Trends im E-Commerce von A-Z (VI): Re-Commerce

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 4. Mai 2012 |

momox.de recommerce
Das Geschäft mit Gebrauchtem war lange Zeit Privatsache. Auktionsplattformen wie Ebay verdienten lediglich an den Transaktionsgebühren. Doch inzwischen haben die großen Online-Marktplätze das Second-Hand-Business als lukratives Geschäftsfeld entdeckt, das so nebenbei auch der Kundenbindung dient. Und auch die Pure Player des Re-Commerce wachsen kräftig.

Erst im August 2011 war Amazon mit dem Trade-in-Programm gestartet und kaufte seinen Kunden gebrauchte Bücher ab. Das läuft offenbar derart zufriedenstellend, dass Amazon nun zunächst in den USA auch E-Reader, MP3-Spieler, und Handys zurückkauft. Der Kunde bekommt dafür eine Gutschrift auf sein Amazon-Konto.

Recommerce (Recycling Commerce) nennt sich das Geschäftsprinzip, das Start-ups wie Momox, Flip4new, Rebuy und Wirkaufens vorexerziert haben und das nun von den großen Online-Kaufhäusern mit Schwung adaptiert wird. Ebay bietet seit Sommer 2011 den Kauf von Elektronikgeräten über eine eigens eingerichtete Microsite (Sofortverkauf.ebay.de) an und kooperiert dabei mit Flip4new. Der Recommerce-Anbieter Rebuy gilt als Übernahmekandidat für die Metro und deren Tochter Media-Markt. Otto wird von Wirkaufens.de unterstützt. Das Geld für die Ware gibt es bei Otto als Warengutschein.

WIRKAUFENS recommerce
Beim Recommerce beschränken sich die meisten Händler gegenwärtig ganz bewusst noch auf Elektronik und Bestseller-Bücher. Gerade Elektronik  lässt sich auch international leichter wieder absetzen. Schnell wechselnde Produktentwicklungen erhöhen zudem die Umschlaggeschwindigkeit. Kannibalisierungseffekte müssen die Händler da kaum fürchten. Sie erreichen eher klassische Gebrauchtwarenkäufer, die einer Händlermarke mehr vertrauen als Privatpersonen auf Auktionsplattformen. Je nach Anbieter gibt es zudem eine Gewährleistung. Gleichzeitig erhöhen die Handelsplattformen durch eine Auszahlung mittels Gutschriften die Kundenbindung und animieren damit zu Mehrumsatz auf der eigenen Plattform.

Vorteil für den Verkäufer: Der Deal ist bequemer, sicherer und spart Zeit. "Wir wollen Verkäufer ansprechen, die lange nicht mehr oder noch nie auf Ebay verkauft haben", sagt Martin Barthel, Director Buyer Experience bei Ebay. Der Nachteil: Die Convenience erkauft der Kunde mit niedrigeren Erlösen.

Noch sind die Umsätze der Recommerce-Anbieter hierzulande vergleichsweise überschaubar, wachsen aber gewaltig. So gibt Momox, seit 2006 auf dem Markt, die Gesamtzahl aller angekauften Produkte seit dem Start mit rund 18 Millionen Artikeln an.  Momox verzeichnet für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 einen Umsatzzuwachs von 74 Prozent auf inzwischen 40 Millionen Euro. Die Anzahl der Mitarbeiter ist auf über 500 angewachsen. Momox bietet seit September 2011 sein Online-Geschäft mit gebrauchten Büchern, CDs, DVDs, Computerspielen und Elektronik auch in Frankreich, England und Österreich an. Das Unternehmen hat zudem im Dezember 2011 einen zusätzlichen Logistikstandort in Leipzig eröffnet, um die Kapazitätszuwächse bewältigen zu können. Gründer und Geschäftsführer Christian Wegner will weiter expandieren.

Das Wachstum, es hat vielleicht auch etwas mit dem Trend zu mehr Nachhaltigkeit zu tun. „Im Gegensatz zu vergangenen Jahren ist ein deutliches Umdenken der Menschen erkennbar: Ein unbedarftes Wegwerfen nicht mehr genutzter Gegenstände wie Kleidung oder Technik ist passé. Dies zeigen auch Trends wie der Re.Commerce. Wer möchte nicht auch seine ‚Altlasten’ in bare Münze verwandeln und nebenbei auch noch einen kleinen Beitrag für die Umwelt leisten?“, so Lawrence Leuschner, Gründer und Geschäftsführer von reBuy.de.

Allerdings hat das Geschäft mit Gebrauchtem auch Schranken. Unverkäufliche Ware hat keine Chance, abgenommen zu werden. Somit konzentriert sich das mögliche Sortiment auf Schnelldreher und Artikel, die Teil des eigenen Portfolios sind. Amazon geht inzwischen einen Schritt weiter und kauft mit seinem Trade-in-Programm auch Geräte an, die nicht im Portfolio sind.

Inzwischen müssen solche Flohmärkte  auch gar nicht mehr Einkaufszettel-Optik haben. Threadflip zeigt das und bietet einen Auftritt im Pinterest-Look. Auch das Wording ist hübscher. Es geht nicht mehr um "Gebrauchtes" sondern um "Pre-Loved".

Threadflip fashion

Das kann der Handel auch gleich selbst: Asos. Die Briten gehören zu den angesagtesten Online-Shops der fashionistas und haben einen eigenen Marketplace installiert. Kunden nutzen Asos hier aber als Plattform für den Verkauf. 

Mit einer ähnliche Mechanik arbeitet auch der Newcomer Be-Vintage

Nachteil der Mode-Flohmärkte:  Anders als bei MomoxFlip4newRebuy  und Co muss der Kunde immer noch auf einen Käufer hoffen. Systeme wie Be-Vintage kaufen nicht selbst. Sie sind eher eine persönlichere und kuscheligere Variante von eBay.

So funktioniert Re-Commerce:

Wer ein Gerät verkaufen möchte, gibt auf einer Plattform in der Regel die Produktbezeichnung, zuweilen EAN-Nummer oder Barcode, sowie den Zustand des Artikels ein. Ausführliche Produktbeschreibungen und das Hochladen von Fotos sind unnötig. Eine Datenbank macht dann ein Preisangebot. Stimmt der Verkäufer zu, kann er die Ware der Plattform in der Regel kostenfrei zusenden. Je nach Anbieter erhält er dann eine Gutschrift oder eine Überweisung.

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