Gourmondo-Chef Pascal Zier: "Ein Markteintritt von Tesco ist vorstellbar"

Von Klaus Janke | 11. Juli 2012 | 3 Kommentare Kommentieren

pascal Zier
Gourmondo-Geschäftsführer Pascal Zier

Lebensmittel gehören zu den schwierigsten Themen im Onlinehandel. Dennoch könnte hier ein gigantisches Betätigungsfeld für den E-Commerce entstehen, wenn diverse Herausforderungen gemeistert werden. Fest steht: Der E-Food-Markt ist zuletzt deutlich in Bewegung gekommen. etailment sprach mit Pascal Zier, Geschäftsführer des Pionierunternehmens Gourmondo, über die Perspektiven des Unternehmens und die Herausforderungen im Markt.

Herr Zier, Gourmondo feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag. Werden Sie sich beschenken, indem Sie wie geplant 2012 erstmals Gewinn machen?

Schwarze Zahlen planen wir für das kommende Jahr – und wir sind dabei auf einem sehr guten Weg.

Wie viel Umsatz wird Gourmondo 2012 machen?

Wir verzeichnen eine sehr erfreuliche Entwicklung und rechnen mit rund 10 Millionen Euro.

Gourmondo ist damit nach eigenen Angaben der größte Online-Food-Händler, wenn man vom klassischen Lebensmittelhandel und großen E-Commerce-Allroundern wie Amazon absieht. Was ist der Grund für den Erfolg?

Anfangs konnten wir auf dem Markt erfolgreich Fuß fassen, indem wir internationale Produkte anboten, die anderweitig nicht erhältlich waren. Heute bieten wir unseren Kunden vor allem ein breit gefächertes, von unseren Gourmet-Scouts vorausgewähltes Sortiment an erlesenen Lebensmitteln, Weinen und Getränken, gepaart mit einem erstklassigen Lieferservice.  Mitunter leiden wir und gute Marktbegleiter unter schlechtem Wettbewerb. Oft greifen Medien beim Thema E-Food Horrorgeschichten von ungekühltem Hackfleischversand oder schimmeliger Wurst auf und berichten überhaupt nicht über die entscheidenden Vorteile der qualifizierten Anbieter. Wir liefern über 6000 Produkte bei einer Bestellung bis 16 Uhr bereits am nächsten Tag aus – das ist in unserem Sortimentsbereich einmalig.

Es wurde zwischenzeitlich sehr ruhig um das Thema E-Food. Haben Sie jemals am Geschäftsmodell von Gourmondo gezweifelt?

Nein. Ich bin zwar erst seit 2008 an Bord, kann in diesem Punkt aber auch für meine Kollegen sprechen. Unser stetig wachsender Kundenstamm, unsere positive Geschäftsentwicklung und die Tatsache, dass viele Anbieter in diesem Segment jetzt nachziehen, sprechen für das Konzept.

Mittlerweile ist E-Food wieder stark im Gespräch. Wirkt sich das bei Gourmondo positiv aus?

Jegliche Berichterstattung bringt das Thema nach vorne. Viele neue Kunden teilen uns begeistert mit, dass sie gar nicht wussten, dass man Lebensmittel zuverlässig online bestellen kann. Ich rechne mit weiteren Wachstumsschüben für die gesamte Branche, wenn noch mehr Aufmerksamkeit erzeugt wird. Leider haben einzelne Presseberichte nach wie vor einen ausschließlich negativen Tenor. Es sollte aber vielmehr gezeigt werden, was schon alles möglich ist. Hier könnte es helfen, wenn ein großer Anbieter den Vorreiter spielt. 

Defizite gibt es vor allem noch beim Thema Frischeartikel, Salat, Gemüse. Muss E-Food das können, wenn es sich durchsetzen will?

Nicht zwangsläufig. Das ist ein Thema, das für Vollsortimenter wichtig ist, aber letztlich auch nicht entscheidend. Für spezialisierte Anbieter ist es kein Muss, aber natürlich ein Plus.

Woran hapert's bei E-Food noch, von der fehlenden Bekanntheit abgesehen?

Vor allem an der Zustelllogistik. Die Kunden wollen Ihre Waren nicht in großen Kartons geliefert bekommen. Deshalb testen wir in Köln zurzeit die Lieferung am selben Tag, die gänzlich auf unnötiges Verpackungsmaterial verzichtet. Der Fahrer liefert die Waren in kompostierbaren Papiertüten, die er auf Wunsch geleert wieder mitnimmt. Damit kommen wir einen großen Schritt weiter.

Die Kunden im Internet sind preissensibel, Sie müssen knapp kalkulieren. Arbeitet man mit Feinkost schneller profitabel als im Vollsortiment?

Im Feinkostbereich haben wir einen durchschnittlichen Warenkorbwert von 65 Euro, was profitabel ist. Bei alltäglichen Supermarktartikeln errechnen wir den Break-Even bei etwa 100 Euro.

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Können Sie sich dennoch einen weiteren Ausbau in Richtung Vollsortiment vorstellen?

Vorstellbar ist alles. Da wir uns mit Gourmondo aber dediziert im Feinkost-Bereich positionieren, würde das dann unter einer anderen Marke als Gourmondo passieren.

Sie haben im Mai ein Bonussystem eingeführt. Mit welchem Erfolg?

Das kommt sehr gut an. 90 Prozent unserer Kunden haben sich bereits angemeldet und sammeln mit jedem Kauf wertvolle Bonuspunkte.

Eine immer größere Rolle spielt im E-Commerce die mobile Bestellung. Wie viel Prozent der Bestellungen kommen bei Ihnen über Smartphones, iPads und so weiter?

Rund 8 Prozent werktags, am Wochenende bis zu 15 Prozent. Neben unserer mobilen Website werden wir in einigen Wochen eine neue mobile App launchen.

Ein Ausblick auf den Markt: Wer wird langfristig das Rennen machen: die klassischen Lebensmittelhändler oder E-Commerce-Player wie Amazon?

Die klassischen Anbieter haben noch große Chancen. Wenn sie nicht aufpassen, könnte ihnen jedoch bald die internationale Konkurrenz die Stellung streitig machen. Ich kann mir durchaus den Markteintritt eines Tesco oder Ocado vorstellen. Beide Anbieter haben enorme Erfahrung im Online-Lebensmittelvertrieb und auch das benötigte Logistik-Knowhow.

Sie kooperieren mit Tegut beim Onlineshop Tegut-genusswelt.com. Können Sie sich weitere Kooperationen vorstellen?

Natürlich. Wir können sowohl – wie bei Tegut – den gesamten Shopbetrieb inklusive Logistik, Kundenservice und Marketing übernehmen, wahlweise aber auch einzelne Aspekte wie den ausschließlichen Shopbetrieb oder nur die Versandlogistik. Da sind wir offen für Vorschläge und Anfragen.

Sind Sie auch offen für ein Übernahmeangebot?

Nun ja, generell prüfen wir natürlich gerne interessante Kooperationsmöglichkeiten und strategische Perspektiven. Gleichwohl sind wir gut aufgestellt und nicht auf der Suche nach einem potenziellen Käufer.


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Gourmondo

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. BertraM
    Erstellt 19. Juli 2012 00:35 | Permanent-Link

    10 Jahre im Business und keine schwarzen Zahlen, was für eine Lachnummer ist das denn?

  2. Peter Pan
    Erstellt 20. Juli 2012 23:05 | Permanent-Link

    Was sind denn das fuer Investoren, die 10 Jahre einen super defizitaeren Laden finanzieren, der vielleicht in diesem Jahr die 10 Mio. Umsatz knackt. Naja, Herr Zier ist ja auch "erst" seit 2008 dabei:-)

  3. Mk100
    Erstellt 21. Juli 2012 00:04 | Permanent-Link

    Schwarze Zahlen in 2013 bei einem Umsatz von 15 Mio. Eur. Was ist das denn fuer ein Clown. Gourmondo hatte in 2010 bei einem Umsatz von etwas ueber 5 mio. eur einen jahresfehlbetrag von 3 mio. eur. Und solche Rechenkuenstler fuehren ein Unternehmen.

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