10 Jahre Ebay/Paypal: Welche E-Payment-Services bevorzugen deutsche Kunden im Online-Shopping?

Von Karsten Werner Karsten Werner | 9. Juli 2012 |

Im Juli 2002 übernahm Ebay den damaligen Micropayment-Dienstleister PayPal im Rahmen eines Aktientausches für 1,5 Milliarden US-Dollar. Seitdem hat sich der Dienst zu einem Umsatzbringer für das Unternehmen  entwickelt. Anlass genug, den Ist-Zustand des deutschen E-Payment-Marktes unter die Lupe zu nehmen: Welche Services sollten Online-Händler ihren Kunden anbieten?

PayPal ist im Jahr 2012 bereits für 38 Prozent des Konzern-Umsatzes bei Ebay verantwortlich. Da eine Zahlungsabwicklung über den Dienst Händlern auf der Plattform seitens Ebay jedoch „unter Zwang“ auferlegt wurde, hat diese  Erfolgsgeschichte auch einen faden Beigeschmack: Der Service ist in erster Linie dank der Marktmacht Ebays als Plattformbetreiber etabliert, Rückschlüsse auf die Kundenwünsche lassen sich für Shop-Betreiber deshalb aus dieser Entwicklung nur bedingt ableiten.

Zwei Statistiken aus dem Jahr 2011 versprechen jedoch, darüber Aufschluss geben zu können. Die Daten entstammen derselben Umfrage (sind dabei lediglich grafisch unterschiedlich aufbereitet worden), mit einer Stichprobengröße von 100.317 Befragten Teilnehmern.

Zahlungssysteme nach Bekanntheit

Zahlungssysteme nach Nutzungshäufigkeit

Interpretation und Kritik der Statistiken aus der Perspektive von Online-Händlern

Eine Übersicht der Ergebnisse und ein ausführliches Round Up auf deren Basis zum Thema „Payment“, findet sich im E-Paper 8/11 (Seite 1 und 33-35) von internetworld. Insgesamt sehr lesenswert, halten sich die Kollegen mit Kritik und einer tiefergehenden Analyse  der Ergebnisse  jedoch zurück. Verständlich, denn leider werden in der Umfrage an keiner Stelle demographische Differenzierungsmerkmale ausgewiesen. Insofern fällt es schwer, der Umfrage das Prädikat „repräsentativ“ zu geben, schließlich sind gerade im Online-Versandhandel geschlechterspezifische- beziehungsweise nach Altersgruppen gegliederte Abgrenzungen unabdingbar, um dem einzelnen Online-Händler hier als Orientierungshilfe, gemäß seiner jeweiligen Kernzielgruppe, hilfreich zu sein.

Auch schwächelt die Umfrage aufgrund einer mangelnden Differenzierung innerhalb der Befragungsgegenstände selbst: So bleibt völlig unklar, ob, bezüglich der Nutzung von „Amazon Payments“, das Kaufverhalten über den Dienst selbst (Käufe beim Retailer, beziehungsweise bei den Marketplace-Händlern über dessen Plattform) mit einbezogen wurde, oder aber lediglich Käufe bei externen, unabhängigen Web-Shops, die Amazon Payments als eine von mehreren Zahlungsoption anbieten, in diese Erhebung mit eingeflossen sind. Nur diese Daten wären für Händler relevant, um eindeutige Rückschlüsse bezüglich der Kundenpräferenzen bei der Wahl einer Bezahlmethode treffen zu können. 

Eine Aufschlüsselung nach Bekanntheit/Kundenprofil bei einer „internen“ Nutzung (über  Amazons Handelsplattformen) und einer Nutzung bei „externen“ Anbietern (wie zum Beispiel dem Händler von Musikinstrumenten Thomann, der Zahlungen via Amazon Payments  optional anbietet), wäre demnach zwingend erforderlich,um den realen, kundenseitigen Impact dieser E-Payment-Lösung abzubilden. Gleiches gilt für das Gespann Ebay/Paypal: Auch hier gibt es für die Kunden keine Wahl-Alternative auf dem Marktplatz selbst und eine Differenzierung zwischen interner und externer Nutzung wäre für unabhängige Händler, die sich über Payment-Solutions innerhalb ihrer eigenen Shop-Systeme Gedanken machen, zielführend gewesen. Die zentrale Frage ist: Wollen die Kunden PayPal und Amazon Payments überhaupt, oder nutzen sie es nur deshalb so häufig, weil sie bei den beiden großen Handelsplattformen gar keine anderen Optionen haben?

Fazit: Was die Kunden nutzen und was sie nutzen wollen - das ist nicht unbedingt das Gleiche

Insofern werden an dieser Stelle Äpfel mit Birnen vergleichen: In der Nutzung werden Anbieter, die über die großen Player (Ebay und Amazon) mit  Zwangs-Check-Outs arbeiten (und dementsprechend per se häufig „genutzt“ werden), und Anbieter, die Services ausschließlich auf freiwilliger Basis  offerieren, etwas zu undifferenziert (zumindest um sich als Händler Kundenpräferenzen daraus herleiten zu können) dargestellt.

Zwar lassen sich die Ergebnisse als eine Orientierungshilfe heranziehen, insbesondere deutsche Händler müssen jedoch weiterhin abwägen und sich nach dem Learning-by-Doing-Prinzip an ihre jeweilige Zielgruppe herantasten: Nicht zu viele Optionen, nicht zu wenige. Nur welche?

Die einzig eindeutige Erkenntnis, die sich gewinnen lässt: Google Checkout/Google Wallet ist keine Option mehr. Trotz hoher Bekanntheit und einer gegenüber PayPal einfacheren Handhabung ist der Dienst in Deutschland gänzlich ins Hintertreffen geraten. Ein Scheitern, dass insbesondere deutsche Online-Händler bei der Wahl ihrer Payment-Optionen berücksichtigen sollten: Natürlich sind die Gründe auch darin zu finden, dass Google im Gegensatz zu Ebay und Amazon kein Anbieter von Vertriebs-Infrastruktur ist, über die es seinen Dienst hätte pushen können. Insbesondere vor dem Hintergrund einer in Deutschland hitzig geführten Datenschutzdebatte (im Hinblick auf die in der Medienberichterstattung immer wieder als Feinbild bemühte „Datenkrake“ Google), sollten Händler jedoch beachten: Die Aufnahme von Payment-Möglichkeiten seitens Anbietern, deren Brand Trust durch derlei Meinungsmache in den Massenmedien bereits gelitten hat, sollte vermieden werden. Sonst droht die Gefahr, dass ein negatives Meinungsbild auf den eigenen Shop und die eigene Marke entsprechend abfärbt.

Grafiken: Statista


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