Angriff der Roboter: Fits.me will den deutschen Markt aufrollen

Von Klaus Janke | 11. Juni 2013 |

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Sales Director Michael Zinsmeister
Virtuelle Anprobe im Online-Modeshop - das ist immer noch ein kniffliges Thema. Eine ambitionierte Lösung bietet Fits.me: Das Start-up hat Roboter-artige Ankleidepuppen entwickelt, mit denen alle menschlichen Körpermaße simuliert werden können. Die Puppen werden dann mit Kleidungsstücken in allen Größen und Varianten fotografiert. Der Online-Händler erhält damit reale Fotoserien, die den Kunden verdeutlichen sollen, wie ihnen ein bestimmtes Kleidungsstück steht, ob es sitzt, wo es Falten wirft. Das System wird unter anderem bereits von Adidas eingesetzt. Jetzt will Fits.me, das seinen Hauptsitz in London hat, den deutschen Markt aufrollen. Im etailment-Interview erläutert Michael Zinsmeister, Sales Director für die D-A-CH-Region, die Strategie. 


Herr Zinsmeister, Fits.me hat im Februar ein Büro in München eröffnet, von dem aus die deutschsprachigen Länder betreut werden. Wie läuft das Geschäft hierzulande?

Sehr gut. Wie zählen bereits Adidas und Hugo Boss zu unseren Kunden. Hinzu kommt der britische Retailer Boden, der Fits.me auch in seinem deutschen Shop einsetzt. Auch die Modemarke Mexx tut das. Das Interesse ist sehr groß, wir führen perspektivenreiche Gespräche.

Wie steht es mit der Otto Group?

Mit Otto haben wir bereits sehr erfolgreiche Tests gefahren. Wegen der Umstellung des Otto-Shopsystems ist zurzeit aber eine Implementierung von Fits.me nicht spruchreif.

Ist es nicht schwierig, Kunden von dem organisatorischen Aufwand zu überzeugen, das Online-Anprobesystem einzuführen?

Wir haben sehr gute Argumente. Fits.me ist das Anprobesystem mit den europaweit meisten bezahlenden Kunden. Das liegt daran, dass sich bei den Fits.me Nutzern die Conversion Rate im Shop verdoppelt und die Retourenquote um mehr als die Hälfte reduziert. 15 bis 20 Prozent der Kunden im Online-Shop klicken den Fits.me-Button im Schnitt an. Und es gibt kein anderes System, das ausschließlich mit realen Fotos arbeitet. Damit bekommt der Endkunde die beste Vorstellung davon, wie ihm ein Kleidungsstück steht. Und weil die Anprobe sehr genau mit seinen individuellen Körpermaßen möglich ist, neigt der Kunde nicht so stark dazu, zur Sicherheit einen Artikel gleich in mehreren Größen zu bestellen.

adidas fitsme
Virtuelle Anprobe bei Adidas
Auf welche Kosten muss sich der Kunde einstellen?

Das hängt vom Umfang des präsentierten Sortiments und einigen anderen Faktoren ab. Zurzeit beträgt die durchschnittliche monatliche Gebühr bei unseren Kunden rund 7000 Euro.

Zusätzlich stellen Sie das Fotografieren der Kleidungsstücke in Rechnung.

Ja. Für einen Artikel fallen pro Schnittkategorie etwa 350 Euro an – ein Betrag, der nicht stark ins Gewicht fällt.

Kommt darauf an, ob der Händler viele billige oder wenige hochpreisige Stücke anbietet.

Natürlich. Um zu ermitteln, welches Investment sich lohnt, nehmen wir im Vorfeld gemeinsam mit dem Kunden eine ROI-Analyse vor.

Sie haben einen großen wissenschaftlichen Aufwand betrieben, um die Roboter zu entwickeln, die rund 100.000 verschiedene Körperformen simulieren können. War der Aufwand nötig? Ist die Auswahl der richtigen Größe wirklich so kompliziert?

Na gut, man kann auch mit einer reduzierten Zahl von rund 2000 Körperformen arbeiten. Aber die sollten es schon sein. Eine feine Abstimmung der Kleidungsstücke ist nicht zuletzt deshalb notwendig, weil die Größenangaben der verschiedenen Hersteller immer stärker voneinander abweichen. Man denke nur an das sogenannte „Vanity Sizing“: Man schneidert als Hersteller einen Artikel mit der Zeit immer etwas größer, so dass Kundinnen das Gefühl haben, weiterhin dieselbe Größe zu haben. In diesem Dschungel der Maßangaben hilft Fits.me.

Fits.me

Das Unternehmen wurde 2010 in Estland gegründet. Der Hauptsitz befindet sich heute in London, weitere Büros gibt es in Deutschland und Frankreich. Finanziert wird das Start-up von den Beteiligungsunternehmen SmartCap, Conor Venture Partners, Fostergate Holdings und The Entrepreneur Fund. Im April wurde eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen, nach der nun zusätzliche 5,5 Millionen Euro für die Expansion des Unternehmens zur Verfügung stehen.
Fits.me hat kürzlich eine Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Wofür werden die zusätzlichen Gelder investiert?

Vor allem in die Expansion in der D-A-CH-Region – wir wollen bis September hier ein Team von sechs Personen aufstellen. Zudem treiben wir unsere Aktivitäten in Frankreich voran. Und wir haben auch bereits New York ins Auge gefasst.

Werden die Fits.me-Systeme noch weiterentwickelt?

Natürlich. Wir werden bald mobile Versionen für Smartphone und Tablets präsentieren. Und wir haben eine Lösung gefunden, auch das schwierige Thema „Hosen“ anzugehen. 


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Thema: E-Commerce

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