Groupon: Licht und Schatten

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 7. Januar 2012 |

#BL#Hoch gehandelt, dann von einigen schon abgeschrieben, trotzdem lebendig – das Gutschein-Portal Groupon dürfte weiter auf einer Berg- und Talbahn bleiben. Lag der Börsenkurs zum Start bei 20 Dollar, schnellt er dann auf 35 Dollar, sackte bald darauf mächtig ab und liegt nun bei knapp 19 Dollar. Die „faire Bewertung“ liegt nach Einschätzung von Analysten bei 18 bis 20 Dollar. Aber es gibt weitere Wolken am Horizont.

Händler, die positive Erfahrungen mit Gutscheinportalen wie Groupon gemacht haben, kommen einer neueren Studien zufolge trotzdem nicht zurück. Für das weitere Wachstum sind das schlechte Aussichten. Denn Umsatz muss dann vor allem mit der ständigen Akquise neuer Teilnehmer erkauft werden. Das begrenzt die Aussichten auf stabile Erträge. Die Susquehanna Financial Group und der Deal-Anbieter Yipit haben in einer Studie die Erfahrungen von 400 Händlern mit Diensten wie Groupon und LivingSocial untersucht. 8 von 10 Händlern waren mit den Erfahrungen zufrieden, zitiert die "Ecommerce Times" aus der Studie.

Das klingt erst einmal gut. 52 Prozent sagen aber auch, weitere Deals wollten sie in den kommenden sechs Monaten über die Plattformen nicht mehr anbieten. 24 Prozent wollen lediglich eine weitere Gutscheinaktion im kommenden Halbjahr durchführen.

Positive Grundstimmung, aber geringe Frequenz

Das muss, und das belegt ja auch die Grundstimmung, nicht einmal an der Plattform liegen. Aus Sicht der Händler könnten ständige Rabattaktionen zu viele Schnäppchenjäger anlocken, auf Dauer eine Rabattgewöhnung auslösen und klassische Stammkunden verärgern. Obendrein zwingen häufige Preisaktionen den Händlern auch eine intensivere Bevorratung auf. All das kann die Erlöse schmälern. Für Anbieter wie Groupon ist das jedoch ein Problem, weil es die Zweifel aufrecht erhält, das Geschäftsmodell könne langfristig profitabel werden.

Weitere Branchen müssen erreicht werden

Dagegen spricht, dass Groupon und Co noch längst nicht alle Handels- und Dienstleistungsbereiche abdecken. Je mehr Konsumenten Groupon aber in den unterschiedlichsten Bereichen ansprechen, desto leichter ist eine niedrige Teilnahmefrequenz einzelner Händler oder gar ganzer Branchen verkraftbar. Umso mehr als das Modell schließlich in jedem Konsumbereich einsetzbar ist. Die Schnäppchenjäger gibt es überall. Groupon dürfte zudem weitere Entwicklungen vorbereiten.

Darauf deutet der Kauf des Social-Startups Campfire Labs hin. Campfire bietet eine Instant-Messenger-Lösung und Web-basierte Collaboration-Tools für Gruppen an. Die genauen Pläne sind noch unklar. Pech aber: Groupon war auch an Clever Sense interessiert, das mit “Alfred ” unter anderem eine Suchanwendung für Restaurants herstellt. Die Anwendung für iPhone und Android liefert auf Basis der Vorlieben weitere Empfehlungen. Der Suchmaschinenriese Google übernahm indes die Softwareschmiede. Auch beim Kauf des mobile Location-Dienstes Gowalla zog Groupon wohl den kürzeren. Den Dienst kaufte nun Facebook.


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Groupon, Couponing

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