Service-Werkzeug Kindle: Warum der Handel Amazon noch mehr fürchten muss

Von Olaf Kolbrück Olaf Kolbrück | 7. September 2012 |

Kindle Fire
Als Jeff Bezos gestern in Santa Monica die neuen Kindle vorstellte, war es vor allem ein Satz, der deutsche Händler ins Grübeln bringen sollte: Its not hardware, its services. In diesen knappen Worten kristallisiert sich der Wettbewerbsvorteil des Handelsriesen im digitalen Handel. Neue Kindle, prima, aber die Stärke von Amazon kumuliert nicht in den Leistungsmerkmalen seiner Produkte. Auch nicht in den Kampfpreises, die per Mischkalkulation durch die Verkäufe von Apps, Büchern und Musik subventioniert werden. Es genügt auch nicht, das Tablet als Köder für die Bindung an die Marke Amazon zu sehen. Das wäre zu kurz gedacht.

Entscheidender ist vielmehr, dass Amazon zum einen mit jedem neuen Kindle-Kunden und damit jedem neuen digitalen die Logistikosten reduzieren kann. Denn die Kunden bleiben, kaufen aber nicht mehr physische Bücher. Das senkt die Kosten. Das Kindle ist eben nicht nur Ware, sondern auch Vertriebsweg. Erst recht wenn Amazon auch als Verlag auftritt.

Auch aus diesem Grund drückt Amazon auf die Preise. Zugespitzt gesagt: mehr verkaufte Kindle, sind weniger LKW auf der Straße.Irgendwann.

In diesem Zusammenhang muss man sehen, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit beim klassischen Versand waren seit jeher ein Wettbewerbsvorteil und ein wichtiger USP von Amazon. Je mehr aber Kunden in Sachen Musik, Büchern und Spielen zur digitalen Ware greifen, desto weniger relevant wird dieser Vorteil in diesem Segment.

Das Kindle ist damit auch ein Serviceelement, um sich diesen Vorteil in einer zunehmend digitalisierten Welt weiter zu sichern. Amazon gleicht dabei durchaus Apple, dass ebenfalls auf ein kuscheliges Ökosystem für den sorgenfreien Einkauf setzt.

Dahinter aber steckt vor allem auch die Überzeugung, dass Produkte letztlich austauschbar sind, Preise in Minutenschnelle im Web unterboten werden können, (Amazon selbst wechselt mit Hilfe von neue Metriken und Algorithmen die Produktpreise in Teilsegmenten angeblich inzwischen im Stundentakt ) und das letzte verbleibende Argument gegenüber dem Kunden der Service sein wird.

Wer Wohlfühlatmosphäre bietet, zum gleichen Preis oder günstiger, der wird im E-Commerce das Rennen machen. Das ist das Ziel das Amazon verfolgt, wenn Bezos den Schlachtruf ausgibt “People don’t want gadgets anymore, they want services.“ Amazon hat eben begriffen, dass es nicht mehr nur um die Frage geht, welche Produkte ein Kunde kaufen will, sondern wie.  Antwort: So bequem wie nur irgendmöglich.


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Thema: E-Commerce

Schlagworte: Amazon, Kindle

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