Wenn Tengelmann-Gesellschafter Karl-Erivan Haub mit der Tagespresse über Chancen des E-Commerce spricht, dann spricht er zumindest mit Blick auf den Online-Lebensmittelhandel gerne vom schwerstes Geschäft in Deutschland, das es gibt. Erst jüngst gab er in der "SZ" dem eFood keine große Chance. Das soll wohl auch als Motivation nach innen wirken. Denn im Grunde muss man Haub als E-Commerce-Fan sehen. Einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag habe Tengelmann bislang in das Geschäftsfeld investiert, sagte er der "Lebensmittel Zeitung". Aber er ist ein Fan mit Bodenhaftung und einem Schuss Optimismus.

E-Commerce betrachtet Haub im Interview mit der Printausgabe der "Lebensmittel Zeitung" als ein "Geschäftsfeld, dem zweifelsohne die Zukunft gehört". Kalkuliert wird aber mit hanseatischer Strenge: "Wir werfen unser Geld nicht zum Fenster heraus." Schließlich schätzt Haub die Floprate der Glücksucher im Internet auf 80 Prozent ein. 

Investiert wird deshalb gerne in der Frühphase. Und so kommt mittlerweile ein bunter Strauß an Beteiligungen zusammen:

Die Mülheimer Unternehmensgruppe ist mit der  Tochter Tengelmann Ventures an der Canimix GmbH beteiligt, dem Onlineshop für Premium-Hundefutter, bei dem auch Fressnapf-Gründer und Geschäftsführer Torsten Toeller “mitmischt”.  

An babymarkt.de hält Tengelmann inzwischen 70 Prozent, einen kleinen Anteil hat man bei deal united, das eine innovative Alternative zu herkömmlichen Online-Bezahlmethoden anbietet. 

Mit 2,5 Millionen Euro mischt Tengelmann beim neu aufgelegten High-Tech Gründerfonds II (HTGF II) mit.

Im Rahmen der Übernahme des Shopping-Clubs brands4friends durch eBay verkaufte die Unternehmensgruppe Tengelmann ihren 10-prozentigen Anteil. 2009 war man eingestiegen und dürfte dabei ganz gut verdient haben.

Weitere Marken im Portfolio:  B2B-Marktplatz Zitra, Spielehändler Hitfox, Kundenfeedbacksystem eKomi, MAC IT-Solution, Anbieter für Softwarelösungen für die Versandhandelsbranche, Lieferdienste wie Lieferheld.

Beachteste Partnerschaft ist indes die mit Zalando.

Da ist Haub wieder Optimst: "Zalando könnte es schaffen. Es hat das Zeug dazu, eine große Marke zu werden". Dass das auch  Geld kostet, weiß ein Kaufmann wie Haub, der wohl mit langem Atem auf die weitere Entwicklung schaut. 

Doch dann ist da der Online-Lebensmittelhandel. Mit ihm wird Haub, Freund des Multichannel, auch im LZ-Interview nicht so recht froh. Allen Versuchen mit dem eigenen Dienst  aus der Kaisers/Tengelmann-Welt zum Trotz. Bringmeister heißt der eigenartiger Weise, obwohl Haub im Interview durchblicken lässt, dass er sonst doch eher ein Freund identischer Markennamen in der On-und Offlinewelt ist. 

Es mag etwas mit unterschiedlicher Positionierung, anderen Risiken und möglichen Abstrahleffekten bei Problemem zu tun haben. Die Probleme, Zeit, Zuverlässigkeit, Kosten, Frische, Kühlung, Preis lassen sich ja auch mit Optimismus nicht wegdiskutieren.

"Wir wollen schauen, 0b wir es trotz der Probleme schaffen." Müde klingt das nicht. Eher realistisch. Schließlich hat Deutschland anders als Vorbild-Länder wie Großbritannien eine deutlich Discount-geprägte Struktur. Anders gesagt: "Wenn sie nicht den richtigen Preis haben, funktioniert auch online nicht."

Kühl kalkulieren, da kann die digitale Welt noch von den alten Krämern jede Menge lernen. Haub: "Wir greifen den Start-ups nicht nur mit Geld unter die Arme. Wir zeigen ihnen die Abläufe im Tagesgeschäft, bringen ihnen Grundfunktionen wie Rechnungslegung und Controlling bei. Das sind Dinge, die unsere jungen Geschäftspartner gerne unterschätzen."

Wer nach Gründen für Flops sucht, der könnte sie hier finden.