Wie schnell wachsen die Pure Player?

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 17. Mai 2013 |

E-Commerce-Wachstum: Symbolbild
E-Commerce-Wachstum: Symbolbild
Als der Branchenverband bvh gestern die abermals gewaltigen Wachstumszahlen für den E-Commerce vorlegte, packte er den gesamten Markt in einen Topf. Multichannel eben. Dabei wird das Wachstum gerade auch von den Pure Playern angetrieben. Da sollten allerorts die Alarmglocken schrillen. Der Wandel kommt schneller, als es der eigene Geschwindigkeit bei Wandel und Denken lieb sein kann. Das zeigt auch in Blick ins Ausland. 

Plus 37,3 Prozent im 1. Quartal zum Vorjahreszeitraum meldet der bvh: 8,707 Milliarden Euro Umsatz im E-Commerce. Und: Auch die Senioren auf deren mangelnde Flexibilität manch ein Filialist gewettet haben mag, entdecken die Webshops. Bei den über 60-jährigen legte der Onlineanteil an den Bestellungen um fast 20 Prozentpunkte zu.

Da klingt es nicht unrealistisch, wenn E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann einen Online-Anteil bei Nicht-Lebensmitteln von 30 bis 40 Prozent bis 2020 als "unterste Messlatte“ sieht.

Davon geht ein Batzen auf das Konto von Amazon, eBay und Co, davon wandert immer mehr in die Kassen der Pure Player. Für 2012 beziffert der bvh deren Wachstum auf über 40 Prozent. Diesmal nennt der Verband dazu keine Zahlen.
Sie dürften sich aber in ähnlichen Dimensionen bewegen. Die "Web-only"-Enthusiasten schicken sich an, die  wichtigste Macht im E-Commerce zu werden.

Darauf deuten Zahlen aus Großbritannien hin. Dort legten die Pure Player mit einem Wachstum von 20 Prozent deutlich stärker zu als die Multichannel-Anbieter. 

Für Deutschland erwarten IFH-Prognosen für 2013, dass der Marktanteil der Pure Player auf 36,6 Prozent steigt. Da ist es, schreibt man die Wachstumszahlen fort, nur noch eine Frage der Zeit, bis sie die Mehrheit des Marktes beherrschen.
bvh E-Commerce Umsatz
Ob die Pure Player zum Top-Player werden? Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein.


Grenzen des Wachstum? Klar, die gibt es. Der deutsche Kunde kann jeden Euro nur einmal ausgeben. Aber er kann das quasi ubiquitär tun. Es war daher fast schon ehrenhaft, dass Christian Winter, Geschäftsführer der Tengelmann-E-Commerce, auf dem 55. Forum der TextilWirtschaft in Schwetzingen, deutlich machte, dass die Rettung - auch für den stationären Handel - nur in einer konvergenten Nutzung aller Kanäle liegen kann. 

Anders gesagt: wer bis hin zum Gardinen-Lädchen an der Ecke gegen Pure Player bestehen will, muss sich selbst kannibalisieren, seine "Category-Killer" finden und den Kunden auf allen Kanälen ansprechen.

Das macht erst einmal nicht mehr Umsatz. Langfristig aber schon, wenn man den Kunden entlang seiner "Customer Journey" begleitet, unterschiedliche Nutzungssituationen bedient und sich damit seinen Anteil am Customer Lifetime Value auf Dauer sichert.

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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Umsatz, BVH, Pure Player

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