Pinterest: Wie eine Pinnwand den Konsum im Web anheizen kann

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 23. Januar 2012 | 1 Kommentar Kommentieren

Olaf Kolbrück Pinterest
Ich habe mich lange gesträubt, in Pinterest und seinem deutschen Klon von Rocket Internet, Pinspire, mehr zu sehen als eine hübsche Idee, Bilder und visuelle Social Bookmarks an eine digitale Pinnwand zu verteilen. Doch nach einer ersten Nutzung stelle ich fest: Wie schon bei Flipboard macht es Spaß, durch Pinterest zu blättern. Es macht sogar ein wenig süchtig.

Es ist eine Mischung aus Katalog und Lifestyle-Magazin und könnte die Art verändern, wie wir Dinge im Web finden, verteilen und wie wir künftig einkaufen. Zumindest aber wird es unsere Art des Shoppings im Web erheblich inspirieren und dürfte damit zu einem wichtigen Schaufenster für den E-Commerce werden.

Die Idee von Paul Sciarra, Evan Sharp und Ben Silbermann klingt zunächst einmal wenig aufregend: Nutzer können Fotos und Videos bookmarken. Statt Dinge zu „liken“, werden Bilder an die Plattform „gepinnt“ Andere können diesen Nutzern folgen. Vielleicht, weil sie diese „Pinner“ kennen oder weil ihnen die Modeideen und Literaturtipps so gut gefallen. Sie können die Fotos auf ihre eigene Pinnwand übernehmen, die Bilder kommentieren, liken, und selbst Pinnwände zu bestimmten Interessengebieten anlegen. Genauso kann man selbst sogenannte Boards,  Pinnwände zu bestimmten Interessengebieten, wie Mode, Autos, durchstöbern.  Die Bilder sind dann mit dem Fundort, beispielsweise einem Webshop, verlinkt. 

Was Pinterest schon beim Einstieg so ein reizvoll macht?

1. Eine einfache und aufgeräumte Optik, die schnell klar macht, wie das System funktioniert, und was der Nutzer tun muss.

2. Die niedrigschwellige geistige Herausforderung, um Inhalte von Freunden oder zu Themen zu konsumieren. Stellen Sie sich vor, sie blättern durch die Modestrecke bei „Gala“ oder „Bunte“ oder durch einen Ikea-Katalog. Und Hand aufs Herz: Das macht jeder mal ganz gerne. 

Endlich kann man den schlechten Modegeschmack der Freundin ausblenden 

Wieder einmal geht es auch um das Follower-Prinzip. Doch Readwriteweb findet den Followeransatz von Pinterst sogar noch vielversprechender als den bei Google+ und Facebook. Zu Recht.

Schließlich muss man nicht allen Boards eines Freundes folgen, sondern kann einzelne Themen schlicht abstellen. „Pinterest trägt mit diesem Ansatz der Tatsache Rechnung, dass es viele Überschneidungen bei den Interessengebieten der Anwender gibt, dass diese meist aber nicht alle Präferenzen anderer Menschen teilen“, stellt Martin Weigert zu Recht fest.

Produkte der Woche

Damit ist Pinterest weitaus mehr als nur eine etwas bessere Wunschliste, auf der man seine Produktvorlieben für Geburtstag oder Hochzeit hinterlässt. Es ist ein Empfehlungsnetzwerk für Produkte, das sich an Menschen mit gleichgelagerten Interessen richtet.

Pinterest hat auf diese Weise ein atemberaubendes Wachstum hingelegt, erreicht angeblich bereits über 3 Millionen aktive Nutzer monatlich (11 Million Page Views im Dezember), obwohl es noch „Invite only“ ist  und hat sogar schon das Interesse von Google geweckt.

Attraktive Zielgruppe

 Was Pinterest für den E-Commerce interessant macht?

Zielgruppe: Rund 59 Prozent der Nutzer sind weiblich, überwiegend zwischen 25 und 44 Jahre alt und vor allem an Mode, Design und Essen interessiert.

Empfehlung: Erste Unternehmen (beispielsweise Etsy) haben bereits einen „Pin it“-Button zu ihren Produkten hinzugefügt, der die Empfehlung direkt an die Pinterest-Community weiterleitet.  Anzunehmen ist, dass, anders als „Likes“ beim eher dialogorientierten Facebook, die „Pins“ in dem konsumorientierten Umfeld eher auf fruchtbaren Boden fallen.

pinit Etsy

Optik: Online-Händler sollten daher nicht nur über den Einbau eine entsprechenden Buttons auf der Website nachdenken, sondern auch die visuelle Darbietung ihrer Produkte verbessern. Optik verkauft. Und mit Pinterest wird die optische Darbietung der Produkte noch mehr an Relevanz gewinnen.

Pinterest als Vehikel für Marken und Händler

Unternehmen können die Pin-Mania zusätzlich anheizen:

Beispielsweise indem sie

  • Wie Lands End Preise an Nutzer mit den besten „Boards“ mit Produkten des Unternehmens vergeben.
  • Als Nahrungsmittelhersteller zur Gestaltung von Rezept-Boards aufrufen.
  • Als Modemarke Nutzer dazu motivieren, Styling-Boards rund um ein Kernprodukt zu gestalten.

Und was bringt das?

 A)    Boards bei Pinterest können Kaufempfehlungen beeinflussen, weil Empfehlungen nicht nur auf Freunden (die ja manchmal einen ganz fürchterlichen Geschmack haben können) beruhen, sondern auch auf gleichen Interessen.

B)    Erste Anbieter in den USA beobachten bereits, dass Pinterst mehr Traffic auf ihre Website schaufelt als Facebook.

C)    Marken und Händler lernen mehr über die Vorlieben ihrer Nutzer.

D)   Weil es mehr um das Stöbern geht, und weniger um das Ablaichen von PR-Texten, kann das für einige Anbieter sogar attraktiver sein als eine Fanpage bei Facebook – oder zumindest attraktiver aussehen, weil Inhalte nicht in einem Stream serviert werden, sondern in einer Kollektion „a la carte“ kredenzt werden.

Whole Foods Market wholefoods on Pinterest

Die Frage ist indes, wie sich Pinterest weiterentwickelt. Ist es lediglich ein Hub für andere E-Commerce-Angebote, der von Anzeigenplatzierungen leben wird, oder wird sich Pinterest selbst zu einer vertikalen Verkaufsplattform entwickeln? Die Plattform ist jedenfalls mit genügend Venture-Kapital ausgestattet, um die Monetarisierungsfrage in aller Ruhe eruieren zu können.  

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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 3. Februar 2012 16:05 | Permanent-Link

    Ich scheine ja auf Mond zu leben, da ich zuvor noch nie von der Plattform gehört hatte. Very pinteresting, vielen Dank.

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