG Expertin für das Duale System.
© Foto zur Verfügung gestellt.
Praxis

Neues Verpackungsgesetz – so beugen Online-Händler Bußgeldern vor


Mit Akkus und Powerbanks fing eine Erfolgsgeschichte an, die auch heute noch ohne Amazon so nicht möglich wäre.
© Urheber: nito - fotolia.com
Player

Dieses Start-up schlägt Apple & Co dank Amazon


Gründer in der Höhle der Löwen
© VOX
Start-up

„Höhle der Löwen“: Dieses Duo machte den vielleicht leckersten Deal