Möbelhandel: Kleine Händler können mit Webshops in der Nische punkten

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 11. Januar 2013 |

Produkt
Die Möbelbranche entdeckt erst langsam den Internethandel für sich, doch etliche deutsche Hersteller und Händler verschlafen die Entwicklung und überlassen den Bereich E-Commerce weitgehend noch Anbietern wie Home24, Fashionforhome oder flott agierenden Anbietern wie Butlers.

Dessen Mitgründer Wilhelm Josten posaunte jüngst in der Welt: "In zehn Jahren wollen wir 50 Prozent unserer Möbel online verkaufen”. Butlers kooperiert obendrein mit Otto, die das Thema Möbel wie auch Konzernschwester Baur inzwischen offensiver angehen.

Damit gerade kleinere Händler die Chancen, die ihnen das Web bietet, nutzen können, müssen sie den Bereich Online als Teil der Gesamtstrategie begreifen und sich entsprechend positionieren, meint der Branchenkenner und Experte für E-Commerce, Volker Schukai.

Während der Markt für den Onlinehandel mit Büchern, CDs und Mode weitgehend gesättigt scheint, steckt im Bereich Möbel und Wohnaccessoires großes Wachstumspotenzial, wie die Reichweiten- und Strukturdaten der AGOF-Studien auf Basis eines Multimethodenmodells belegen. Amazon beispielsweise hat das erkannt und sein Sortiment vor einiger Zeit um dieses Segment erweitert.

Für kleinere Händler, die in der Regel nicht über den Preis punkten können, sondern auf Nischenprodukte und Kundenservice setzen, bietet der E-Commerce ganz neue Möglichkeiten, wie Volker Schukai aus Erfahrung weiß, der als Geschäftsführer der schukai GmbH in Landsberied bei München seit über zehn Jahren Konzeptlösungen und Strategieberatung für B2C- und B2B-Onlineshops bietet.

Haptik im Webshop durch Top-Optik ersetzen 

„Das Potenzial der Kleinen ist da. Gerade aufgrund ihrer geringen Größe können sie sich spezialisieren, Trends mitnehmen, schnell und flexibel auf Kundenwünsche reagieren und mehr Service bieten als die Großen“, sagt Schukai. Doch nicht nur an Know-How und Mut mangele es. Oft fehle schlicht die Zeit, um Studien zu Rate zu ziehen, Strukturdaten zu erheben, Reichweitenmessungen durchzuführen und Bilanzen zu erstellen. Das sei jedoch unabdingbar, um ein durchdachtes Gesamtkonzept zu erstellen.

Onlineshop
Webshops bieten großes Potenzial für Möbelhersteller und -händler.

Was viele Händler auch zurückschrecken lässt:  Anfassen ist nicht. „Für den Bereich Möbel besteht die Herausforderung darin, relativ unbekannte, hochpreisige Produkte umfassend und ansprechend zu präsentieren“, so Schukai. Die fehlende Haptik, das wohl größte Manko beim Internetshopping, muss also über hervorragende Produktfotografie, nach Möglichkeit aus verschiedenen Perspektiven, und mit einer Zoomfunktion kompensiert werden.

Volker Schukai
Volker Schukai

Der Webshop kann sogar einen Mehrwert gegenüber dem Möbelhaus bieten: Etwa durch die Möglichkeit, ein Bild der eigenen Wohnung hochzuladen, um mit einem Klick zu sehen, wie das neue Sofa hinein passt. Neben den technischen Details, wie Angaben zu den Maßen und den verwendeten Materialien empfiehlt Schukai, das Hauptaugenmerk auf die Grundidee der Marke, die Philosophie des Designers, eventuell auch auf die Geschichte hinter dem Produkt zu richten. „Diese Aspekte sollten in besonderem Maß den Aufbau und die Gestaltung des Onlineshops bestimmen. So kann der Händler gleichzeitig die Qualität der Ware herausstellen und ein Lebensgefühl transportieren“, erklärt Schukai.

Angesichts der Dominanz der großen Portale ist eine Anbindung kleinerer Shops verhalten positiv zu bewerten, meint Schukai: „Mit einer entsprechenden Schnittstelle kann sich der Hersteller oder Händler mit seinem Logo und seinen Produkten bekannter machen. Die Anbindung ist ein Weg, um sich schnell und ohne viel Aufwand eine große Käuferschicht zu erschließen und mehr Umsatz zu generieren.“

Abverkauf von Restposten über Portale

Für den Abverkauf von Restposten biete sich insbesondere eBay an, da so auch Kunden angesprochen würden, die sonst nicht zur Zielgruppe gehören. Von Nachteil sei aber, dass sich anhand der Verkaufsdaten sehr schnell feststellen lässt, welche Produkte gut laufen. Das kann die Portalbetreiber dazu veranlassen, Konkurrenzprodukte aufzunehmen oder den Artikel selbst zu einem besseren Preis anzubieten.

Nich sind die Zahlen online eher mau. Laut BVH betrug der Umsatz mit Möbeln, Küchen und Einrichtungsgegenständen im Einzelhandel 2011 rund 30,4 Milliarden Euro, lediglich 780 Millionen Euro wurden im Internet umgesetzt. Und ein großer Anteil davon entfällt auf Wohnaccessoires, wie sie etwa Zalando, Fab,oder Urbanara anbieten. Damit liegt der E-Commerce-Anteil bei unter 3 Prozent. Auch die GfK geht von einer Quote zwischen 3 und 4 Prozent aus. Das aber schafft Wachstumschancen für die Zukunft.

Wachstumsversprechen

Und es lässt ein wenig Zeit. Die braucht es für den Aufbau eines funktionsfähigen Onlineangebots. Anbieter wie Schukai, die auch hauseigene CMS- und Onlineshopsysteme liefern oder sich um die Entwicklung und Programmierung von Onlinesystemen kümmern, wittern da Neugeschäft.

Nicht zu unrecht. "Der Online-Möbelhandel in Deutschland wird in den kommenden Jahren ein deutliches Wachstum hinlegen. Ich sehe keine Sparte des Möbelhandels, die davon unberührt bleiben wird”, sagte  Aline Eckstein, Bereichsleiterin des E-Commerce-Center am Kölner Institut für Handelsforschung IFH, der Welt. 2012 hat der Web-Umsatz mit Möbeln bereits um  13 Prozent zugelegt.


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Möbel, Möbelhandel

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