Die größte Wette im E-Commerce 2013: Same Day Delivery

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 2. Januar 2013 |

SameDayDelivery Barnes& Noble
Jetzt schnell ein Buch: Barnes& Noble bietet den Express-Dienst in Manhattan.

Wer sich heute im Internet bewegt, hat sich vor allem an eines gewöhnt. Alles passiert in Echtzeit. E-Mails, die einst (wir hatten damals ja nix) Stunden durch die Datenkanäle unterwegs sein konnten, sind in Sekundenbruchteilen beim Empfänger, Nachrichten bei Twitter und Facebook verbreiten sich im Moment des Ereignisses, kaum hat man ein Posting abgesetzt, folgen (vielleicht) die ersten Kommentare und Likes auf dem Fuße. 

Die sofortige Reaktion und Belohnung wird zum Standard. Wir sind verwöhnt.

Und übertragen diese Erwartungshaltung auch auf andere Bereiche. 

"People have become accustomed to this idea of instant gratification, where you just type something on your phone and the next thing you know, you have what you need", sagt Johnny Brackett, Sprecher des Marktplatzes TaskRabbitt,  der hilft, Dinge erledigen zu lassen. Was er damit meint: Unsere Ungeduld überträgt sich auch auf den Lieferservice und macht Same Day Delivery fast schon zu einer zwanghaften Erwartung.

3 Stunden. So schnell will Lodenfrey Bestellungen an seine Kunden in München ausliefern. Möglich macht das eine Kooperation mit dem Kurierdienst Tiramizoo, der mittlerweile in etlichen deutschen Großstädten vertreten ist. Nun dürften die 9,90, die Lodenfrey Kunden dafür abverlangt, bei einem Sortiment, in dem ein Parka schnell mal 990 Euro kosten kann, die Kundschaft nicht weiter schrecken. Was aber ist mit  Thalia, Conrad Electronic, Luxodo, Kaufhof, Hugendubel und Notebooksbilliger.de? Auch sie arbeiten mit dem Kurierdienst zusammen.  Zudem gibt es Gespräche mit dem Apple-Retailer Gravis und dem Elektro-Händler Cyberport.

Rechnet sich das? Deckt das die Kosten? Klappen die Abläufe in der Logistik? Das sollen die Tests zeigen. Denn auch wenn noch niemand weiß, ob die Wette mit der Ungeduld überhaupt einen Gewinner - außer den Kurierdiensten - haben wird, will keiner den Einstieg verpassen.  Es lockt möglicher Mehrumsatz, wenn man den Realtime-Kunden zu seinem Kunden macht.

Kunden würden mehr online einkaufen

Eine Ebay-Studie zur „Zukunft des Handels“ ergab, dass 60 Prozent der Verbraucher noch mehr online und mobil bestellen würden, wenn die Ware noch am selben Tag geliefert würde. US-Studien lassen zudem eine hohe Zahlungsbereitschaft erkennen.

Ebay_now
Es drängt aber auch die Angst vor Amazon und Ebay. Vor Amazon, weil es mit seinem immer engmaschigerem Netz an Logistikzentren in das Reich der Möglichkeiten des Same-DayDelivery vorstösst und in Metropolen hierzulande auch schon einen Express-Service bietet, auch wenn es vor einer großen Offensive noch zögert. 

Vor eBay, weil es bei seinem Testlauf in den USA gleich große Handelsketten mit ins Boot holt. Auch Wal-Mart hat im Weihnachtsgeschäft in fünf Regionen die Schnellzustellung getestet. Profitabel ist das alles nicht.

Aber auch das Vorbild Zalando zwingt zum Handeln. Hatte der Modeversender mit seinem fast schon selbstmörderischen Angebot des kostenlosen Versands und kostenloser Retouren nicht die Erwartungshaltung der Kunden geradezu verhätschelt und damit zugleich das eigene Wachstum befeuert? Was, wenn ein Player nun Same-Day-Delivery zum USP hochstilisiert?

Disruptive Technologien und neue Player

Tiramizoo logistik
Logistikdienstleister wie Tiramizoo verändern die Nahverkehrsdiposition grundlegend

Dahinter steckt auch die Befürchtung, dass ein Player einen intelligenten und skalierbaren Weg findet, disruptive Technologien für diesen Zweck einzusetzen. Schon jetzt zeigt ja das Interesse an Diensten wie Tiramizoo, an dem sich auch Daimler beteiligt hat, Wege mittels webbasierter Softwarelösungen auf, die althergebrachten Logistik-Konzepte wie Sendungen mit der Postkutsche erscheinen lässt.

Was also, wenn der kommende Player das Pferd als Logistiker komplett von hinten aufzäumt und zur Same-Day-Delivery-Plattform wird?  Der Logistiker als Händler? So unwahrscheinlich ist das nicht. 

90% hält Deutsche Post DHL inzwischen am Online-Lebensmittelhändler Allyouneed. Seit  Herbst 2010 betreibt der Konzern zudem das Online-Shoppingportal Meinpaket.de, ein Gemischtwarenladen mit über 5 Mio. Artikeln und 900.000 Kunden.

Und Zalando? "Same Day Delivery ist für uns ein spannender Markttrend, den wir genau beobachten," sagt David Schröder, Geschäftsführer der MyBrands Zalando eLogistics, WirtschaftsWoche Online.  Man warte ab, ob und wann die Zeit dafür reif sei.

Das ließe sich testen. Beispielsweise mit einer Promotion-Aktion, die ab einem Mindestbestellwert oder bestimmten VIP-Kunden in einem begrenzten Zeitraum Same-Day-Delivery kostenlos anbietet.  Wir werden das 2013 sehen. Wetten?

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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Logistik, Same-Day-Delivery

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