Das Lady Gaga-Prinzip für den E-Commerce

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 27. Februar 2012 | 1 Kommentar Kommentieren

Lady GaGa
Es ist vielleicht das heißeste Startup des Jahres: LittleMonsters. Ein Social Network rund um Lady Gaga und ihre Fans. Es dürfte groß werden. Der Pop-Star hat schließlich allein bei Facebook  47 Millionen Fans. Der Projekt-Inkubator, Backplane, gestützt durch Lady Gaga, hat mittlerweile rund 4 Millionen US-Dollar eingesammelt. Mit dabei:  Sequoia Capital, Greylock, Discovery Fund, Founders Fund. Im Frühjahr sollen die kleinen Monster starten. Das mag Facebook und Pinterest kümmern. Vom Vermarktungswunder Lady Gaga können sich indes auch E-Commerce-Anbieter einiges abschauen:

Packaging:

Ein gutes Produkt braucht eine interessante Verpackung. Und sie muss zum Inhalt passen. Die Verpackung muss ein Versprechen sein und den Inhalt gleichzeitig verstärken. Lady Gaga sieht durchaus so aus, als mache sie sich über die Optik ebenso viele Gedanken wie über die Musik. Auch ein Webshop sollte immer mehr sein als nur ein schlichter Katalog. Schon das hinschauen muss Spaß machen.   

Change:

Behalte den Markenkern bei, aber wechsle den Auftritt, um interessant zu bleiben. Seit den Zeiten des Glam-Rock und David Bowie hat sich wohl kaum ein Künstler ständig so oft neu präsentiert wie die New Yorkerin. Und manchmal gleich mehrfach innerhalb eines Events. Wenn Webshop-Betreiber ihre Angebotsseiten nur saisonal wechseln, langweilen sie ihre Kunden. Der Lebenszyklus von Sortiment-Highlights und Präsentationen muss immer kürzer werden. 

Talk of town:

Die älteste PR-Regel überhaupt. Sorge dafür, dass man über dich spricht. In unterschiedlichen Zielgruppen. Lady Gaga gelingt das durch krude Auftritte für die Yellow Press und künstlerische Shootings mit Provokations-Momentum für die Fashionistas. Das Mittel ist dabei völlig gleichgültig. Die Presse schreibt sowieso was sie will. Entscheidend ist, dass es zur Marke passt. Auch im E-Commerce verhilft eine gute Geschichte über den Store, die Macher, die Gründung zu mehr Interesse und erzeugt ein Gefühl von Nähe. Vom Preis erzählen schließlich alle One-Hit-Wonder.

Profil:

Ausgrenzung anderer Gruppen stärkt das Gemeinschaftsgefühl der Markennutzer und wirkt identitätstiftend. Mit provokanten Auftritten und kunterbunten Aussagen aus einem postmodernen Taka-Tuka-Land, grenzt sich Lady Gaga zudem von Mitbewerberinnen ab. Gleichzeitig zeigt Frau Stefani Joanne Angelina Germanotta Respekt gegenüber Künstlern/Marken, die sich in einem ähnlichen Zielgruppen-Milieu bewegen. Das unterstützt die Gruppenbildung und vereinfacht den Markenwechsel. Anders gesagt: Onlineshops müssen sich klarer differenzieren, um im Relevant Set eine Rolle zu spielen. Dann werden sie von den Google-Ergebnissen unabhängiger.  

Stammkunden:

Langfristiger Erfolg ist von einer loyalen Nutzerschaft abhängig. Diese will umsorgt werden. Ständig. Dazu gehört die Klaviatur via TwitterMyspace und Co. Mit persönlich wirkender Kommunikation zeigt Lady Gaga, respektive ihre PR-Abteilung, wie Markenbotschafter betreut werden können. Denn auch im E-Commerce wollen die Kunden Austausch
- untereinander und mit dem Unternehmen. Natürlich wollen nicht alle Kunden mit dem Unternehmen reden, die besonders treuen Kunden aber schon. 

Integration:

Musik, Outfit, Auftritt und Kommunikation bewegen sich auf allen Ebenen in einem stimmigen Gesamtbild. Denken Sie mal daran, wenn sie das nächste Mal einen Blick auf ihren Versandkarton werfen. Liefert der ein klares Markenbild ab, wie beispielsweise der gebrandete Versandkarton bei Douglas oder sieht er aus wie ein x-beliebiger Karton eines Privatverkäufers?

Name:

Der Markenname ist Botschaft: Lady gleich Premium, Gaga gleich durchgeknallt, anders, selbstbewusst. Die Samwer-Brüder haben das begriffen. Zalando klingt dynamisch, Home24 nach einen deutlichen Versprechen.  

Vision:

Lady Gaga hat gleich zwei: Top-Musik produzieren, ein Qualitätsversprechen, und Madonna vom Pop-Thron stoßen. Merke. Wer sich damit genügt Nummer 2 zu sein, landet am Ende nicht mal unter ferner liefen. 

Lerne:

Das Erfolgsprinzip der Marke Lady Gaga ist nicht neu. Vor ein paar Jahren hätte man es noch die Madonna-Strategie genannt. Reagieren Sie also flexibel auf wandelnde Bedürfnisse. Und zwar am besten, bevor der Kunde bemerkt, dass er diese Bedürfnisse hat. Nur dann können Sie schneller sein als der Wettbewerb und haben mit ihren Abverkäufen bereits den Markt befriedigt.  


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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 27. Februar 2012 14:57 | Permanent-Link

    Ein interessanter Artikel! Lady Gaga ist wirklich in allem was sie tut ein Phänomen! Es ist wirklich unglaublich, dass sie es gechafft hat in so kurzer Zeit sich ein so großes Gefolge aufzubauen...das muss man als "Marke" erst einmal schaffen. Diese Markenmacht wir sicherlich durch die eigene Community noch weiter gestärkt...und bei den Massen, die die gute Dame um sich scharen kann, bestimmt ein spürbarer Verlust für facebook, Twitter oder pinterest.

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