Rocket Internet: So wächst das Weltreich der Samwer-Brüder

Bazaya Rocket Internet
Ob vom Ehrgeiz getrieben, von Investoren gedrängt oder schlicht von einem guten Gespür für Wachstumsmärkte angestachelt - Rocket Internet ist längst eine Weltmacht in Sachen E-Commerce. Wo der Inkubator seine Zelte aufschlägt, da ist mit Boom zu rechnen. Und Rocket Internet ist ganz vorne mit dabei.

Als Otto jüngst in Brasilien ein Joint Venture aus der Taufe hob, da war immer wieder auch die Rede von Rocket Internet. Denn die Samwer-Brüder  sind dort mit dem Fashion-Anbieter Dafiti seit 2011 auf dem Markt und inzwischen zum Top-Player aufgestiegen. Kein Einzelfall. So nach und nach füllen die Samwer-Brüder die lukrativ verheißungsvollen weißen Flecken auf der Weltkarte. Schnell und effizient.

Ein Überblick über das Weltreich der Samwer-Brüder.     

Südamerika:

Der Schuhshop Dafiti ist ein Export von Zalando an den Zuckerhut.  Sogar die TV-Werbung kommt aus der Heimat. Weitere Aktivitäten in Südamerika (u.a. Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko, Venezuela, Peru) sind 21Diamonds, bamarang, dropgifts, petitebox, glossybox, wimdu und bazaya. Letzteres ein Amazon-Look-a-like. Nicht alle Projekte sind in allen Ländern gleichermaßen vertreten. Rocket exportiert aber nicht nur Ideen: Mit MoblyKanui oder Tricae testet es neue Marken und Geschäftsmodelle, angepasst an den lokalen Markt, aber mit der Chance , sie wieder nach Europa zu importieren. 

 Afrika:

Ende 2011 war Nigeria das afrikanische Land mit den meisten Internetnutzern. Kein halbes Jahr später startet der Inkubator Rocket Internet dort den scheinbar an Fab.com angelehnten Schuh- und Modeshop Sabunta.com und mit Kasuwa einen an Amazon erinnernden Shop für Bücher und Elektronikwaren. 

In Ägypten kaufte im Februar 2012 fast ein Viertel der Internetnutzer online ein. Rocket Internet partizipiert mit dem Mode-Onliner Namshi und Mizado. So nennt Rocket Internet seinen Amazon-Klon in Ägypten. Namshi arbeitet auch in Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Kuwait, Katar. Südafrika kennt den Möbelanbieter  5rooms, Glossybox, Mode-Ableger Zando, Wimdu und Dropgifts. 

Asien:

Logo Dropgifts

Südostasien ist einer der Märkte, dem sich Rocket Internet inzwischen mit Vehemenz widmet. Wachstum im Internet und insbesondere die hohe Durchdringung mit Mobiltelefonen in Ländern wie Singapur, Malaysia, Thailand aber auch Vietnam bietet Optionen für den M-Commerce. Gleichzeitig ist die Venture-Szene eher dysfunktional. Also können die Samwers hier punkten. 

Mit dabei  sind vor allem die Modeplattform Zalora, Wimdu, Amazon-Klon Lazada. Länder auf die Rocket Internet dabei ein Auge geworfen hat: Indonesien, Thailand, Singapur, Taiwan, Südkorea, Philippinen, Malaysia,  Honkkong und Japan - dort auch mit Glossybox und dropgifts. Indien kennt zudem noch Bamarang. China freut sich über Glossybox. Auch Pakistan zählt inzwischen zu den Ländern, denen man sich mit dem auch in Indien umtriebigen Modeanbieter Jabong  und dem Möbeldekorhaus Fabfurnish intensiver widmet.

Australien:

Wie immer in entwickelten Märkten geht Rocket Internet hier gerne mit neuen Modellen und bislang unterrepräsentierten Märkten  nach vorne: Bamarang, Glossybox, Wimdu.

Nordamerika:

If you can make it there - und so. Für die Samwers aber geht es eher um neue Märkte: Social Gifting mit dropgifts, Möbel mit fashionforhome und Glossybox, die es auch in Kanada gibt, haben in den USA ihren Aufritt.  Wimdu ist auch vertreten - natürlich.

Europa:

Spötter meinen,  nur noch Oliver Samwer habe den Überblick, welche Projekte im Heimatmarkt Europa gerade gelauncht werden und welche beerdigt wurden. Fest steht: Rocket Internet hat gerade in Portugal ein  Tech- und Development-Center ausgebaut, sucht Leute. Ein Brückenkopf für den südamerikanischen und afrikanischen Markt? Ganz bestimmt.

Und sonst so in Europa?

Etliche aus Deutschland bekannte Modelle  finden man nahezu überall in der Eurozone. Schließlich ist heutzutage Europa der Heimatmarkt und nicht Deutschland.  Einige Besonderheiten gibt es dennoch. Beispiele: Evimister, die türkische Variante von Home24. Sportanbieter Sporena ähnelt dem Rocket-Projekt Kanui in Brasilien.

Eher zurückhaltend ist der Inkubator, trotz eines Russen als Megainvestor (US-Milliardär Len Blavatnik mit seiner Beteiligungsgesellschaft Access Industries), in Russland. Neben dem unvermeidlichen Wimdu noch vor allem Möbel mit mebelrama und lamoda(Mode) aus dem gleichen Baukasten. 

Und wo geht es nun weiter?

1. Asia/SA Sub-Continent: India, Thailand, Philippines, Indonesia, Vietnam, South Korea, Malaysia (limited slots) and Singapore (limited slots).
2. Sub-Saharan Africa: South Africa and Nigeria
3. Latin America (Spanish or Portuguese language requirements): Brazil, Chile, Argentina, Colombia, Mexico
4. Middle East & North Africa: Turkey, Dubai (limited slots)
5. North America: United States and Canada - NYC (limited slots)

Diese Aufzählung macht ein Papier der Harvard Business School (PDF) aus dem April 2012, angefertigt für ein Recruiting-Event mit Rocket Internet (via). In dem Papier werden neue Ventures in den genannten Regionen in den kommenden 3-6 Monaten angekündigt. Deutlich wird dabei auch wie sehr sich Rocket Internet auf Wachstumszentren auf den jeweiligen Kontinenten konzentriert und sich, das zeigt auch die Liste der Ventures in den jeweiligen Ländern, ganz klar den Marktgegebenheiten (Verbraucherwünsche samt Wettbewerbsumfeld) anpasst und aller Schnelligkeit zum Trotz nicht mit abenteuerlicher Welteroberer-Taktik und dem Zwang jedes Geschäftsmodell zu exportieren in die Märkte geht.  

Noch mehr: Das Rocket-Imperium mit Logos


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Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Erstellt 29. Mai 2012 09:47 | Permanent-Link

    "Rocket Interet" ;)

  2. Erstellt 29. Mai 2012 10:48 | Permanent-Link

    Danke :)

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