Es gibt nicht wenige Berater, die uns weismachen wollen, dass Online-Supermärkte das nächste große Ding im E-Commerce werden. Vielleicht haben sie einfach noch nie selbst Lebensmittel im Internet bestellt: In einem simplen Test des Wirtschaftsmagazins Der Handel scheiterten die meisten Anbieter kläglich an einem ganz und gar alltäglichen Einkaufszettel. Das Ergebnis des Tests hat selbst die Redaktion überrascht.

Dass die viel gepriesenen Online-Lieferdienste so schlecht abschneiden, ist schon erstaunlich. Schlechter Service, unvollständiges Sortiment, teurer Versand, regional begrenzte Lieferung – die Mängelliste in Sachen eFood ist lang, die Liste derer, die unsere einfache Aufgabe gelöst haben, ist dagegen kurz: Rewe, Amorebio und Bünting.

In die engere Auswahl kamen Anbieter, die entweder bundesweit oder in mehreren verschiedenen Regionen liefern. Tengelmann brachte seine Regionallieferdienste erst nach dem Test unter der Marke Bringmeister zusammen, wurde also nicht geprüft.

Unser Test-Einkaufskorb hatte lauter Alltagsprodukte, war aber auch nicht ganz so leicht zusammen zu stellen, denn in der Bestellung haben wir Frische (Käse, Bananen, Salatkopf) mit Produkten aus dem Trockensortiment (Klopapier), dazu Zerbrechliches (Eier, Gurkenglas) und eine Tiefkühlpizza.

Das ist doch nichts Besonderes, dachten wir.

Doch die meisten Anbieter konnten das Gewünschte gar nicht liefern – oder der Versand wurde dermaßen teuer, dass die Kosten mit Porto und Verpackung in keinem Verhältnis zum Einkaufsbon mehr standen.

So geschehen bei Amazon, wo der Warenkorb 30 Euro, das Porto abschreckende 27 Euro kostete. Gerade einmal zwei Online-Supermärkte waren in der Lage, die Produkte bundesweit zu liefern: Bünting und Überraschungs-Testsieger Amorebio (ohne Tiefkühlware, dafür alles in Bio-Qualität). Rewe brachte ebenfalls alle Produkte bis zur Haustür, liefert aber derzeit nur im Raum Köln, Frankfurt am Main und Hamburg.

Alle anderen Anbieter scheiterten entweder an der Sortimentszusammenstellung oder an der abgedeckten Lieferzone – Testgebiet war immerhin das dicht besiedelte Rhein-Main-Gebiet.

Zurück blieben – neben Unmengen von Verpackungsmaterialien, die Büntig geliefert hat – viele Fragen:

Wie soll der Web-LEH angesichts solcher Barrieren Kunden gewinnen?

Warum soll man angesichts der hohen Supermarktdichte in Deutschland überhaupt Lebensmittel online einkaufen? Where’s the beef, wo ist der USP von Online-Supermärkten?

Nicht mal Lieferflexibilität haben sie zu bieten, denn die meisten versenden die Ware mit normaler Post.

Und, last but not least: Wie sollen sie bei der verzwickten Logistik profitabel werden?

Zurück bleibt auch eine Bitte: Berater, Handeslpropheten und E-Commerce-Experten sollten, bevor sie die nächste Eloge an den Online-Supermärkten schreiben, bitteschön eine einfache Bestellung im Netz abgeben. Die Branche mag Zukunftspotenzial haben, in der Gegenwart ist aber wenig davon zu spüren.