Warum der Aufstieg von PayPal unvermeidlich war

Von Karsten Werner Karsten Werner | 5. Juni 2013 |

PayPal-Spot
Im TV-Spot preist PayPal die Vorteile gegenüber der klassischen Überweisung
PayPal: Der Bezahldienst wird von Händlern wie Kunden geliebt und gehasst. Doch ohne geht es kaum noch. Das liegt nicht nur an der Ehe mit eBay. Der Aufstieg von PayPal ist auch ein Lehrstück für kommende Payment-Systeme. Wer sich im Wettbewerb durchsetzen will, muss sich vor allem auf den Konsumenten konzentrieren.

PayPal ist das weltweit erfolgreichste Online-Bezahlsystem, hat die meisten Konkurrenten entweder überlebt oder mit Abstand auf die Plätze verwiesen, ist ein Umsatzbringer im eBay-Konzern, der mehr Profit zum Ergebnis beisteuert als der Marktplatz selbst, und macht sich gerade im fragmentierten Mobile Payment-Markt und sogar im stationären Handel auf, zur wichtigsten Drehscheibe im globalen E-Payment-Geschäft aufzusteigen. 13 Jahre Wachstum, 13 Jahre Rekordjagd.

Aber wie konnte diese überhaupt gelingen? Die negative Berichterstattung ist seit Jahren Legion und die positiven Entwicklungen von Marktakzeptanz, Umsätzen und Transktionsvolumina stehen eben dieser massiven Kritik seit jeher diametral gegenüber. Sicherheitslücken, Betrugsmaschen, Gebührenentwicklung, mangelnde Transparenz, Unternehmenspolitik: Kein anderes Großunternehmen in der Web-Wirtschaft steht so häufig am Pranger, wird so oft belächelt, gescholten und verflucht. Und ist trotzdem so erfolgreich.

Transaktionsvolumen von PayPal bis zum 1. Quartal 2013
Kritiker halten dem Unternehmen gerne vor, dass erst die „Ehe“ mit eBay und spätere „Zwangsmaßnahmen“ seitens des Auktionshauses (sukzessive wurden Händler und Käufer tatsächlich in mehreren Etappen zum Einsatz des Bezahldienstes gedrängt) die Initialzündung für PayPal gewesen wären. Das ist jedoch - zumindest für die Entstehungsphase dieses Erfolgsmodells - ein Irrtum.

PayPal löste ein (aus heutiger Sicht trivial erscheinendes) Problem im aufkommenden E-Commerce-Boom: Da Zahlungen sofort einem Zahlungsempfänger zugeschrieben werden, fällt eine - zum Beispiel bei Überweisungen übliche - „Banklaufzeit“ weg, sodass Transaktionen schneller abgeschlossen werden konnten. Nun konnte Online-Handel „seamless“ stattfinden, da sich das Zeitfenster von der Bestellung bis zum Erhalt einer Ware verkürzte - eine bis dato große Hürde im und für den elektronischen Distanzhandel war genommen: Durch potenziell kürzere Lieferfristen wurde der Vorteil „Convenience“ bei Online-Bestellungen gegenüber der „Instant Gratification“ im stationären Handel deutlich aufgewertet. Online-Handel wurde in der „Convenience“-Gesellschaft zu einer akzeptierten Einkaufsmethode - im Wortsinn - gesellschaftsfähig und konnte von dort aus seinen Siegeszug um die Welt antreten.

eBay war allerdings auch ein Hebel für PayPal und PayPal ein Hebel für eBay: Crossboarder Sales auf elegante Art zu ermöglichen, war eine wichtige Säule innerhalb der Wachstumsstrategie des Online-Auktionshauses. So wurde PayPal „alternativlos“ und ließ sich auf dieser Basis auch außerhalb des eigenen Marktplatzgeschehens etablieren: Was die Kunden von eBay kennen, das akzeptieren sie auch an anderer Stelle, bei anderen Marktplätzen und Händlern.

Fazit: PayPal löste Probleme im bargeldlosen Zahlungsverkehrs einfacher als die Wettbewerber, verkürzte indirekt Lieferzeiten und wirkte dadurch als Katalysator für einen aufstrebenden Online-Handel (mit eBay als ehemals wichtigstem Treiber in der Entwicklung Online-Handel) und profitierte gleichermaßen von dessen Wachstum: Je mehr Online-Handel, desto mehr Bedarf an einfachem und schnellem bargeldlosem Zahlungsverkehr, desto attraktiver wiederum der Online-Handel für Verbraucher. Insofern war PayPal zwar nicht der First Mover im Markt der Online-Bezahlsysteme, aber der, der zur richtigen Zeit (Aufkommen des Online-Handels) am richtigen Ort (ebay als klar dominierende Handelsplattform) auftrat.

Nun tritt PayPal in Deutschland mit einer TV-Kampagne in reichweitenstarken Sendern an. Zielgruppe: Der Kunde, dem die Vorzüge erklärt werden. Das ist clever. Über den Kundenwird der Druck auf den Handel erhöht, PayPal als Zahlmethode anzubieten.

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Paypal, Ebay

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