Achtung, die Chinesen kommen

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 23. November 2012 |

Bosideng London Men's clothing
Kommt aus China, sieht cooler aus als deren Autos: Bosideng

Beschwerlich, kompliziert, umständlich. Deutsche Onlinehändler finden schnell Gründe, die gegen eine Internationalisierung sprechen, sonnen sich lieber in der Größe des Heimatmarktes. Doch der weckt bei internationalen Playern Begehrlichkeiten.

US-Unternehmen und Briten treiben die globale Expansion massiv voran. Auch in Deutschland.

Schon strecken die ersten Online-Ableger chinesischer Shops und Marken ihre Fühler aus. Gerade im Modemarkt kauft der Kunde angesichts eines globalisierten Geschmacks nämlich zunehmend auch weltweit ein.  
Es ist ein seltsam national zentrierter Blick, wenn man beispielsweise im Modesegment allein auf Zalando, selbst einer der wenigen Anbieter der die Internationalisierung aggressiv vorantreibt, als den großen Player schielt. Da ist beispielsweise noch Asos. Jeden Tag surfen Millionen Besucher den Webshop an. Über 200 Länder hat der Anbieter auf der Versandliste und macht mittlerweile rund 57 Prozent des Umsatzes außerhalb von Großbritannien.

Marks & Spencer ist in 80 Ländern aktiv. Expansion ist das Ziel. Dieser Tage geht der britische Händler mit einem eigenen deutschen Shop live.

Die Top-Player rüsten sich für die Europa-Offensive

Der Kunde kauft überall. Und spart sich dank Web auch das, so man es sich denn leisten kann, beliebte Weihnachtsshopping in New York. Das machte Torsten Waack van Wasen, ehemals Head of E-Commerce beim Kaufhof, beim Europäischen Online-Handelskongress - etailment Summit 2012 in Berlin deutlich.    
Christmas Shopping in New York macht man im Web, sagt Waack van Wasen, inzwischen als Partner der Dilligenz Group in New York.

Fiftyone, globaler Plattform- und Software-Dienstleister für US-Händlern wie Macy`s, Gilt Groupe, Saks Fifth Avenue, Nordstrom, Gap, Neiman Marcus und JCPenney, hilft Waren in nahezu jede Ecke der Welt zu liefern, legt seit 2010 jedes Jahr Wachstumszahlen im dreistelligen Prozentbereich hin. Allein im ersten Halbjahr 2012 stieg das Umsatzvolumen um 165 Prozent. 75 Millionen US-Dollar dürfte Fiftyone in diesem Jahr mit seinen Provisonen verdienen.  Bewertet wird das Unternehmen mit bis zu 800 Millionen US-Dollar.

Eine der Ursachen des Erfolgs: Fiftyone sorgt für eine reibungslose Abwicklung mit niedrigen Hürden, bleibt beim Shopping aber für den Kunden selbst im Hintergrund. Für den ist der Einkauf dank Fiftyone ohne lästige Formalitäten. So macht Macy`s klar, dass man Zollgebühren und Steuern gleich beim Bezahlvorgang mit berechnet.

Auf seiner Homepage stellt Fiftyone übrigens einige Reports zu Entwicklungen im globalen E-Commerce bereit.

Die nächste Mode-Trend kommt aus China

Auch den Namen Bosideng wird man sich merken müssen.
Das ist ein chinesischer Modehersteller, der im Sommer in London auf der schicken Molton Street seinen ersten Flagshipstore außerhalb des Landes eröffnet hat. Weitere Stores in anderen Ländern sollen folgen. In Deutschland bringt die Otto-Tochter und B2B-Handelsplattform KeenOn-Fashion nun Bosideng auf den Markt.

Bosideng? Nie gehört? Genausogut könnten Sie sagen, sie würden Boss nicht kennen.
Nur ist Bosideng viel größer als das, was wir sonst unter großen Modemachern verstehen.

Da kommt noch mehr ist sich Dirk Seifert sicher.

Seifert leitet die internationale Forschungsgruppe zum e-Commerce an der Fudan University in Shanghai  und beobachtet, dass sich chinesische Ketten und Marken eben nicht nur für den gigantischen Heimatmarkt mit 538 Millionen Internetnutzern und über 200 Millionen Online-Shoppern interessieren, sondern auch für die westlichen Märkte.

Die Offensive der China-Shops werde dabei deutlich schneller zu sehen sein, so Seifert, als die immer wieder erwartete Attacke der chinesischen Autobauer.

Die Wachstumsriesen entdecken den deutschen Markt

Auch das Amazon des Ostens, 360buy.com, größter Online-Versender für Unterhaltungselektronik und Computer im Land, agiert seit kurzem global und versendet auch nach Deutschland. Internationale Logistikzentren sind geplant.

Und die Chinesen sind Innovations-Junkies. Beispiel Yihaodian, größter E-Commerce-Anbieter in China im Food-Segment, an dem sich gerade Wal-Mart mit 51 Prozent beteiligt hat.
Quer durch China plant die Kette rund 1000 virtuelle Stores auf öffentlichen Plätzen, an denen Kunden per Augmented Reality Teile des Sortiments zum Einkauf per Smartphone angeboten werden sollen.

Und weil der Onlinehändler auch weit über 100 Distributionscenter über das Land verteilt hat, ist Same-Day-Delivery für den Wachstumsgiganten längst Teil des Gesamtkonzepts.

Auch das Unternehmens-Credo ist sympathisch: Kunden wie Eltern behandeln. Die genießen in der chinesischen Gesellschaft das allerhöchste Ansehen. Hierzulande werden Kunden ja gerne einmal eher wie Kinder behandelt. Wie welche, die zu gehorchen haben.
 
Es könnte also sein, dass deutsche Kunden sich gerne von den Chinesen adoptieren lassen.
 


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