"Ich will da rein": 9 Medien-Tipps für Start-ups und alle anderen

Die Weltidee - sie nutzt wenig, wenn sie nicht gehört wird. Mediale Aufmerksamkeit ist gefragt. Von etablierten Unternehmen ebenso wie von Start-ups.  Doch wenn die PR-Trommel angeworfen wird, sind Journalisten manchmal taub, manchmal blind, zuweilen beides und je nach Sichtweise schlicht ignorant. Zuweilen verpufft die PR auch im täglichen Betriebslärm. Laut Schreien hilft da wenig, oft schreien selten, wild winken kaum. Doch im Wettbewerb um Aufmerksamkeit kann man mit ein paar simplen Regeln auch als kleines Start-up ganz groß heraus kommen.

Betreff, Baby!

Wenn die Betreffzeile im Mailing für Kunden so schlecht ist, wie bei der Presseaussendung an Journalisten, dann dürften 73,3 Prozent (geschätzt) der  Start-ups kaum die ersten 100 Tage überstehen.  Hinweise im Betreff wie "Pressemitteilung:" kosten den Redakteur im Zeitstress bereits 1,3 Sekunden und sind überflüssig. Was soll er denn sonst bekommen außer vielleicht noch Spam?  Die Lesetauglichkeit erhöht sich auch nicht, wenn man auf Verben verzichtet und nur Keywords nutzt. Ein Redakteur ist doch keine Suchmaschine. Reizworte dagegen sind gut, aber bitte kein Adjektiv-Durchfall. 

Revolutionär ist alles!

Heißer Shice, innovativ, revolutionär - schöne Superlative sollen beim Journalisten Pawlowsche Reflexe auslösen. Der reagiert aber eher mit Fluchtinstinkt aka Löschtaste.  Formulieren Sie stattdessen knapp, klar, prägnant. Und in kurzen Sätzen. Der Journalist ist selten schlauer als seine Leser, nur manchmal intelligenter als ihre Kunden -  und denen erklären Sie das Start-up ja auch nicht im Thomas-Mann-Duktus. Fragen Sie sich: wie kann ich meine Botschaften in eine oder mehrere Schlagzeilen pressen. Und Ihre Adjektive? Die brauchen Sie dann gar nicht. Capslock benötigen Sie übrigens dabei auch nicht. ECHT NICHT! Adjektive und CAPSLOCK können Sie dann für die Kunden verwenden. 

Kurz geht nicht?

So einfach ist das nicht? Ihr Geschäftsmodell will erklärt werden? Das geht nicht mit wenigen Sätzen oder gar Worten? Sie müssen dafür etwas weiter ausholen? Womöglich am Telefon? Denken Sie nochmal über das Geschäftsmodell nach. 

Störe ich Sie grade?

Einer der Lieblingseinstiegssätze bei PR-Anrufen. Antwort: Natürlich nicht. Der durchschnittliche Journalist liest den halben Tag Zeitung, die andere Hälfte ist er bei Starbucks, dazwischen wartet er auf Anrufe.  Wählen Sie für den Erstkontakt also eher die E-Mail (Ausnahmen bestätigten die Regel) und vermeiden Sie Nachfassanrufe, ob die Mail angekommen, brauchbar, schon veröffentlicht ist oder ob man weitere Infos benötigt.   Erstens kommen Mails heute meistens an, es sei denn sie verschicken Sie mit Compuserve von ihrem C64, zweitens erscheint sie, wenn sie brauchbar ist, drittens gibt es Clipping-Dienste und Google und viertens meldet sich der Journalist, wenn er weitere Inhalte und Hintergründe benötigt.  Denn auch, wenn es von außen nicht so erscheint, Journalisten haben selbstständiges, aktives Handeln gelernt. Also die mir namentlich bekannten jedenfalls.

Belohnen Sie Faulheit!

Sie haben also ein Start-up mit einer cleveren Idee, eine Pressemitteilung mit einer klaren Kernbotschaft und trotzdem hängen Sie noch in der Warteschleife? Kein Wunder, denn Journalisten sind auch nur Menschen, die gerne den Weg des geringsten Widerstands gehen und der führt oftmals über die gut aubereitete Anlagen in der E-Mail. Schließlich sind Journalisten ständig in Zeitnot. Vor lauter rumprokrastinieren bei Facebook kommt man ja zu nix.  Will heißen: Falls es Ihnen schon aufgefallen ist, nutzen heute nahezu alle  Medien Fotos und Videos. Schicken Sie diese also doch gleich mit. Das spart Zeit. Und nicht nur das Logo auf das Sie so stolz sind oder das Bild des CEO, der unbedingt ins Medium will, sondern Produktfotos und Screenshots. Falls Sie  Angst vor Firewalls haben, bieten Sie einen Download-Link an. Man nennt das Service. Machen Sie ihre Presseinfo so nutzerfreundlich wie ihre Website. Okay,  machen Sie ihre Presseinfos nutzerfreundlicher als ihre Website. 

Reden Sie nicht nur über sich!

Der Verzicht auf die Adjektive ist Ihnen schon schwer gefallen? Dann geht Ihnen dieses Punkt womöglich ebenfalls nicht leicht von der Hand: Bereiten Sie zusätzliche Informationen zum Markt, zum Wettbewerbsumfeld, zur Branche auf. Zahlen, Daten, Fakten  oder verweisen Sie auf andere Quellen zum Thema und helfen so mit Kontext weiter.  

Exklusiv! Exklusiv!

Mittlerweile der beste Filter, um eine Nachricht als irrelevant und langweilig  zu erkennen, so inflationär sind mittlerweile die Exklusivangebote, der großen Schwester von Vorab-Meldungen. Beides hat seine Berechtigung. Aber der durchschnittlich überarbeitete Journalist weiß genau, ob Sie damit nur einen Sack Reis zum Containerschiff aufhübschen wollen.  Tunen Sie also ihren kleine Dampfer nicht unnötig auf. Sonst wird er zusammen mit dem Sack Reis versenkt.  

No News?

Der richtige Kracher ist Ihre Nachricht nicht? Dann denken Sie in Themenwelt - für den Journalisten.  Denken Sie in Geschichten und betten Sie das Unternehmen in diesen Kontext ein. 

Human Touch!

Nein, dabei geht es nicht um das Bier mit dem Journalisten an der Bar. Es geht um die Geschichte zum Unternehmen. Journalisten, und erst Recht deren Leser, mögen Geschichten. Gründerstorys, "Legenden" zur Unternehmensentstehung. Binden Sie also einen Kranz um die Nachricht. Aber nicht aus Adjektiven. 


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Start-up, PR

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 14. August 2012 15:38 | Permanent-Link

    Danke für die wertvollen Hinweise. Ich bin auf beiden Seiten tätigund erlebe als Redakteur immer wieder dass jemand 20 MB Mails mit Riesenanhängen versendet, Superlative in die Betreffzeile ballert ohne zu sagen worum es denn nun geht oder aber selten eine Geschichte dahintersteht. Für das erste Problem habe ich jetzt www.Pressefach.de gegründet, da kann alles fleißg hinterlegt werden, für alles andere sind wohl noch viele Beratungsgespräche und Blogartikel notwendig ;)

  2. Erstellt 16. August 2012 15:54 | Permanent-Link

    Pressearbeit ist ein wichtiger Baustein, aber Multi-Channel-Publishing wichtiger. Die Nachrichtenwerte müssen für Online PR, Social Media und das Blogging genutzt werden.

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