Zukunftsinstitut: So sieht der Handel morgen aus

Von Klaus Janke | 6. Juni 2013 | 3 Kommentare Kommentieren

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„Salestrends“ heißt die neue Studie, die Matthias Horx‘ Zukunftsinstitut gerade veröffentlicht hat. Es geht um „Strategien für den erfolgreichen Handel von morgen“ und damit natürlich zu einem großen Teil um E-Commerce. Den Leser erwartet einmal mehr die vom Zukunftsinstitut gewohnte Mischung: viel Bekanntes übersichtlich zusammengefasst, ein paar neue Anregungen, viele konkrete Beispiele und massig Trendbegriffe, die auf „ing“ enden. Hier ein kleiner Blick in die Studie.

Der Handel wird künftig komplett „rebooted“. Im Rahmen der „New Retaility“ besetzen die Händler immer mehr Touchpoints mit den Kunden und schaffen neue Kanäle der Kundenansprache – so wie etwa die Verbundgruppe Electronic Partner, die mit Plusanschluss.de einen Service geschaffen hat, über den die Kunden direkt die Installation von Haushaltsgeräten in Auftrag geben können. Natürlich herrscht „Omni-Channeling“ – On- und Offline-Welt sind keine Gegensätze mehr, sondern werden zunehmend verknüpft. Trendprognose für die stationären Geschäfte: „Während 1A-Lagen tendenziell für Flagship-Stores reserviert bleiben, werden verkehrsgünstig gelegene Filialen in Stadtteil- und 1B-Lagen in Zukunft starker als Fulfillment-Center für Cross-Channel-Aktivitäten aufgestellt.“

Der E-Commerce kann unter anderem mit „Curated Shopping 3.0“ punkten. Die möglichst einfühlsame Stilberatung lenkt den Kaufprozess. Das machen Läden wie Modomoto, 8select.de, Outfittery nach dem Vorbild des US-Händlers Trunk Club vor. Die Studie verweist auch auf den US-Herrenausstatter Bonobos, der fünf stationäre „Guide-Shops“ eröffnet hat. Hier können sich Kunden von engagierten Mitarbeitern persönlich beraten lassen. Ein freier Termin mit 45 Minuten wird über die Website gebucht. Neun von zehn Kunden, die zu einer Shop-Verabredung kommen, kaufen tatsächlich Ware ein.

Sogar beim Autokauf kann schon kuratiert werden: Über die Seite Check my Car kann man sich beim Gebrauchtwagenkauf beraten lassen. Am Telefon kostet das 29 Euro, wenn der Berater mit zum Gebrauchtwagenhändler kommt 99 Euro.

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Der Gegentrend (die gibt’s ja immer!) zum Curated Shopping ist das sogenannte „Serendipity Shopping“ – das Kaufen, das nicht von Empfehlungen und algorithmen-gesteuerter Zielgruppenansprache bestimmt ist, sondern vom puren Zufall. Das „Überraschen lassen“ also. Als Beispiele nennt die Studie das Start-up Flavrbox.com aus Bristol, das an experimentierfreudige Kunden jeden Monat ein Paket mit zufällig zusammengestellten Lebensmitteln verschickt. Oder den Shop www.zufallsshirt.de von Kathrin Passig, der garantiert einzigartige T-Shirts anbietet, weil zufällig aus 41 Billiarden Motivvarianten ausgewählt wird.

Verkauft werden zunehmend nicht nur neue Artikel, sondern im Rahmen von Re-Commerce auch Gebrauchtes oder gar nicht Verwendetes. Sogar Hotelbuchungen sind auf diese Weise mittlerweile möglich. Roomers, ein israelisches Startup, ermöglicht es, bereits bezahlte Buchungen für Hotels in New York, San Francisco und Las Vegas an Dritte weiterzureichen. So entstehen „Secondary Markets“.

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Kleine Onlineanbieter, die in Zeiten der „E-Gigantomania“ in puncto Preis und Sortiment nicht gegen Amazon & Co. ankommen, können vor allem in der Nische Erfolg haben, zum Beispiel, wenn sie „Uniqueness“ verkaufen. So schneidert das Start-up Ella & Paul Kuscheltiere nach eingesendeten Kinderzeichnungen. Zukunftsträchtig sind nach wie vor auch Community-Modelle, bei denen die Konsumenten ihre Einkaufsmacht im Internet bündeln. Und weil zu viel Modernität und Globalität immer auch Gegentrends erzeugen, kommen regionale („Tante Emma reloaded“) und nostalgische Konzepte sehr gut an.

Dies und noch mehr über Augmented Shopping, interaktives Window-Shopping, iLoyalty, Swapping, Fabbing, Showrooming, Cross-Over-Shops, Co-Prosuming, Haul-Shopping, Globe-Shopper-Marketing und vor allem Smart Convenience in der Studie „Salestrends“, die für 210 Euro zzgl. Mehrwertsteuer beim Zukunftsinstitut angefordert werden kann.

Es ist wie so oft bei den einschlägigen Trendstudien – man weiß nicht genau: Ist das nun wirklich ein Trend, oder machen da nur irgendwo auf der Welt drei verschiedene Anbieter zufällig dasselbe? Und: Verdient man damit wirklich Geld? Eine unterhaltsam aufbereitete Materialsammlung sind die „Salestrends“ aber allemal.

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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Zukunftsinstitut

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 7. Juni 2013 10:20 | Permanent-Link
    Wie verändert sich die Käufer-Struktur?

    Interessant - sagt die Studie auch etwas darüber, wie sich die Käuferstrukturen verändern werden? Welche der Konzepte bei stagnierenden realen Einkommen und eher weniger als mehr für Konsum verfügbarem Budget der Händler den breiten Kreis derjenigen erreichen, die wenig Geld zur Verfügung haben? Wer kann sich Serendipity Shopping, Abo-Commerce oder die höherpreisigen "uniquen" Angebote leisten, und bieten diese genügend "Markt", damit mehr als ein Marktführer damit profitabel werden kann?

  2. Klaus Janke
    Erstellt 8. Juni 2013 12:07 | Permanent-Link

    Zu den Marktchancen der einzelnen Trends macht die Studie leider keine Aussagen, sie beobachtet sie eher als Phänomene, die es nicht geben würde, wenn da nicht irgendeine Nachfrage da wäre. Die Käuferseite wird insbesondere vor dem Hintergrund der bestenfalls stagnierenden Realeinkommen nicht beleuchtet. Daran mangelt es bei der Trend- und Zukunftsforschung ja häufig.

  3. M. Friz
    Erstellt 17. Juni 2013 17:35 | Permanent-Link
    Käuferseite

    Veränderungen in der Käuferstruktur und Prognosen zu zukünftigen Zielgruppen werden in separaten Studien beleuchtet (z.B. hier: http://www.zukunftsinstitut.de/verlag/medien_detail.php?nr=20)

    Nein, ich arbeite nicht im Zukunftsinstitut ;-)
    Aber ich hoffe, ich konnte damit helfen.

    Grüße
    M. Friz

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