Bitcoins: Goldgrube oder Fata Morgana für den Online-Handel?

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 14. Mai 2013 |

Bitcoin
Virtuelle Währung: Bitcoin (Foto: © ulifunke.com / bitcoin.de)
Für manche gelten Bitcoins bereits als die Währung der Zukunft. Eine aus Technologie geborene Währung, die die Wirtschaft verändert. Das alternative  Zahlungsmittel findet inzwischen sogar Anhänger im E-Commerce. So hat 9flats, Portal für Privatzimmervermittlungen, kürzlich aufmerksamkeitswirksam Bitcoins als gültiges Zahlungsmittel akzeptiert. Damit steht das Unternehmen nicht alleine da. Doch ob das Payment-Modell mehr ist als ein PR-Stunt und Image-Kosmetik in Sachen Innovation, ist längst nicht ausgemacht.

 

Die dezentrale digitale Währung erlebte ihren ersten Boom nach der Finanzkrise 2009. Erdacht und erzeugt von einem mysteriösen, angeblich japanischen Programmierer mit dem vermutlich erdachten Namen Satoshi Nakamoto.

Komplizierte Bitcoin-Produktion

Der Reiz: Die virtuelle Währung wird nicht von Banken herausgegeben, sondern von einem Computer-Netzwerk geschöpft (Mining) und entsteht durch hochkomplexe Berechnungen bei denen solange an einem Algorithmus herumgerechnet wird, bis ein Bitcoin entsteht. (Glauben Sie mir, Sie wollen das nicht genauer wissen. Wenn doch , schauen Sie sich das Video an.)

 

Das kostet Zeit und Strom und dürfte damit letztlich für Privatleute teurerer werden als der Wert des Bitcoin. Zumal es mit jedem existierenden Bitcoin immer aufwändiger wird, Neue zu produzieren. Hinzu kommt: Jede digitale „Münze“ der Krypto-Währung gibt es nur einmal. Die Gesamtmenge an verfügbaren Bitcoins ist auf 21 Millionen limitiert. Eine Summe, die aber wohl erst in ferner Zukunft im Jahr 2130 erreicht wird.

Wer sich den komplizierten Vorgang der Bitcoin-Produktion nicht antun möchte – und das dürfte die Mehrheit sein, der kann Bitcoins über Internet-Börsen kaufen. Dort verzeichnete die Kryptowährung in diesen Wochen erhebliche Kurssprünge. An den virtuellen Bitcoin-Börsen stieg der Wert, der lange Zeit bei 5 Dollar dümpelte,  im April plötzlich bis auf 265 Dollar, sackte dann wieder auf rund 115 Dollar ab.

 

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Schwerpunkt Payment

Alles nur Spielgeld? Nein. Bitcoins können gegen digitale Güter oder auch in echte Währung getauscht werden. Transaktionen werden wiederum vom Netzwerk bestätigt, ohne eine Bank, die ihre Hände im Spiel hat. Der Vorteil: Das Krypto-Geld gilt als absolut fälschungssicher und kommt ohne Bankgebühren aus.

Interesse im Online-Handel an der Krypto-Währung

So krude das klingen mag und so sehr man als Laie auch glauben mag, ebenso könnte man komplizierte Origami-Figuren zur Tauschwährung erklären, so sehr gibt es doch auch im Online-Handel Interesse an dem System. Beispielsweise prüft eBay, ob und wie  sich die Währung mit PayPal kombinieren lässt.

Doch wie kommt da der Online-Handel ins Spiel?

Beispielsweise über Handelsplattformen wie Mt.Gox, die Webshops ein Plug-in anbieten, mit dem Händler die Krypto-Währung akzeptieren können. Zahlungsdienstleister wie Bitpay bieten zudem eine Softwarelösung, mit der Webshops dann Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren und dann zu Geld machen können. Natürlich gegen eine kleine Gebühr.

So akzeptiert die Geschenkgutschein-Plattform Gyft in Kooperation mit Bitpay nun Bitcoins als Zahlungsmittel und erreicht damit immerhin Marken und Ketten wie Burger King, Lowes, American Eagle und Nike. Händler erreichen somit zumindest indirekt Bitcoin-Nutzer.

Bei 9Flats sind Bitcoins dagegen nur per Sofortbuchung einsetzbar. Das heißt: Direkt im Zahlungsprozess werden Bitcoins in die jeweilige Währung gleich im Moment der Transaktion umgerechnet. Damit soll das Risiko schwankender Umrechnungskurse wie in jüngster Zeit vermieden werden. Der Vermieter kann aber auch wählen, in Bitcoin ausgezahlt zu werden und dann auf Kursgewinne hoffen.

Kursentwicklung Bitcoin
Kursentwicklung Bitcoin (Grafik: Bitcoin.de)


Händler, die in ihrem Webshop bei Bitcoin-Zahlungen Kursrisiken gänzlich vermeiden wollen, sollten den Bitcoin-Wert zudem immer an den Euro koppeln. Auch BitPay garantiert den Wechselkurs,

Unkompliziert ist das alles auch für den Kunden nicht. Bitcoins muss man sich erst einmal besorgen: Sei es über Börsen wie Mt.Gox oder Handelsplattformen wie bitcoin.de. Dort gibt es auch entsprechende Bitcoin-Clients, mit deren Hilfe man seine Bitcoin-Geldbörse auf dem Rechner speichert. Auch das dürfte bequeme und unsichere Nutzer abschrecken.

Die starken Kurschwankungen und Spekulationsblasen der jüngsten Zeit dürften Händler und Kunden obendrein gleichermaßen zaudern lassen. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen in ein System, dessen Anonymität man als Vorteil aber auch Nachteil sehen kann.

Wer akzeptiert die Krypto-Kohle?

Ein Vorteil für Early Adopter könnte es indes sein, dass all jene, die ein paar Bitcoins auf der hohen Kante haben, händerringend nach Gelegenheiten suchen, die Krypto-Kohle auch einmal auszugeben. Denn einlösen kann man die Währung an den wenigsten Stellen im Web. Hierzulande nennen entsprechende Listen gerade einmal ein paar Kondom-Shops, Tee-Händler und Felgen-Webshops. Immerhin gibt es im Berliner Kiez eine handvoll Kneipen, die die Phantom-Währung akzeptieren.

Trinkgeld sollten Sie dann aber, bitte schön, vielleicht doch lieber bar geben.


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Payment

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