Eine der größten Hemmschwellen für den Kauf von Wert-und Luxusgütern im Internet ist oftmals die Unsicherheit bei der Zustellung: „Wer nimmt mein Paket an, wenn niemand zu Hause ist?“

Je höher der Warenwert, desto größer ist das Unbehagen bei den Kunden, diese auch fremden Händen anzuvertrauen. Um als Händler auch in diesen Segmenten attraktiver zu werden, setzt Amazon deshalb in den USA verstärkt auf „Lockers“, eigene Packstationen, vergleichbar den Paketautomaten, wie sie DHL-Kunden in Deutschland bereits gewohnt sind.

In fünf US-Städten hat der Retailer bereits 50 seiner Abholstationen installiert, davon befinden sich allein 20 in New York. Die „Lockers“ sind dabei überwiegend in den 24h-Shops der 7-Eleven Ltd. Installiert, der weltweit größten Einzelhandelskette, gemessen am Filialnetz. Kunden können im laufen Bestellprozess eine dieser Pickup-Station auswählen und über eine Code-Eingabe ihr Paket an dem jeweiligen Automaten auslösen. Die Lieferung an diese Pickpoints ist dabei versandkostenfrei. Pakete die innerhalb von drei Tagen nicht abgeholt werden, gehen dabei automatisch zum Retailer zurück und die Kunden erhalten eine Rückerstattung ihrer jeweiligen Kaufbeträge. Der Service umfasst dabei alle Waren des eigenen Sortiments sowie die von Marketplace-Anbietern, die die Amazons Lager-und Distributionslogistik im Rahmen des Fulfillment-Services nutzen.

Auch im europäischen Raum arbeitet der Versender mittlerweile an derlei Services. Bei einem ersten Testlauf in London setzt der Konzern jedoch nicht nur auf Automaten, sondern auch auf Shops als auf Kooperations-Partner, die vorab vom Unternehmen als „Collect+“- Abholstationen zertifiziert werden: Wer sein Paket nicht „aus einem Automaten ziehen“ möchte, bekommt es von Mitarbeitern dieser Partner-Shops übergeben.

Dass der Retailer auf ein Automatennetz in Eigenregie setzt, scheint auf den ersten Blick mit erhöhten Kosten verbunden zu sein, schließlich hätte man ja auch auf bereits bestehende Ressourcen seitens der Transportdienstleister zugreifen können. Findet die Idee bei den Kunden jedoch Anklang, könnten sich die „Lockers“ schnell amortisieren: Für Einzellieferungen an Privatadressen nehmen die Transportdienstleister bis zu 20% Aufschlag pro Packstück gegenüber Sammellieferungen an Geschäftsdressen. Über Sammellieferungen an diese eigenen Pickpoints verringern sich also die Transportkosten, so dass jede Sendung zur Refinanzierung der Automaten und der Mietpreise für deren Aufstellung mit beiträgt.

In der Fläche präsent zu sein, suggeriert Sicherheit auf der „der letzen Meile“

Kurzfristig soll die Maßnahme jedoch in erster Linie das nötige Vertrauen für ein weiteres Wachstum auch in  margenstarken und entsprechend attraktiven Warensegmenten bei Wert-und Luxusgütern schaffen. Mittelfristig könnte Amazon auch darauf spekulieren, den Service auch außerhalb der westlichen Märkte einzuführen. Gerade in China, einem Markt in dem Amazons Martktanteil weit hinter dem der Retailer des heimischen Alibaba-Konzerns zurückliegt, deuten sich dahingehend Chancen an: Viele Chinesen haben schließlich gar keine Heimatadresse an die Paketzustellungen erfolgen könnten.

Grafik: Amazon