Hiroshi Mikitani: Charmeoffensive für Rakuten

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 8. November 2012 |

rakuten mikitani
Hiroshi Mikitani, CEO des japanischen Internet-Riesen Rakuten, hat gute Laune, als er zum Gespräch am Frankfurter Flughafen eintrifft. Gerade hat er bei einem Händlertreffen am Airport zusammen mit Deutschland-Chefin Beate Rank die Händler für die Neuerungen  auf der Plattform umworben.

Unmut hatte es im Vorfeld gegeben. Rakuten Connect – das verbindende Element zwischen Marktplatz und Rakuten Shops,  hatte bei manch einem Händler mehr als Fragezeichen ausgelöst.

Der Besuch des Rakuten-Gründers ist deshalb auch eine Charmeoffensive. Die hatte wohl Erfolg. Die Bedenken habe man ausräumen können, sagt Hiroshi Mikitani im Gespräch mit etailment und sprüht vor Optimismus. 

Alles Rakuten Shops sind ab 2013 miteinander verbunden - optisch und vor allem funktional. Eine Funktionsleiste auf der Website zeigt dem Nutzer, dass er sich in einem Rakuten-Shop befindet. Dazu kommen Shop-übergreifende Suche, Shop-übergreifenden Warenkorb. Die rund 7000 Händler können nun leichter direkt auf der Plattform gefunden werden, Kunden können mittels der zentralen Suche schneller nach dem Hoseneinkauf  bei Rakuten noch nach Socken auf der Plattform suchen und müssen nicht mehr zu Google wechseln.

beate rank rakuten
Die Furcht einiger Händler aber: Man könnte Umsatz an Wettbewerber auf der Plattform verlieren, lediglich Rakuten werde gestärkt, nicht aber der einzelne Shop. 

Die ersten Erfahrungen von Top-Händler während der Beta-Phase aber, die Mikitani und Rank in Frankfurt präsentieren konnten, waren gut. Der neue Komfort verbesserte die Konversionraten. So etwas überzeugt. Der Aufklärungsbedarf ist trotzdem groß. Das hauseigene Magazin Rakuten Dream kennt denn auch quasi nur ein Thema 

Änderungen brauchten eben Zeit, sagt  Mikitani höflich, will den Wandel so sanft wie möglich gestalten. Zeichen dafür: Der für Bestellungen zunächst geplante notwendige Kunden-Login bei Rakuten entfällt.   Das Ziel aber bleibt. "Der Kunde soll sich möglichst lange im Rakuten Netzwerk aufhalten. So profitieren Kunden und Händler von Rakuten Connect", sagt Beate Rank. 

bonuspunkt rakuten
Bonuspunkt bei Rakuten

In Japan liegt Rakuten mit einem  Marktanteil von 29 Prozent  auf Platz Eins. In diesem Jahr hat Rakuten global 3,8 Milliarden Dollar verdient, liegt deutlich im Plus, ist aber noch weit vom erklärten Ziel entfernt, Amazon einzuholen.

Ein schmunzelnder Mikitani verweist auch hier darauf, dass man Zeit habe. Außerdem geht es ihm im Grunde nicht um Zahlen. Vielmehr wolle man schlicht bessere Lösungen bieten als Amazon. 

Das gilt auch für den deutschen Markt. Das “Ökosystem” des japanischen Internetgiganten aus E-Commerce, Reisen, Finanzdienstleistungen, Internetdienstleistungen, Kreditkarten, Portale und Medien, Online Marketing wolle man natürlich gerne nach Deutschland holen, sagt Beate Rank. Aber auch da soll der Umbau langsam voran gehen. Zumal einige Projekte wie bespielsweise eine eigene Kreditkarte eher einen langen Marsch durch die Instanzen verlangen.

In Deutschland gibt es immerhin schon die Superpunkte. In Japan sind sie ein wichtiger  Kundenmagnet. Die Bonuspunkte können Kunden bei Einkauf auf Rakuten einlösen.

Das Ziel aber ist klar: Eine umfassende Lösung will Rakuten, hierzulande einst die E-Commerce-Plattform Tradoria, sein. Nicht nur ein E-Commerce-Anbieter. Teil der Strategie: der e-Book Reader Kobo. Im November 2011 hatten die Japaner den kanadischen E-Book-Spezialisten Kobo übernommen. Inzwischen gibt es den Reader unter anderem auch bei Media-Markt. 

Für Mikitani ein weiterer Puzzlestein, um Kunden an die Rakuten-Welt heranzuführen. Dabei setzt er auf Partnerschaft. Anders als Amazon teilt Rakuten die Endkundenkontakte via Kobo mit Partnerfirmen. Die bessere Lösung, findet Mikitani, weil kleine und große Händler davon profitieren können.

Und das Investment bei Pinterest? Sicher wolle man demnächst als E-Commerce-Plattform nicht so aussehen wie Pinterest, erklärt Mikitani. Aber man wolle lernen. Das Kundenverhalten besser verstehen und Pinterest-Optionen besser integrieren. Einen Pin-it-Button hat man ja schon.

Mehr zu Rakuten:

Rakuten-Chefin Beate Rank: Onlineshopping ist Entertainment

Rakuten: Kann der Gigant aus Japan zum Amazon-Killer werden?

Pinterest: Warum sich Rakuten bei der Pinnwand einkauft

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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Rakuten, Kobo

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