E-Commerce-Trends 2013: Was uns erwartet, was wichtig wird und was warten kann

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 21. Dezember 2012 | 2 Kommentare Kommentieren

602109_web_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.de
Glaskugel für 2013 (© Gerd Altmann / pixelio.de)

Mit einem blauen Auge davon gekommen. Der Weltuntergang ist vertagt. Eine guter Tag, sich mit den wichtigsten Trends im E-Commerce für 2013 zu beschäftigen.

Welche Themen werden im Fokus stehen und welche Trends werden sich eher langsam entwickeln.

etailment wagt einen Ausblick.

Mobile Commerce: Wer Mobile Commerce für 2013 weiter unter ferner liegen verbucht, glaubt auch noch, dass das Internet sich nicht durchsetzen wird. Zalando macht bereits jeden zehnten Euro mobil, eBay setzt voll auf die mobile Welt. Klar ist aber auch: Mobile Commerce ist vor allem eine Sache der Nutzungssituation. Es geht nicht um den Einkauf in der S-Bahn, sondern um den Couch-Commerce, weil iPad und Smartphone griffbereit liegen, während die Glotze läuft. Und weil wir damit mit Tempo Richtung Post-PC-Ära unterwegs sind, werden 2013 mehr Start-ups auf  "Mobile only" setzen. 

Emotionales Shopping: Usability und intuitive Nutzerführung wird 2013 zur Basisleistung. Wer Kunden weiter über Umwege zum Checkout führt oder ihn zu bestimmten Einkaufswegen erziehen will, weil das die eigenen Prozesse verlangen,  wird merken, dass Insolvenzverfahren noch unbequemer sind als Umdenken. Doch jenseits der Optionen für einen nüchternen One-Click-Checkout werden jene Shops ihre Kunden binden, die den Online-Einkauf mit Emotionen und Erlebnissen verbinden können. Im E-Commerce wiederholt sich in Windeseile die Entwicklung der stationären Welt: Upgrading. Je mehr Lifestyle, Ambiete und Socializing desto besser. Aber Vorsicht: Es geht dabei nicht um Featureitis. Beim emotionalen Shopping können selbst kleine Händler mit tollen Fotos und perfekter Information (Mehr Content bitte) punkten. Auch in Sachen Social Commerce. Der lässt sich auch gut über eigene Webangebote lancieren. Die großen Vertriebserwartungen an Facebook-Commerce dampfen Unternehmen erst einmal ein und verbuchen das vorerst im Marketing-Budget.

Mehr Macht den Marken: Mehr Erlebniswelt werden schon die Marken fordern. Sie wissen um ihre Bedeutung als Aushängeschild für den Onlinehandel und werden sich nicht mehr mit nackten digitalen Regalen zufrieden geben. Adidas und Co, die eBay die rote Karte zeigen, sind erst der Anfang. Marken werden zunehmend auf eine markengerechte Präsentation pochen - oder sich dem Online-Händler verweigern. 

Konsolidierung: Das Geld sitzt bei den Kunden nicht mehr so locker. Auch nicht bei den Venture Capitals, denn die schauen zunehmend in Bereiche wie Mobile und Software as a Service und weniger auf den E-Commerce. Etliche Start-ups der jüngsten Generation werden also ausbluten, weil kein frisches Geld hereinkommt oder die Prozessketten zu teuer sind. Denn auch das wird im Jahr der Konsolidierung immer wichtiger: Kostenführerschaft.

Mehr Nische: Werden sich Shopping-Clubs durchsetzen, Abo-Commerce, Shopping-Partys, Curated Shopping? Ja, wenn es ihnen gelingt, eine attraktive Produktnische zu besetzen und eine klare Zielgruppe anzusprechen. Vielen aber wird, siehe Konsolidierung, die Luft ausgehen, weil ihre Modell als Stand-Alone-Lösung nicht überlebensfähig sind. Wohl dem, der dann bei einem starken Partner als Beiboot unterschlüpfen kann.

Mehr Preiskampf: Toll, immer mehr Menschen kaufen im Internet ein. Für Massenmarkt-Anbieter und die KIKs dieser Welt wird also der Absatzmarkt größer. Doch damit kaufen auch immer mehr Menschen im Web ein, die weniger kaufkräftig sind und noch genauer auf den Cent achten. Das drückt insgesamt auf die Preise - und die Marge.

Big Data: Das Wissen um den Kunden wird immer wichtiger. Er muss immer zielgenauer angesprochen werden. Wer das Datenmanagement beherrscht, wird einen klaren Wettbewerbsvorteil haben.  Gute Daten heißt aber auch, mehr A/B-Testing. Gerade wenn es um Usability und Emotionen geht, hilft nicht allein das Bauchgefühl.

Mobile Payment: Wird es gehen wie einst dem Mobile Commerce. Da hören wir noch ein paar Jahre lang, dass es immer wichtiger werden wird. Grund: Der stationäre Handel ist mit seinen Kassensystemen nicht so schnell wie der Rest der Welt. Man muss sich das so vorstellen: Der Sattel zum Reiten ist da, aber das Pferd muss erst eingeritten werden.

Augmented Reality: Virtuelle Umkleideräume an Bahnhöfen, 3D-Looks am PC, QR-Code-Wände als Shopping-Regal.  Das wird den Handel verändern, ganz klar. Aber 2013 wird das noch ein vielversprechendes Pflänzchen sein und manch ein Sahnehäubchen beim emotionalen Online-Shopping. 

Same-Day-Delivery:  Tests gibt es derzeit auf breiter Front. So kooperiert der Kurierdienst Tiramizoo inzwischen mit Thalia, Lodenfrey, Cyberport. Kaufhof, Hugendubel, Notebooksbilliger.de und Luxodo. Weitere werden folgen. Doch auch 2013 bliebt die Eil-Lieferung noch eine Spielwiese und ein Marketing-Tool in Premium-Segmenten mit dem man Servicebereitschaft und Innovationskraft demonstriert.

Multichannel: Darfs ein bisschen mehr sein? Ja. Aber mit einem nationalen Roll-out von Zalando-Filialen sollte niemand rechnen. Für Pure Player wird der eigene Store in ausgesuchten Metropolen allerdings zu einem wichtigen Marketinginstrument. Markenerlebnis schaffen, Vertrauen aufbauen. Zu wirklich omnipotenten Händlern werden sie damit noch lange nicht. Massive Investitionen in Beton würden das Wachstum bremsen.  Und der stationäre Händler? Er kommt am Webshop und Click& Collect nicht vorbei. Eine Umsatzstütze wird das für die wenigsten Anbieter sein. Eher ein Serviceelement. Es sei denn, die Händler lösen sich von der Filial-Fixierung und bieten Collect-Optionen auch dort, wo der Kunde ist: Bahnhöfe, Fußgängerzonen. Aber das ist weitestgehend Zukunftsmusik. 

Zugang zählt: Der Kunden macht zwischen Online- und realem Shopping immer weniger Unterschiede. Er will schnell und bequem einkaufen. Immer und überall und jederzeit. Ihn interessiert die Ware und nicht der Absatzkanal. Und: Ihn interessiert noch nicht einmal so sehr der Besitz, sondern der Zugang zu Produkten, die er gerade benötigt. Musikdienste wie Spotify mit ihrem Zugang zu Millionen Song auf Mietbasis CDs überflüssig.  Schon morgen gilt das auch für Autos, Bohrmaschinen und Abendkleider.

Und falls Sie noch mehr Zeit haben: Die frühere Morgan-Stanley-Analystin Mary Meeker von Kleiner Perkins Caufield & Byers hat eine sehenswerte Präsentation zu den Internet Trends aufbereitet, untermauert mit Zahlen, Daten, Fakten.

Etailment.de gibt es auch bei Facebook, Twitter und Google+. Oder abonnieren Sie den Newsletter

Sie wollen mit uns werben? Unsere Mediadaten.


Kindle Kindle
Drucken Artikel versenden

Thema: E-Commerce

Schlagworte: Trends

Alibaba:
Rund 25 Mrd. Dollar spülte der größte Börsengang der Geschichte vorige Woche in die Kassen des chine ...
Topartikel
Digitale Szenarien für den stationären Handel
Früher nannte man es vielleicht Rundum-Sorglos-Paket. In Zeiten der digitalen Transformation heißt d ...
IPO-Wahnsinn Zalando und Rocket Internet?
Rocket Internet - 6,2 Milliarden Euro wert. Zalando - bis zu 5,6 Milliarden Euro wert. Vor dem Börse ...
E-Food und der Content: Mal karge Euro-Palette, mal reizvolle Rezept-Welten
Was erwarten Kunden in Lebensmittel-Onlineshops? Gute Preise und viele Produkte. Natürlich. Aber auc ...
Handel der Zukunft: Wer ist noch zu retten?
„Wer jetzt Schwierigkeiten hat, den werden wir in zehn Jahren nicht mehr sehen“. Eine mutige Prognos ...
Der E-Food-Kunde ist faul, kritisch und ein bisschen geizig - aber ein lohnendes Ziel
Der “typische” deutsche Kunde im Lebensmittel- Onlinehandel hat als Stadtmensch den Supermarkt fast ...

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 22. Dezember 2012 15:29 | Permanent-Link

    Ein Megatrend der nächsten Jahre wird das Thema Loyalty werden. Bei einer immer stärker stagnierenden Neukundenquote bei gleichzeitig wirkendem demographischen Wandel wird entscheidend sein, wer seine Neukunden halten kann und zu treuen Bestandskunden macht. Wie in der ACTA 2012 klar zu sehen ist, wächst das Segment der Online Vielbesteller am stärksten. Da Bestandskunden einen bis zu 7 mal höheren RPV haben als Neukunden (und diese gleichzeitig immer weniger und daher teurer werden) sollte das Thema Loyalty in Verbindung mit Big Data unbedingt auf die Agenda der Zukunft...

  2. Erstellt 12. Januar 2013 21:10 | Permanent-Link

    In dem Bericht fehlt ganz klar das Thema Repricing im Multi Channel Handel.
    Passend auch beim Thema Preiskampf.

    Was wäre wenn es ein Repricing-Tool gibt das nicht einzelne Mitbewerber sondern gesamte Marktplätze/Vertriebskanäle automatisch im Blick hat und die eigenen Preise automatisch an die der Mitbewerber anpasst?

stats