Neues Shoppingkonzept "Fashion Locals" setzt auf lokale Newcomer

Von Roland Schweins | 30. Januar 2013 |

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Neues Shoppingkonzept: Fashion Locals
Neues Shoppingkonzept: Fashion Locals

Mit einem Gründerstipendium und einem Seedinvestor mit 6-stelliger Finanzierung im Rücken geht das Shoppingkonzept "Fashion Locals" in einer ersten Beta-Version an den Start. Die Gründer Markus Haggenmiller (27) und Andreas Muscheid (29) begeben sich mit ihrer Designer-Shopping-Plattform in einen stark umkämpften Markt, auf dem sich bereits innovative Konzepte wie nelou.com oder Fashionhub versuchen zu etablieren - der aber von Onlineshops wie net-a-porter, MyTheresa oder Stylebop dominiert wird. Andere wiederum - wie das seinerzeit von Holtzbrinck finanzierte Startup Miosato - haben bereits wieder aufgegeben. etailment hat vor dem Beta-Launch mit den Gründern von Fashion Locals gesprochen.

Gelauncht werden soll Fashion Locals am 8. März - mit einer rauschenden Party. Das Konzept: Im Gegensatz zu den anderen Onlineshops sollen die Kunden bei Fashion Locals über Städte navigieren und in London, Paris oder Berlin ihre Lieblingsdesigner finden. Für die teilnehmenden Labels entstehen keine Kosten. Diese werden von Trendscouts entdeckt und erhalten nach Aufnahme in das Shopping-Portal ein Starter-Kit, das aus gebrandeten Kartons für den Versand und Werbematerial wie beispielsweise Aufklebern besteht. Fashion Locals finanziert sich komplett über Provisionen, die zwischen 20 und 25 Prozent liegen.

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Markus Haggenmiller, Fashion Locals
Markus Haggenmiller, Fashion Locals

"Wir erstellen eine Mode-Onlineplattform, auf der wir ermöglichen, dass die Geheimtipps mit Seltenheitswert online präsentiert und verkauft werden", erklärt Markus Haggenmiller sein Konzept. "Dabei steht für uns der Designer mit seiner Ware im Zentrum." Die Abgrenzung zu den auf dem Markt agierenden Shops bestehe darin, dass die Kleidungsstücke nicht nach bestimmten Kriterien gefiltert werden können, sondern stets der Designerstore im Vordergrund stehe. Der Shop-Besucher navigiert also ausschließlich über die Europakarte.

Haggenmiller und Muscheid wollen 25-35-jährige Fashionistas ansprechen, die sich individuell kleiden und nicht auf Markenware setzen, sondern durchaus auf ein Designerstück sparen. Hier ist viel Geschick gefragt, die spannenden Designer herauszufiltern. "Wir legen großen Wert darauf, dass gute Produktbilder gemacht werden", sagt Haggenmiller, der künftig mehr auf Outfits am Model als auf Freisteller setzen will und dazu ein eigenes Fotostudio eingerichtet hat. Er möchte einen schönen Marktplatz anbieten, auf dem der Kunde zum Stöbern verleitet wird. Die Designer haben etwa die Möglichkeit, selbst Lookbook-Bilder zu ihrer Ware hochzuladen. Ein Label, das diese Option bereits nutzt, ist Elfenkleid aus Wien. Weitere sind Isabel de Hillerin oder Esther Perbandt, die beide jüngst auf der Berliner Modewoche mit Schauen ihre neuen Kollektionen präsentiert haben.

Zunächst sind 24 Designer und Labels vertreten, kurzfristig sollen es 50 werden. Die Labels werden von zwei Trendscouts ausgesucht, die an renommierten Modeschulen studiert haben: Linda Sakallah kommt von der Akademie Mode und Design und Stefanie Fischer stammt von der Esmod München. Die Geschäftsführer holen sich damit modisches Know-how an Bord. Sie selbst haben Erfahrungen in den Bereichen M&A, Private Equity und Beteiligungsmanagement vorzuweisen.

Individuelles Konzept im Designer-Segment

Es ist keine Seltenheit, dass sich Berater, die nicht ursprünglich aus der Modewelt kommen, mit Online-Modekonzepten selbstständig machen. So baute etwa der Consultant Dirk Graber den inzwischen international erfolgreichen Brillen-Onlineshop Mister Spex auf. Neben den Geschäftsführern und den Trendscouts verfügt Fashion Locals zum Start über ein insgesamt 18-köpfiges Team, darunter Fotografiestudenten, Informatiker, Praktikanten und Werkstudenten. Fest angestellt sind zum Start bereits sieben Mitarbeiter.

Andreas Muscheid, Fashion Locals
Andreas Muscheid, Fashion Locals
Andreas Muscheid, Fashion Locals

In der subjektiven Beurteilung des Konzepts lässt sich kritisieren, dass es den Gründern nicht gelungen ist, sich die Domain Fashionlocals (ohne Bindestrich) zu sichern, was diese aber als keinen Nachteil werten. Das Layout mutet in Relation zur hochwertigen Mode etwas jugendlich an, Haggenmiller und Muscheid arbeiten mit einem auffälligen Grünton im Logo und beim Favicon. Die Texte im Blog sind mit Smileys versehen. Hier gilt es nachzuarbeiten, damit die Anmutung zum Warensortiment und zur Zielgruppe passt. Die größte Herausforderung dürfte die Akquise interessanter Designer darstellen, die momentan auch von Dickschiffen wie Zalando umworben werden.

Um bekannt zu werden, arbeitet Fashion Locals mit der PR-Agentur Stadtgespräch aus München zusammen, die die Pressearbeit startet. Außerdem war Fashion Locals erstmals auf dem FashionBloggerCafé zur Modewoche in Berlin mit Flyern und Mitarbeitern vor Ort vertreten. Ein Weg, der künftig noch intensiviert werden soll: "Wir möchten sehr viel mit Bloggern kooperieren, das ist unser erster Schritt im Marketing", sagt Geschäftsführer Andreas Muscheid. "Momentan ist die Bloggerwelt am interessantesten für uns. Wenn Blogger über uns berichten, dann spiegelt das authentische Meinungen wider."

Zunächst wollen Haggenmiller und Muscheid ihr Konzept in Deutschland etablieren. Auf Lange Sicht soll das Marketing auch auf Frankreich und England und dann auf weitere Länder ausgeweitet werden. Neben dem Bloggerseeding setzen die beiden Gründer auf Suchmaschinenoptimierung und Google Adwords.

Auch wenn Zalando jüngst mit Emenza einen Luxusableger gestartet hat, gibt es offenbar noch Geschäftspläne und Gründer mit dem Mut, den Online-Kunden eine Alternative zu bieten und den Branchenriesen ein individuelles Konzept entgegenzusetzen.


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