Erste Pleiten: Achtung Blase?

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 9. Januar 2014 |

Erste Pleiten: Achtung Blase?
Wer mit einer gewissen hypochondrischen Besessenheit auf das junge Jahr schaut, könnte gleich das Ende einer Blase diagnostizieren. Fab in Europa ausgeblutet, der Promi-Shopping-Laden BerryAvenue (wie heute morgen gemeldet) am Ende, das Tierfutter Start-up Canimix ausgetrocknet. Trotz Unterstützung von Tengelmann und Fressnapf-Macher Torsten Toeller. Wenn das in diesem Jahr in diesem Tempo so weiter geht, dann kann Netzwertig-Autor Marin Weigert feiern. Denn der hofft, dass eine Blase platzt. Doch was platzt da gerade wirklich?

Der geschätzte Martin Weigert richtet seine Erwartungen für das große "Peng" auf all die hochgejubelten Internet-Player von Pinterest bis Snapchat, die mit zum Teil gigantischen Bewertungen für Schlagzeilen sorgen. Dabei ist nicht einmal klar, ob es so etwas ähnliches wie ein tragendes Geschäftsmodell gibt.

Das gilt vielfach auch für Start-ups. Die haben zwar oft tolldreiste Vorstellungen darüber, wie viele Kunden sie binnen drei Jahren erreichen, aber Business-Pläne sind auch immer eine Märchenstunde. Und häufig eben eine ohne Happy End.

Denn es liegt nun einmal in der Natur von Start-ups, dass das Risiko von Fehlschlägen relativ hoch ist. Das ist mit Neuheiten immer so. Die Flop-Rate in der Konsumgüterindustrie mit neuen Produkten? Gigantisch. Trotzdem würde niemand titeln: "Platzt die Apfel-Shampoo-Blase?".

- Fab ist, trotz tollem Social-Ansatz, in Europa eher an einem fehlenden Fundament und dem Druck gescheitert, schnellstmöglich alle Rocket-Internet-Klone aus dem Feld zu schlagen. Und es scheiterte daran, dass es nicht gelang, den Stammkunden noch mehr schöne Dinge verkaufen und vor allem Dinge zu bieten, die es so anderorts nicht auch ähnlich gibt.

- Shopping-Lösungen wie BerryAvenue, die im Grund auf einen einzigen Marketing-Vorteil - hier Promis - setzen, sind heutzutage zu eindimensional. Zumal sich derartige Elemente in abgewandelter Form flugs in große Plattformen integrieren lassen. Siehe die ebay Collections mit Promi-Unterstützern wie Pharrell Williams in den USA.

- Canimix, eine pfiffige Idee. Doch auch die skalisiert vermutlich besser (etliche dieser Tierfuttermischwerke sind bereits eingegangen), wenn sie in ein bestehendes Konzept eingebunden ist und von einem bestehenden Kundenstamm profitieren kann.

- Copycats machen weniger Sinn denn je. Der Markt gehört den First Movern oder jenen, die mit einem Sack voll Geld schneller wachsen können. Je mehr sich der Markt konsolidiert, desto weniger Platz ist für Abwandlungen des ewig gleichen, desto wichtiger wird ein USP mit echtem Kundennutzen - und Effizienz. Denn in einem reifenden Markt wird auch der Kunde reifer und nimmt nicht mehr jedes X für ein U.

- Viele Start-up-Pleiten sind schlicht das Ergebnis von Managementfehlern, falschen Markterwartungen und halbgaren Konzepten.  Luftschlösser platzen da, nicht Blasen.

Ohnehin ist das mit den Blasen so eine Sache. 

"Wir erleben zur Zeit eine verspätete E-Commerce-Blase. Sehr viele Händler sind unprofessionell und kalkulieren ihre Preise nicht sauber. Daher steht eine Konsolidierung bevor". Das sagte Jörg Malang (kelkoo, Xing) mal der FAZ. Das war 2004. Wie sich der Markt seitdem entwickelt hat, ist bekannt.
Erste Pleiten: Achtung Blase?

via Geek&Poke

Foto oben: BANG Boom pop art cloud on a vintagegrunge background - Shutterstock

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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Start-ups

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