Kommentar: Amazon Pages setzen Facebook und Twitter unter Druck

Von Karsten Werner Karsten Werner | 22. November 2012 |

Amazon Pages, Posts, Analytics, Kompakt
Amazin startet Social Shops
Amazon startet Social Shops

Ohne großen Presserummel launchte der Amazon Marketing Service jüngst seinen neuen Dienst Amazon Pages. Werbung in eigener Sache erscheint auch nicht nötig. Zu deutlich drängen sich die Vorteile für Markenartikler und Händler auf, als dass der Retailer die Nutzung des Dienstes extra schmackhaft machen müsste.

Plattformbetreiber wie Facebook und Twitter sind dabei jedoch gleichermaßen Nutznießer wie Leidtragende: Sie werden zwar an Traffic gewinnen, bekommen aber in ihrer Funktion als Werbeträger einen neuen Wettbewerber und werden zudem in ihren Ambitionen als Intermediäre im Handelsgeschäft vorläufig gebremst.

Amazons Initiative wird weitreichende Folgen für Online-Händler und Marktplatzbetreiber haben und den Social Commerce verändern.

Amazon Pages: Marketing und Vertrieb unter einem Dach

Über Seiten unter einer Webadresse "Amazon.com/Markenname" können Marken und Händler sich künftig bei Amazon mit einem eigenen Social Shop präsentieren. Im Rahmen dieser Initiative werden auch eine Anbindung der eigenen Präsenz an soziale Netzwerke (via Amazon Posts) sowie ein Analysetool (Amazon Analytics) zur Verfügung gestestellt. Ein detaillierter Bericht zu Funktionsweise- und Umfang des Services findet sich hier. Das Grundprinzip ähnelt dabei dem der Facebook Shops. Im Unterschied zu diesen ist jedoch der Funktionsumfang größer. Shops erscheinen nahtlos in die Benutzerumgebung eingebunden und sind zudem unter der Dachmarke eines Retailers angesiedelt, also in einer Umgebung, in der "Kauflaune" nicht erst geweckt werden muss.

Amazon Pages Lipton
Facebook und Twitter verlieren an Attraktivität

Im Kanon der Social Commerce-Aktivitäten von Facebook muss das soziale Netzwerk also einen weiteren Dämpfer hinnehmen: Nachdem zunächst "Facebook Credits" als "alternative Weltwährung" gescheitert war und der Dienst eingestellt wurde, werden nun auch die "Facebook Shops" unter Druck geraten. Bisher wenig erfolgreich, bekommt die Plattform als Anbieter von Social Shops noch zusätzlich einen Wettbewerber, der zum einen Händlern wie Kunden alle Services entlang der Wertschöpfungskette anbieten, und der zum anderen ein weit höheres Markenvertrauen für sich in Anspruch nehmen kann, als dies bei Facebook der Fall ist.

Hinzu kommt: Bei Amazon kann jeder Markenartikler gleichermaßen als Händler auftreten, ohne einer zu sein. Da Amazon "alles handelt, was handelbar ist", ist die Plattform nicht nur für Retailer, sondern für jeden Markenartikler interessant, da man in seinem Shop lediglich die eigenen Produkte promotet, sofern Amazon diese bereits gelistet hat: Einfacher lässt sich Social Commerce nicht gestalten. Twitter wiederum profitiert als potentieller Empfänger von Shop-Empfehlungen via "Amazon Posts" zwar ebenfalls von einem Trafficgewinn, aber auch hier entpuppt sich der Web-Riese ad hoc als ein unbequemer Wettbewerber: Die Nachfrage nach Twitters kostenpflichtigen Unternehmensseiten wird sich durch Amazons kostenloses Angebot rückläufig entwickeln.

Neustart im Social Commerce: Wer zu spät kommt, der macht manchmal alles richtig

Dass Amazon sich bei der Ausgestaltung der eigenen Pages an Facebook orientiert hat, ist offenkundig. Fast scheint es so, als würde man in Richtung des sozialen Netzwerks winken: "Danke für die Vorarbeit, aber ab jetzt übernehmen wir und holen Markenauftritte und Social Shops dahin, wo sie hingehören: Unter unser Dach." Auch die Idee von umfangreichen Markenpräsenzen in der Umgebung von Marktplätzen ist nicht neu. Hier hat man sich an Alibababs Marktplatz Tmall orientiert.

Zwar ist es für eine Analyse noch zu früh, aber das Potenzial der hauseigenen Lösung erscheint in mehrerlei Hinsicht vielversprechend. Integriert Amazon den Service geschickt in sein Ökosystem, stünde ein Neustart im Social Commerce bevor und Plattformanbieter, die sich einst einen Einstieg in den E-Commerce auf der Basis sozialer Netzwerke erhofften, blieben enttäuscht zurück. Die Aussichten erscheinen günstig, dass Konsumenten den umgekehrten Weg bevorzugen werden: Soziale Strukturen auf der Basis von E-Commerce.


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