Der Denkfehler der Buchmacher

Ein hübsches, sympathisches Video macht gerade die Runde. Es wirbt für reale Bücher. Zum Anfassen eben.

Der Spot zeigt zugleich das falsche Denken der Branche, das auch schon der Musikindustrie den Weg in die Zukunft erschwerte und auch bei den Zeitungsverlagen immer noch kursiert: Die Romantisierung des Haptischen.

Es geht eben nicht um "reale Bücher", was zählt sind gute Storys. Buchverlage sind ja nicht dazu da, Papier zu vertreiben. Die Menschen wollen bei ihnen Geschichten kaufen.

Verlage und der Handel müssen sich also nicht fragen: "Warum sollten wir eBooks machen?", sondern "Warum machen wir nicht eBooks?".

Angesichts des Innovationstempos kann man sich das Abwarten wie noch zu Zeiten der Dotcom-Ära nicht mehr erlauben, die Welle kommt schneller als man denkt und dann machen es die Leute eben selbst.

Und manch einer denkt vielleicht am Ende des Spots: Genau - passt alles auf ein Kindle.


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: E-Book, eBook, Verlage, Buch, Spot

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Andreas Knepper
    Erstellt 12. Januar 2012 16:15 | Permanent-Link

    Zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang ein anderes Video, das mir heute aufgefallen ist: Wolfgang Tischer, Herausgeber des literaturcafe.de, zur E-Book-Situation im Januar 2012

    http://www.youtube.com/watch?v=KrG0N10j2mE

    Auffen Punkt und auch noch ohne ein einziges äh ... ich bewundere sowas immer ;o)

  2. Erstellt 12. Januar 2012 17:01 | Permanent-Link

    Olaf Kohlbrück schreibt: "Es geht eben nicht um “reale Bücher”, was zählt sind gute Story. Buchverlage sind ja nicht dazu da, Papier zu vertreiben. Die Menschen wollen bei ihnen Geschichten kaufen."

    Ich mache jetzt mal den Advokatus Diaboli und frage: Woher wissen Sie eigentlich so genau, was die Menschen bei Verlagen kaufen wollen?

    In dem Zusammenhang möchte ich nur mal auf ein paar kleine Details hinweisen:

    1. Ein Buch eignet sich hervorragend als Geschenk. Man kann eine kleine Widmung reinschreiben (und verhindert so, dass der Beschenkte das Buch einfach weiterverschenkt), das Buch lässt sich einfach verpacken, es ist auch zu verschiedensten Preisen verfügbar, die gut in das Geschenkeraster passen. Wie groß ist der Anteil aller Bücher, die verschenkt werden? Und würde sich einer über einen iTunes-Gutschein ebenso freuen? Und würde ein iTunes-Gutschein, in Geschenkpapier verpackt, ebenso gut wirken wie ein Buch?

    2. In jedem Akademiker-Haushalt gibt es mindestens einen Raum - oft ist es das Wohnzimmer -, in dem sich mindestens ein Bücherregal oder ein Bücherschrank befindet. Der Umfang dieser Privatbücherei ist vielen Menschen Ausweis ihrer eigenen Bildungsbürgerlichkeit. Einen 40-Zoll-Flachbild-Fernseher zu haben, das gilt vielen Menschen als prollig - man antichambriert lieber damit, dass man seinen Fernseher ganz abgeschafft hat. Aber zu sagen, man habe keine Bücher im Haus, das ist eine ganz andere Nummer.

    3. Ein eBook-Reader ist eine große Gleichmacher-Maschine, während ein Print-Produkt in Form, Ausstattung und Größe an den Inhalt angepasst werden kann. Einen Bildband über Architektur der USA in den 40er Jahren auf einem Kindle betrachten? Lächerlich! Zu klein, keine Farben. Einen 300-Seiten-Thriller am Strand auf einem iPad lesen? Ebenso lächerlich! Zu groß, zu teuer, zu schwer, das Display taugt nichts in der prallen Sonne, und man kann das Teil auch nicht einfach so liegen lassen, wenn man baden geht.

    4. Der Vergleich der Musikindustrie mit dem Buchverlagswesen bietet sich in vielerlei Hinsicht an, in vielen anderen Bereichen jedoch nicht. Während der Prozess des Musikkonsums in den letzten 50 Jahren stufenweise an die heute von vielen Menschen präferierte Nutzungsform herangeführt wurde (1963: Einführung der Musikcassette, 1979: Walkman, 1992: Minidisc, Um 2000: MP3-Player Um 2005: Flächendeckende Verbreitung von MP3-fähigen Handys), hat sich an der Rezeption von Büchern in den letzten 50 Jahren wenig geändert - außer dass sie heute online gekauft werden statt im Buchhandel - zumindest von denen, die jünger sind als 60. Auch in den Medien sind Bücher und der Buchhandel als Stütze der Kultur weit präsenter als Musikkonserven.

    Sicherlich wird ein beträchtlicher Teil der Dinge, die heute noch gedruckt werden, in Zukunft elektronisch distribuiert werden. Doch das Buch als kulturelles Icon wird so schnell nicht verschwinden.

  3. Erstellt 12. Januar 2012 18:55 | Permanent-Link

    Ich, äh, auch. Danke für den Tipp. Wirklich ein auch inhaltlich gelungenes Video

  4. Erstellt 12. Januar 2012 19:07 | Permanent-Link

    Ich bin auch ein Freund von Bücher und wünsche ihnen noch eine lange Zukunft. Aber Bücher als Geschenk. Zumal der Markt schon zweimal im Jahr mit Parfum belegt ist und m.W. ausgerechnet "Geschenkbuch" ein Begriff ist, den Buchverlagen immer mit einem säuerlichen Blick aussprechen.

    Tja, bekanntlich verschieben sich die Bedeutungen von Statusymbolen. Vermutlich ist es, zugespitzt gesagt, vielleicht bald Ausdruck von Aufgeklärtheit und Bildung, eine Dropbox-Account zu haben.

    Natürlich hat jedes System seine Vorteile. Ein Bildband auf dem iPad zum Bespiel die Brillanz, die ein Printprodukt kaum erreicht, die Möglichkeiten multimedialer Darstellungen und zusätzlicher Vertiefung. Shakespeares gesammelte Werke kann ich im Kindle problemlos am Strand lesen, Beim Buch reißt da immer die Strandtasche.

    Ja, das Buch überspringt gerade ein paar Evolutionsstufen. Vielleicht ist es deshalb auch so schwer vorstellbar, dass es als kulturelles Symbol abgelöst wird. Gerade auch von denen, die sich wie die Printmedien selbst mit ihren Printprodukten als kulturellen Leuchtturm begreifen. Da steht auch das eigene Selbstverständnis einem Umdenken im Wege.

  5. Erstellt 12. Januar 2012 19:16 | Permanent-Link

    Mir hat hier Katrin Passigs Artikel "Standardsituationen der Technologiekritik" sehr geholfen. Seit ich diesen kenne nehme ich das Veränderungsgejammer, das u.a. in Bezug auf eBooks herrscht, etwas gelassener auf - denn im Grundsatz gibt es diese Abwehrhaltung gegenüber Veränderung schon sehr, sehr lange.

    Den Artikel gibt es übrigens hier:
    http://www.eurozine.com/articles/2009-12-01-passig-de.html

  6. Michael
    Erstellt 13. Januar 2012 15:39 | Permanent-Link

    Verlage leben nicht von gelesenen Büchern sondern von verkauften Büchern.
    Der von Frank angesprochene Besitz-/ bzw. Geschenkaspekt ist sicherlich der größte Hebel, warum das alte Geschäftsmodell bei ebooks so nicht mehr funktionieren wird.

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