Media-Markt: Onlinekunden sind doch nicht blöd

Von Gastautor | 7. Mai 2012 |

heinemann eweb
Hat Media-Markt aus früheren Fehlern nichts dazugelernt? In einem Gastbeitrag geht Prof. Dr. Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb Research Center an der Hochschule Niederrhein, mit der E-Commerce-Strategie von Media-Markt von Media-Markt hart ins Gericht.

Eine der Aussagen: "Bei genauerer Betrachtung wurde nicht eine einzige der Schwächen, die bereits 2005 zur Beendigung des ersten Onlinestarts führten, im jetzt reaktivierten Onlineshop behoben." 

Das schreibt Prof. Dr. Gerrit Heinemann: Im vergangenen Jahr legte der Onlinehandel um 18,6 Prozent auf 21,7 Milliarden Euro zu. Gemessen am Branchenumsatz lagen dabei Computer und Computerzubehör mit einem Onlineanteil von 15,4 Prozent beinahe gleichauf mit Büchern (16,9 Prozent) und könnten mit zuletzt 32 Prozent Onlinewachstum die 20-Prozent-Marke in diesem Jahr knacken.

Ebenfalls stark zulegen konnte der Bereich Elektronik und Elektroartikel mit 28 Prozent Zuwachs und 12,3 Prozent Onlineanteil. Zusammengenommen erzielten beide Elektro-Warengruppen und ureigenen Media-Markt-Domänen rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz über das Internet.

Dieser Umsatzbrocken ist bisher komplett am „stationären Marktführer“ vorbeigegangen. Auch die Redcoon-Übernahme wirkt da eher wie ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Dass allerdings Media-Markt nun mit seinem wiederbelebten Onlineshop das Feld von hinten aufräumt, darf bezweifelt werden: Bei genauerer Betrachtung wurde nicht eine einzige der Schwächen, die bereits 2005 zur Beendigung des ersten Onlinestarts führten, im jetzt reaktivierten Onlineshop behoben.

Dem Gespött der Szene preisgegeben

Darüber hinaus hat Media-Markt mal eben drei ganze Evolutionsstufen, die der Onlinehandel seit 2005 genommen hat, komplett ignoriert: die „Optimization Scale Up“-Phase, das Web 2.0 sowie den neuen Mobile Commerce. Media-Markt hat insofern nicht nur eine riesengroße Chance vertan, sondern sich im Vergleich zu den Best Practices aus dem englischsprachigen Raum dem Gespött der Szene preisgegeben.

Im Gegensatz zu Media-Markt haben die Elektronikhändler Argos und BestBuy erkannt, dass das große Potenzial des Einzelhandels in der Verzahnung der Verkaufskanäle und der Nutzung moderner Location-Based-Services liegt. Sie haben im Gegensatz zu Media-Markt verstanden, dass die Kunden in der Mehrzahl bereits online sind, auch wenn sie in die Läden kommen.

Der Kunde von heute beginnt seinen Einkaufsprozess durch Recherche im Internet, unabhängig von der anschließenden Wahl des Einkaufskanals, und erwartet dabei im Onlineshop die größte Auswahl. Nicht nur ein Rumpfsortiment wie bei Mediamarkt.de.

Zur neuen Kundenorientierung gehört es daher, dem Kunden den Wandel durch die Vertriebskanäle vom ersten Kontakt bis zum Kauf und darüber hinaus so naht- und reibungslos wie möglich zu gestalten ‒ mit umfassenden Angeboten moderner Multichannel-Services, von denen bei Media-Markt nicht eine vorzufinden ist. Mensch ist das peinlich ‒ ich bin doch nicht blöd!

Der Betrag ist auch in der gedruckten Mai-Ausgabe von "Der Handel" nachzulesen.

Über den Autor: 

Prof. Dr. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein gilt seit Jahren als einer der führenden E-Commerce-Experten im deutschsprachigen Raum. Sein Buch „Der neue Online-Handel" gilt als Standardwerk in der Branche. Weitere Veröffentlichungen: „Multi-Channel-Handel",„Web-Exzellenz im E-Commerce", „Cross-Channel-Management".  Vor seiner Berufung an die Hochschule Niederrhein zum Professor für BWL, Management und Handel im Jahr 2005 war er unter anderem  in verschiedenen Führungspositionen deutscher Handelskonzerne tätig.

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