Spotify als Piratenkiller

Von Holger Ehling | 29. Juli 2013 |

Spotify als Piratenkiller
Wenn Asterix und Obelix auf die Piraten treffen, ist das Ergebnis stets vorhersehbar und – jedenfalls für die Schadenfreudigen unter uns – vergnüglich: „Schiff versenkt“ ist fast immer die Diagnose. Spotify, der rauflustige Internetdienst aus dem Norden Europas entpuppt sich in den vergangenen Jahren als eine Art Asterix gegen Internetpiraten: Jetzt belegen Zahlen aus Norwegen und den Niederlanden, dass dort, wo Spotify, Pandora, Netflix und andere legale Streaming-Anbieter erfolgreich sind, die Zahl der illegalen Downloads von Musik und Filmen deutlich zurück geht.

Für Norwegen hat der Marktforscher Ipsos vorgerechnet, dass in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Illegalen Musik-Downloads um mehr als 80 Prozent geschrumpft ist – von 1,2 Milliarden Liedern, die 2008 piratenmäßig kopiert wurden, auf nur noch 210 Millionen im Jahr 2012. Ähnliches gilt auch für die Zahl illegaler Downloads von Filmen und TV-Serien. 210 Millionen illegale Downloads sind zwar immer noch eine ganze Menge in einem Land, das nur fünf Millionen Einwohner hat, die Tendenz aber ist eindeutig, und sie ist eindeutig positiv.

Der Erfolg ist sicherlich auch einer massiven Kampagne der norwegischen Regierung zu verdanken, mit der auf die Bedeutung des Urheberrechtsschutzes hingewiesen wurde – allerdings setzte diese Kampagne nicht nur auf die Verteufelung des Piratentums, sondern wies eben auch auf die Verfügbarkeit von legalen Alternativen hin. Gleichzeitig wurden die Gesetze zur Verfolgung illegaler Anbieter drastisch verschärft.

Weniger illegale Downloads

Auch ohne verschärfte Gesetze wurden in den Niederlanden die illegalen Downloads reduziert, wie aktuelle Daten von Spotify zeigen: Dort gingen die Zugriffe auf illegeale Torrent-Dienste von 35 Prozent der registrierten ISPs im Jahr 2008 auf 27 Prozent in 2012 zurück – dabei sind aber die aktivsten 10 Prozent der Nutzer für die Hälfte der Downloads verantwortlich.

Was bedeuten diese Zahlen?

Vor allem, dass im Kampf gegen Piraterie der schwere Säbel des Gesetzes nicht allzu viel ausrichten kann. Spotify-Vorstand Axel Bringéus weist in einem Interview darauf hin, dass der Dienst 2008 ausdrücklich als legale Alternative zum Piratentum gegründet worden ist und führt den Erfolg zurück auf gute Dienstleistung, faire Preise und Verständnis für die Wünsche der Kundschaft – letztlich also die Erfolgsfaktoren für jedes Unternehmen, das etwas verkaufen will.

Mehr als 20 Millionen Titel weltweit bietet Spotify an, um die 20.000 kommen pro Monat dazu. Tatsächlich können Künstler, die ihre Titel schon bei der Veröffentlichung über legale Dienste anbieten, ihre Verkäufe rasch und nachhaltig steigern. Wer diesen Schritt nicht macht, erfreut die Illegalen.

In der Musikindustrie, die besonders unter dem Niedergang der stationären Vertriebsstrukturen zu leiden hat, ist diese Botschaft angekommen. Die Film- und Fernsehbranche entdeckt dankt Netflix und anderer Dienste derzeit diese Möglichkeiten. Allein die Buchbranche experimentiert weiterhin mit harten DRM-Systemen, bis hin zur Idee, Buchinhalte beim Download zu modifizieren, um illegale Weitergaben nachvollziehen zu können. Das nennt man wohl eine Parallelwelt.


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Spotify, Musik-Streaming

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