Amazon: Prime ist eine kostspielige Investition in die Zukunft

amazon prime
Seit kurzem bin ich Prime-Kunde bei Amazon und das funktioniert ganz wunderbar, wenn Amazon nicht gerade UPS einsetzt. Sowieso würde ich als Prime-Kunde gerne den Versender selbst auswählen können aber sei es drum. Vielleicht gibt es den Dienst ohnehin nicht er mehr lange. Das unkt zumindest Jeff Bailey, Autor beim US-Finanzdienst YCharts.

Denn die Versandkosten nagen kräftig an den Gewinnen.  Da ist auf den ersten Blick was dran. Die Versandkosten stiegen in den ersten drei Quartalen 2011 um 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr- auf 1,5 Milliarden. Die Umsätze nahmen dagegen in den ersten drei Quartalen nur um 44 Prozent zu. Die Tendenz bei den Versandkosten für das Gesamtjahr deutet sogar Richtung 2,5 Milliarden US-Dollar.  Kunden, die für den Versand gezahlt haben, brachten dagegen nur rund 1 Milliarde Dollar in den ersten neun Monaten ein.

Logik des Finanzexperten: "At some point, Amazon will be forced to either raise product prices or raise shipping revenues. And that will disturb the cult".

Und das halte ich für eine mittelschwere Fehlkalkulation.

Amazon war schon seit jeher bereit, für weiteres Wachstum Dellen in der Gewinnentwicklung hinzunehmen.

Zumal Erfahrungen zeigen, dass Prime-Kunden dazu neigen, mehr Geld bei Amazon  auszugeben, als sie es vor einer Prime-Mitgliedschaft getan haben (Private Randnotiz: Stimmt).

Prime-Kunden machen mehr Umsatz

Gut so, in der Logik von Amazon: Das führt erstmal dazu, dass der Wettbewerber geschwächt wird. Im Online-Markt geht es nicht nur um Gewinne, sondern auch um Verdrängung.  

Ich bin deshalb sicher, dass Amazon erkannt hat, welche Wettbewerbsbedeutung Versand und Zustellung im Markt künftig gerade auch angesichts des Vordringens neuer Pure Player und der Multichannel-Lösungen von stationären Händlern haben werden.  

Amazon entdeckt mit Locker die Packstation

Dafür sprechen auch die Versuche von Amazon physisch in die Fußgängerzone vorzudringen. In New York, Seattle und London hat Amazon bereits sogenannte Locker eingerichtet, in die die Ware ausgeliefert wird. Sie sind Packstationen bei der Post vergleichbar. Kunden können ihre Ware dort mit einem Code abholen. Auch das könnte die Attraktivität des Versenders stärken und ein Gegengewicht zu stationären Händlern mit Online-Shops schaffen, die eine Abholung im Markt anbieten.  

 Amazon dürfte Prime daher als langfristiges strategisches Investment sehen, das nicht so schnell aufgegeben wird. Selbst wenn die Kosten erst einmal weiter davonlaufen. Hauptsache, die Kunden tun es nicht.


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Amazon, Prime, Versand, Locker

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 13. Januar 2012 14:26 | Permanent-Link

    Du kannst den Versender beeinflussen, indem du bei DHL Paketstationskunde wirst, denn an solche Stationen kann nur per DHL verschickt werden.

  2. Olaf Kolbrück
    Erstellt 13. Januar 2012 18:05 | Permanent-Link

    Oh, Danke für den Hinweis. Solange es dann nicht NUR an die Paketstation geht, wäre das eine clevere Alternative.

  3. Erstellt 13. Januar 2012 21:34 | Permanent-Link

    Interessant, ich bin auch zum Testen Prime Kunde geworden und habe ganz andere Erfahrungen (zwei von drei Bestellungen haben mich nicht innerhalb der Zeit erreicht). Dann habe ich auch noch den Service via Facebook getestet (mag keine Telefonhotline). Und gleich noch eine dicke Schwachstelle tut sich auf (http://www.futurebiz.de/artikel/service-auf-facebook-oder-die-amazon-totalverweigerung/).

    Ich glaube auch, dass Amazon das Prime Programm als Verdrängungsstrategie pusht, aber die Kosten werden dann nicht nur in den Versandkosten entstehen, sondern parallel auch in der Serviceoptimierung; denn der Prime Kunde entwickelt sofort eine Prime Serviceerwartung und wird als "Frequent Buyer" einen exklusiven Service erwarten. Hier glaube ich müßte Amazon das Prime Programm noch verbessern.

  4. Erstellt 14. Januar 2012 08:24 | Permanent-Link

    Du kannst bei Amazon ja mehrere Adressen hinterlegen. Wenn du allerdings für eine Sendung eine ausgewählt hast, geht es auch nur dahin. Ausnahmen: Sendungen aus dem nicht-EU-Ausland, sofern Zoll/Einfuhrumsatzsteuer fällig wird [die dürfen nicht an Paketstationen gehen], Gefahrgut [auch nicht an P-Stationen], P-Station ist voll [dann geht's zur nächsten Filiale].

    Das mit den Zollsendungen ist dabei besonders komisch, da die Stationen mit eindeutiger Identifizierung und Kartenlesegeräten - derzeit nur die so genannte 'EC-Karte' - ausgestattet sind, um auch Nachnahme an P-Stationen schicken zu lassen. Die DHL-Austräger können nur Bares annehmen ...

  5. Olaf Kolbrück
    Erstellt 14. Januar 2012 08:55 | Permanent-Link

    Lieber Dierk, Danke,ich probier das heute mal aus.

  6. Olaf Kolbrück
    Erstellt 14. Januar 2012 08:57 | Permanent-Link

    Das mt der Prime-Serviceerwartung ist ein wichtiger Aspekt. Als Prime-Nutzer sieht man sich als VIP.
    Gerade auch was de Abwicklung bei Problemen angeht.

  7. Erstellt 16. Januar 2012 07:02 | Permanent-Link

    Aber gerade in der Abwicklung von Problemen ist Amazon doch ungeschlagen. Klar: Der persönliche Kontakt per Telefon ist unerwünscht und wird über die Website auch so gut es geht verhindert - was erstmal keinen guten Eindruck hinterlässt. Aber wenn ein defektes Gerät innerhalb der Garantiezeit eingeschickt wird, habe ich (auch Prime-Kunde) bislang immer binnen einer Woche den Kaufpreis zurückerstattet bekommen. Dieses Wissen ist für mich übrigens auch ein Grund, im Zweifel bei Amazon einzukaufen.

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