Luxodo liefert bundesweit zum Wunschtermin: Warum Same Day Delivery den Onlinehandel verändern wird

Von Karsten Werner Karsten Werner | 11. Dezember 2012 | 1 Kommentar Kommentieren

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Kunden von Luxodo-Händlern können künftig bundesweit in zwölf Ballungsräumen Tageszustellung wählen

Die Shoppingplattform Luxodo.com baut ihren Kundenservice aus und liefert ab sofort in fast allen deutschen Großstädten Warenlieferungen zum Wunschtermin. Auch Auslieferungen am Abend sind dabei möglich. Bestellt der Kunde Waren von Händlern aus der näheren Umgebung, können sogar Sofortlieferungen innerhalb von vier Stunden realisiert werden. Umgesetzt wird dieses Konzept in Kooperation mit dem Münchener Mobilitätsdienstleister Tiramizoo

Luxodo.com vereint heute 70 Multibrand Stores aus dem ganzen Bundesgebiet mit mehr als 500 Marken und über 3.600 Produkte auf seiner Plattform. Mit dabei sind bereits führende Luxus-Händler aus Hamburg, Berlin, München oder Karlsruhe, wie Queen for a Day, Amorph, Yousefy oder Marandino. Die vertretenen Marken reichen von Missoni über See by Chloé bis hin zu Diane von Furstenberg. Der zusätzliche Lieferservice wird nun Käufern bundesweit in zwölf Ballungsräumen angeboten, was in dieser Größenordnung ein Novum darstellt.

Kommt die taggleiche Zustellung damit bald im Alltag an?

Tiramizoo operiert über ein softwarebasiertes Fahrtenvermittlungssystem, über das Shops und Kuriere miteinander vernetzt sind, und agiert hier als 4PL entlang der Supply Chain. Ziel ist es, lokale Direktverkehre von den Händlershops zu den Kunden rein softwarebasiert zu disponieren, so wie es Anbieter wie mytaxi es in der Personenbeförderung bereits erfolgreich umgesetzt haben. Bis dato hat das 2010 gegründete Startup dafür bundesweit bereits eine Flotte von 1200 registrierten Stadtkurieren aufgebaut. Diese operieren jedoch nur in Ballungsgebieten, in ländlichen Regionen lässt sich das Konzept bisher jedoch nicht rentabel umsetzen.

Same Day Delivery generiert vorerst keine Sales, sondern dient als Benchmark

Aber auch in Ballungsräumen ist eine taggleiche Zustellung mit Versandkostenaufschlägen verbunden. Luxodo zeigt hier jedoch als Marktplatzbetreiber für Anbieter von Artikeln im Luxussegment, wohin die Reise in Sachen individualisierter Kundenservices gehen wird: Taggleiche Zustellung als Teil der Kommunikationspolitik. "As fast as possible" als Benchmark. Relevante Sales sind durch solche Lieferoptionen außerhalb des Luxussegments zwar vorerst noch nicht zu erwarten, aber das scheint in diesem Fall auch nicht relevant zu sein. Noch geht es vielmehr um die Botschaft selbst, die hier vermittelt wird: "Yes, we can." Für Anbieter von Waren, die gleichermaßen hochpreisig als auch emotional stark aufgeladen sind, ergeben sich über diese neue Form der Logistikdienstleistung also noch Möglichkeiten, sich vom Wettbewerb abzugrenzen.

Bestenfalls lassen sich in diesem Warensegment künftig, zum Beispiel via "Content to Commerce", auch noch gezielter die Kaufimpulse einer solventen Klientel antriggern, so dass Same Day Delivery sich zukünftig auch tatsächlich zu einem Umsatzbringer entwickeln kann. Betrachtet man Lieferzeiten selbst als einen Conversion-Killer, liegt hier schließlich noch Potenzial brach: die Verfügbarkeit einer bestimmten Lieferoption als maßgeblicher Auslöser für den Kauf. Erst die Aussicht auf eine sofortige oder zeitnahe Bedürfnisbefriedigung führt dann überhaupt erst zur Transaktion.  

Tiramizoo logistik
Same Day Delivery: Logistikdienstleister wie Tiramizoo verändern die Nahverkehrsdiposition grundlegend

Reurbanisierung und Convenience Shopping beflügeln die Fantasie

2012 ist der Same Day Delivery Service ein Trendthema, und im kommenden Jahr wird er es wieder sein: Online-Shopping soll bequemer werden und zugleich schneller. Noch scheint das Marktpotential für relevante Sales gering, aber mit weiterem Wachstum ist zu rechnen. In vielen Städten lässt sich eine Reurbanisierung erkennen, so dass  ein Ausblick auf die Entwicklung des Marktpotenzials günstig erscheint.

Der Faktor "Bequemlichkeit" durch Nahversorgungsangebote, aber auch durch Lieferoptionen, die in den eigenen Alltag passen, gewinnt dadurch zunehmend an Bedeutung. 

SDD ist als Schlagwort nur Verbote einer viel wichtigeren Debatte

Des Weiteren wird die Diskussion in 2013 aber auch breiter geführt werden müssen. "Tageszustellung" und "Same Day Delivery" sind erst einmal nur Schlagworte. Die Debatte dreht sich dabei oftmals nur um Skaleneffekte, den Tellerrand der eigenen Branche, oder die Insellösungen einzelner Player.

Das ist jedoch zu kurz gefasst. Im Same Day Delivery verbirgt sich viel mehr: Kostengünstige, webbasierte Softwarelösungen, die Intermediäre wie Taxi-Zentralen oder Spediteure als Nahverkehrsdisponenten weiträumig ersetzen können, sind eine disruptive Technologie, die vor fünf Jahren so noch nicht möglich erschien. Wo neue Technologie alten Intermediären die Geschäftsgrundlage entzieht, werden andere versuchen, die Lücke zu füllen und einzelne Player sogar gänzlich darauf verzichten wollen. Nahverkehrs- und Citylogistik-Konzepte werden neu angedacht werden und die "Neue Einfachheit" in der Organisation lokaler Haus-Haus-Verkehre wird für die Transportbranche mit Veränderungen einhergehen, die auch den Onlinehandel tangieren.

Die entscheidende Frage in 2013 wird also nicht sein, wer, wann, wie konkret liefern kann, sondern wie das Zusammenspiel von Logistik und E-Commerce sich zukünftig überhaupt entwickeln wird.

Die Büchse der Pandora ist geöffnet: Jeder Händler kann sich über ein Plugin an ein Fahrtenvermittlungssystem ankoppeln, ohne dabei überhaupt wissen zu müssen, was eine API ist, und jeder Kurier kann über ein Smartphone und eine App Frachtführer und Disponent in einer Person sein. Das ist eine technische Innovation, die noch 2007 unmöglich erschien und deren erste Ansätze zum damaligen Zeitpunkt noch so kostspielig waren, dass selbst die global aktiven Integratoren sie gar nicht, und wenn, dann nicht flächendeckend eingesetzt hatten. Heute gibt es das alles für ein Taschengeld, so dass praktisch jeder ein Marktteilnehmer werden kann.

Das Zusammenspiel von Logistik, Handel und E-Commerce muss neu gedacht werden

Auf technischer Seite hat es hier also einen Quantensprung gegeben, in dem das Potenzial liegt, die Transportlogistik im Nahverkehr in einer Form zu liberalisieren, wie es das so vorher noch nie gegeben hat. Wer sich also bisher gefragt hatte, warum mit Amazon, eBay, Daimler, Deutsche Post DHL, Otto und UPS weltweit große Player bei Anbietern wie Tiramizoo und anderen neuen Logstikdienstleistern einsteigen, bekommt hier die Antwort: Es geht nicht darum, was heute Mittag, oder heute Abend noch ausgeliefert werden kann und ob das skaliert und sich kurzfristig als Umsatzbringer geriert.

Vielmehr muss die Frage für eine andere Antwort gefunden werden: Wie sich das Zusammenspiel von E-Commerce und Logistik auf Basis dieser technischen Möglichkeiten zukünftig entwickeln wird. "Heute bestellt, heute geliefert" erschien in 2012 als ein Trend, ein Nischen-Geschäft, das vorerst nicht skaliert. Dahinter steckt jedoch etwas weit Größeres: Neuland für 2013.

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 11. Dezember 2012 20:55 | Permanent-Link

    Gratuliere zu diesem sehr guten Artikel.

    Hier bahnt sich tatsächlich eine Neuausrichtung des Marktes an, die für viele neue Player gute Chancen bietet. Andererseits müssen etablierte Player diese Trends sehr genau verfolgen, damit sie nicht plötzlich rechts oder links überholt werden - zB vom Fahrradkurier.

    Zum Glück erhält somit auch ein Fulfilment-Gigant wie amazon nicht den ganzen Kuchen der same-day-delivery Umsätze. Schliesslich werden sich die meisten logistisch zentral agierenden pure player wie zalando mit einer same-day delivery Option sehr schwer tun.

    Hoffentlich entdeckt der altehrwürdige stationäre Handel die hierin liegenden Chancen mit Microlösungen großartigen regionalen Kundenservice anzubieten. Mir gefällt diese Vision!

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